Eine nachts aufgebaute Kamera filmte den Reifenstecher

Dem mutmaßlichen Täter stehen 250 Strafanzeigen ins Haus. Aus dem Umfeld der Ermittler wurde jetzt bekannt, wie der 55-Jährige geschnappt wurde.

Lichtenstein.

Susanne K. (45, Name von der Redaktion geändert) hatte diese Woche ein Schreiben von der Polizeidirektion Zwickau im Briefkasten. Genauer Absender war das Kommissariat 12, das sich unter anderem mit gemeingefährlichen Straftaten beschäftigt. Im Kuvert steckte ein Formular: ein Strafantrag, der von Opfern oder Geschädigten ausgefüllt an die Kriminalpolizei Zwickau zurückzuschicken ist.

Susanne K. gehört zu den Lichtensteinern, deren Autoreifen von dem 55-jährigen Mann zerstochen worden sein sollen, der vor rund einem Monat von der Polizei als Reifenstecher von Lichtenstein ermittelt worden ist. Jetzt kann sie offiziell gegen den mutmaßlichen Täter Strafantrag stellen. Insgesamt bekommen in diesen Tagen 250 Geschädigte Post vom Kommissariat12. Das bestätigte am Freitag Ines Leonhardt von der Staatsanwaltschaft Zwickau. "Ich empfehle allen, die geschädigt wurden, tatsächlich auch Strafantrag zu stellen", so die Staatsanwältin. Die Taten vor 2013 gelten indes als verjährt. Die Reifenstecher-Serie reicht nämlich noch weiter zurück.

Da in dem Anschreiben der Kripo auch der Name des mutmaßlichen Täters vermerkt ist, ist jetzt auch bekannt, um wen es sich bei dem Reifenstecher handeln soll. "Er ist ein ganz unscheinbarer Mann. Er macht den Eindruck, als könne er kein Wässerchen trüben", sagte ein Lichtensteiner. Der 55-jährige, berufstätige Tatverdächtige schweigt bisher zu den Vorwürfen.

Aus dem Umfeld der Ermittler wurde jetzt auch bekannt, wie der Mann ins Visier der Ermittler geraten sein soll. Demnach hatten Einwohner der Stadt im Bereich des DRK-Krankenhauses nachts eine Videokamera aufgestellt. Tatsächlich sei der Täter auf frischer Tat gefilmt worden. Die Lichtensteiner Filmer gingen mit dem Material zur Polizei. Daraufhin wurde der 55-jährige Mann, nach dem jahrelang erfolglos gesucht wurde, dingfest gemacht. Allerdings befindet er sich auf freiem Fuß. Ob die Lichtensteiner, die den mutmaßlichen Täter gefilmt haben sollen, Anspruch auf die 3000 Euro haben, die die Polizeidirektion Zwickau als Belohnung für sachdienliche Hinweise ausgesetzt hatte, ist offen. Unklar ist auch, ob das Filmmaterial tatsächlich als Beweismittel zugelassen wird. Polizei und Staatsanwaltschaft haben am Freitag die Version, wie der Mann den Ermittlern ins Netz gegangen sein soll, nicht kommentiert. Staatsanwältin Leonhardt: "Aus ermittlungstaktischen Gründen möchte ich nichts dazu sagen."

Ob und für wie viele Taten der mutmaßliche Reifenstecher tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden kann, ist noch völlig unklar.

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