Ferienkinder machen in Zwickau Zirkus

42 Mädchen und Jungen campen neben dem Zirkuszelt im Historischen Dorf. Die Clowns und Akrobaten wollen Zuschauer mit auf eine spannende Zeitreise nehmen.

Zwickau.

Ein Zirkuszelt steht derzeit neben dem Mulderadweg am Historischen Dorf in Zwickau. Rundherum gibt es keine Zirkuswagen, sondern kleine Zelte zum Schlafen. Denn es ist ein Zirkus auf Zeit und ein Zirkus, der auf Zeitreise geht. 42 Schüler zwischen zehn bis 14Jahren aus der Zwickauer und der Dresdner Region verbringen ihre ersten zehn Ferientage damit, ein Programm zu entwickeln und zu proben, das die Geschichte der Arbeitswelt vom mittelalterlichen Handwerk bis zum Industriezeit- alter veranschaulicht.

Unter der Zirkuskuppel üben gerade zwei Mädchen Reifenartistik. Darunter knallen Spielzeugpistolen. "Wir beschäftigen uns mit der Französischen Revolution", sagt Lisa Lü, eine der Betreuerinnen. Die Künstlerin und Sozialpädagogin, die aus Riesa stammt, lebt seit sieben Jahren in Neuseeland. Doch einmal im Jahr kommt sie mit ihrem Partner Hatmanamat, einem Franzosen, nach Sachsen, um die Familie zu besuchen und beim Zirkusprojekt mitzumachen. "Am Anfang dauert es eine Weile, bis jeder seinen Platz findet. Aber dann wachsen die Kinder über sich hinaus. Sie lernen, sich aufeinander zu verlassen, schließen Freundschaften. Am Ende gehen alle mit mehr als neuen Kunststücken wieder nach Hause", sagt sie.


Das Projekt, dass es seit 18Jahren gibt, findet erstmals in Zwickau statt. Veranstaltet wird es von der Stadtmission, dem Jugendpfarramt Dresden und den Vereinen "Alter Gasometer" Zwickau sowie "Josev" aus Mülsen. Von diesem kommt Künstler Swen Kaatz. Er erzählt, dass die Schüler viel mehr als Zirkus machen. "Wir beschäftigen uns auch mit der Zeit vom 16.Jahrhundert bis Anfang des 19. Jahrhunderts, schauen, was die Menschen damals erlebt und wie sie gelebt haben", sagt er. So wurde gemeinsam eine Weltensuppe gekocht und gegessen. Dabei haben die Mädchen und Jungen unter anderem erfahren, dass die Kartoffel ursprünglich aus Südamerika kommt und der Reis aus Asien. "Wir haben darüber gesprochen, dass die Regionen der Welt mehr und länger miteinander verbunden sind als viele Kinder denken, und dass es darum ging und geht, diese Verbindungen friedlich zu gestalten."

Am Wochenende wird jetzt noch am Programm gefeilt. "Alle Mitwirkenden sind schon sehr gespannt, wie das Ergebnis unseres nicht alltäglichen Zirkusprojektes beim Publikum ankommt. "Wir hoffen, dass neben Eltern und anderen Verwandten auch viele weitere Zirkusfreunde zu den drei Vorstellungen und dem Gottesdienst kommen und sich das Zelt, das immerhin etwa 350 Besuchern Platz bietet, immer gut füllt", sagt Swen Kaatz.

Aufführungen im Zirkuszelt am Historischen Dorf in Zwickau gibt es am Montag ab 9.30 Uhr und 17 Uhr sowie am Dienstag ab 15.30 Uhr. Eintritt: 2 Euro. Bereits am Sonntag findet um 10 Uhr ein Gottesdienst mit Andacht, Zirkus und Musik statt. Besucher können im Einkaufszentrum an der B 93 hinter der Aral-Tankstelle parken.


"Ich mag das Miteinander"

Saskia Baumann (12) aus Ortmannsdorf nimmt am Zirkuscamp teil. Sophia Wahls hat sich mit der Schülerin über das Ferienangebot unterhalten.

Freie Presse: Warum hast du dich für das Zirkuscamp entschieden?

Saskia Baumann: Meine Freundin Paloma Kaatz war schon ein paar Mal dabei und hat begeistert davon erzählt. Da wollte ich auch mitmachen.

Was ist dein Programmbeitrag?

Ich mache Luftakrobatik am Trapez.

Wie bist du dazu gekommen?

Wir konnten Wünsche auf einen Zettel schreiben. Mein erster Wunsch war Luftakrobatik. Und es hat geklappt.

Macht es dir Spaß?

Ja, sehr.

Was gefällt dir am meisten?

Ich mag das Miteinander, auch dass man neue Freunde findet. Und, dass meine Tante das Essen liefert.

Was gefällt dir nicht so sehr?

Ein bisschen nervig ist, wenn man nach dem Training dann noch zum Abendabschluss muss, wenn man eigentlich nur noch schlafen will.

Wer kommt zu Aufführung?

Meine Eltern und mein Bruder.

Bist du schon nervös?

Nein, ich war schon bei mehreren anderen Zirkusprojekten. Da kenne ich schon Aufführungen vor Publikum.

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