Eine Nepalreise mit Folgen

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Heute: Andreas Voigt aus Hartmannsdorf engagiert sich für das Dorf Bodu.

Hartmannsdorf.

Andreas Voigt feierte am Samstag seinen 60. Geburtstag. Im Vorfeld hatte der Hartmannsdorfer darum gebeten, ihm anlässlich des runden Wiegenfestes keine Blumen zu schenken - stattdessen sollten Gratulanten einen kleinen Obolus in die Spendenkasse des Vereines "Unsere Hilfe für Nepal" werfen, dessen Vorsitzender er ist. Allein schon aus dieser Bitte ist ersichtlich, mit welchem persönlichen Einsatz Andreas Voigt hinter den Zielen des vor zwei Jahren gegründeten Vereines steht. Es geht ihm um Hilfe für die Menschen in dem kleinen nepalesischen Bergdorf Bodu. Eines der ersten Vorhaben war der Neubau einer durch ein Erdbeben zerstörten Schule.

Die Idee dazu ging auf eine Nepal-Reise des Hartmannsdorfers im Jahr 2015 zurück. Dort wurde die kleine Touristengruppe von einem 27-jährigen Nepalesen betreut. "Wir kamen mit ihm auch über persönliche Dinge ins Gespräch. Dabei verriet er uns, dass er seine Sprachkenntnisse gerne in Deutschland verbessern und mehr über die Mentalität der hier lebenden Menschen erfahren würde", sagt Voigt. Einige der Reisenden legten zusammen und erfüllten dem jungen Mann diesen Wunsch. Bereits im Folgejahr weilte er für zwei Wochen in der Finanzmetropole Frankfurt am Main und weitere zwei Wochen im eher beschaulichen Hartmannsdorf in Westsachsen. "Während unserer langen Unterhaltungen berichtete er auch über die Sorgen und Nöte in seinem Heimatdorf Bodu, das am Fuße des Mount Everest liegt. Dabei erwähnte er, dass beim Erdbeben 2015 die kleine Schule stark beschädigt wurde. Ausgelegt für 70 Schüler, nahmen aufgrund der Baufälligkeit damals aber nur um die 30 Mädchen und Jungen aus der Region Bodu am Unterricht teil." Die Instandsetzung des Gebäudes hätte rund 5000 Euro, der Bau einer dringend notwendigen Toilette noch einmal 3000 Euro gekostet. Auf Nachfragen stellte sich heraus, dass die Kosten für einen Komplettneubau nur wenig über diesen Kosten liegen würden. "Man darf nicht von deutschen Verhältnissen ausgehen, wo ein Schulneubau locker ein paar Millionen Euro verschlingt. Um in Nepal eine für dortige Verhältnisse gute Schule zu bauen, reichten bereits 15.000 Euro", sagt der Hartmannsdorfer. Er musste nicht lange überlegen und entschloss sich, Nägel mit Köpfen zu machen. Denn: "Bildung ist in einem derart armen Land ungeheuer wichtig. Nur so haben die Leute in Nepal eine reale Chance auf ein besseres Leben."

Mitstreiter fand Andreas Voigt bei Verwandten und im Freundeskreis. Die für die Gründung eines eingetragen Vereines in Deutschland nötigen sieben Personen kamen schnell zusammen. Unter anderem konnte er seine Schwester Conny Rüger für die Schulneubau-Pläne begeistern. "Große Überzeugungsarbeit musste er nicht leisten. Ich habe die erschreckenden Fotos gesehen und mir seine Berichte angehört. Für mich war sofort klar, dass ich helfen würde", sagt die 63-jährige Zwickauerin. Auch bei Uta Franke (57) aus Crimmitschau rannte Andreas Voigt sozusagen offene Türen ein. "Er hat bei einem Seminargruppentreffen davon erzählt und mich sofort begeistert. Es ist schon erstaunlich, wie man mit wirklich wenig Geld eine so große Hilfe leisten kann", macht sie deutlich. Schneller als gedacht konnte die neue Schule übergeben werden. Maßgeblich zu verdanken war das auch dem Engagement der Kirchberger Gymnasiasten. Die Schüler des Christoph-Graupner-Gymnasiums haben fast 20.000 Euro in die Spendenkasse des kleinen Vereines gespült. Das Geld stammte aus dem Erlös von zwei Benefizläufen an der Bildungseinrichtung.

Obwohl das ursprüngliche Ziel des Vereines inzwischen eigentlich erreicht ist, legen sich die sieben Mitglieder weiter ins Zeug. So soll als Nächstes ein Anbau für eine Küche, einen Speiseraum und ein Zimmer zur Übernachtung bei Extremwetter entstehen.

"Bodu hat etwa 1000 Einwohner, die aber über eine riesige Fläche verteilt sind. Da kann der Weg zur Schule für die Kinder schon mal einen zweistündigen Fußmarsch bedeuten", sagt Andreas Voigt. Mithilfe der Küche soll künftig jeder Schüler täglich eine warme Mahlzeit erhalten, was in Nepal keine Selbstverständlichkeit ist. Obst, Gemüse und Getreide hierfür können die Dorfbewohner selbst anbauen. Das Entgelt, das sie für den Verkauf erhalten, sei für sie oft die einzige Einnahmequelle.


Nepal liegt zu großen Teilen über 3000 Meter hoch

Zwischen China und Indien gelegen, erstreckt sich Nepal auf einer Fläche von rund 147.000 Quadratkilometer. Die Bevölkerung des asiatischen Staates ist zum größten Teil ländlich und bäuerlich geprägt. Nur annähernd 15Prozent der rund 29Millionen Nepalesen leben in Städten. Schätzungen zufolge gibt es mehr als rund 100unterschiedliche ethnische Gruppen und Kasten. Gesprochen werden 124 Sprachen und Dialekte.

Mehr als 40 Prozent des Territoriums liegen über 3000 Meter hoch. Damit ist Nepal das höchstgelegene Land der Erde. Im Norden und im Osten des Landes erhebt sich ein großer Teil des Himalaya-Gebirges, darunter auch der mit 8848 Metern höchste Punkt der Erde, der Mount Everest. Der tiefste Punkt Nepals befindet sich nur 70 Meter über dem Meeresspiegel - im Süden des Landes. Diese territoriale Besonderheit widerspiegelt sich in einem großen Artenreichtum von Flora und Fauna. (awo)

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