Enthusiasten retten Mauer und Zollturm vor endgültigem Verfall

Die Burg Schönfels ist weithin bekannt. Was viele gar nicht wissen: In der Nachbarschaft gibt es auch das Schloss Neuschönfels. Zu dem Komplex gehörende Bauten wären unter Efeu und Bäumen fast verschwunden. Doch ein Verein hat das gerade noch rechtzeitig verhindert.

Schönfels.

Mario Hammer hofft, dass der Herbst noch ein paar warme Tage parat hat. "Die sind wichtig, damit ich das Verfugen des alten Zollturmes beenden kann", sagt der Wechselburger, der öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger im Maurerhandwerk ist und schon vielen alten Gebäuden neuen Halt gegeben hat. Den Kalkmörtel für das mehr als 400Jahre alte Gebäude in Schönfels rührt er nach einem Rezept seines Urgroßvaters an. "Der hat noch am Hofe des letzten Sachsenkönigs gearbeitet und über große Erfahrungen bei der Sanierung von Burgen und Schlössern verfügt. Die sind in unserer Familie von Generation zu Generation weitergegeben worden", sagt Hammer, der seit 23 Jahren im Bereich Denkmalschutz arbeitet.

Eine Schießscharte des Rundbaus ist noch erhalten, eine weitere muss ergänzt und die dritte neu in die Mauer eingepasst werden. Am Ende wird der alte Zollturm einen Edelstahlanker als inneres Korsett erhalten. Das aufgesetzte Glockendach ist bereits wieder in Ordnung gebracht worden. Und zwar mithilfe von Dachdeckermeister Pöch aus Schönfels. "Was noch fehlt, ist die Turmspitze. Die nach alten Zeichnungen neu zu fertigen, kostet gut 1300Euro. Doch dafür ist derzeit kein Geld in Sicht. In Auftrag gegeben werden kann sie nur, wenn wir über Spenden die nötigen Mittel zusammenbekommen", sagt Denis Loos.

Loos ist in Schönfels aufgewachsen. Und als Diplom-Museologe beschäftigt er sich nicht nur beruflich mit der Historie. "In den vergangenen 15 Jahren sind in Sachsen mehr als 4500 Kulturdenkmale unwiederbringlich verloren gegangen. Und mit ihnen die daran gebundene Geschichte und Identität", sagt Loos. Damit wollte er sich nicht einfach abfinden, zumindest in seinem Heimatort etwas dagegen tun. So gründete der Schönfelser gemeinsam mit seiner Schwester Jenny und weiteren Enthusiasten 2015 den Verein zur Pflege von Altertümern.

Er berichtet, dass dieser als erstes die unter Efeu und Bäumen kaum noch auszumachende Wehrmauer, die zur Anlage des Schlosses Neuschönfels gehört, freigelegt und saniert hat. "Möglich wurde das, weil wir 24.000 Euro über das Förderprogramm Leader bekommen haben. Beim Zollturm unterstützt uns die Sparkasse Zwickau mit 3000Euro."

"Wenn diese beiden Baudenkmale saniert sind, würden wir gern den Glockenturm in Angriff nehmen, der ebenfalls zum Areal des Schlosses Neuschönfels gehört", berichtet Jenny Loos über die nächsten Pläne. Auch am Schloss selbst wird derzeit fleißig Hand angelegt. Allerdings nicht vom Verein, sondern im Auftrag des Eigentümers Günther Gräff. "Wir arbeiten gut zusammen", berichtet Denis Loos. "Es gibt hier noch viel zu erkunden." Er erzählt, dass das Schloss Neuschönfels nach der Weißbachschen Erbteilung 1548 als eigene Grundherrschaft begründet wurde. Es diente als Wohnsitz der Rittergutsherrschaft Neuschönfels. Mitte des 16.Jahrhunderts erbaut, wurde das Ensemble 1893 im neogotischen Stil umgebaut.

Spenden für die neue Spitze auf dem alten Zollturm können auf das Konto des Vereins zur Pflege von Altertümern bei der Sparkasse Zwickau, Kontonummer 020032150, Iban DE 55870550001020032150, unter dem Kennwort "Turmspitze" überwiesen werden.

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