Flüchtlinge im Job: Drei vertane Chancen

Ein Lebensmittelunternehmer hat vor Jahren drei Asylbewerber eingestellt - und sich mittlerweile wieder von ihnen getrennt. Doch er würde es wieder tun.

Zwickau.

Er hat es probiert und würde es auch wieder tun. Die ersten Versuche aber, Asylbewerber in sein Unternehmen und damit auch in die Gesellschaft zu integrieren, sind gescheitert.

Vor zwei Jahren hatte die "Freie Presse" noch mit Foto und Klarnamen über den Lebensmittelunternehmer berichtet, der drei Flüchtlingen einen Arbeitsplatz gegeben hat. Mittlerweile möchte der Geschäftsmann seinen Namen in Zusammenhang mit dieser Geschichte nicht mehr in der Zeitung lesen. Nicht, weil er fürchtet, für seine Entscheidungen angefeindet oder gefeiert zu werden. Aber er hat mehrere Filialen mit insgesamt gut 80 Angestellten, manche Mitarbeiter waren persönlich sehr nahe dran an den Schicksalen der Flüchtlinge. Denen will er weder zumuten, sich rechtfertigen zu müssen, noch Lob von einer Seite zu bekommen, deren Ansichten nicht mit seiner Grundhaltung übereinstimmt.

2016 hatte der Unternehmer einen Pakistani und einen Afghanen bei sich eingestellt, im Januar 2017 kam ein Iraker hinzu. Anfangs schien alles gut, bei Wind und Wetter machten sie sich teils noch vor dem Hahnenkrähen mit dem Fahrrad auf zur Arbeit. Sie hatten ihr Land aus Armut und teils aus politischen Gründen verlassen und durften nun Geld verdienen.

Von dem Iraker, der zuletzt gekommen war, trennte sich der Unternehmer zuerst. "Er war anfangs fleißig, zuletzt aber immer unzuverlässiger, eigentlich mehr oder weniger nur körperlich da", erinnert sich der Chef. Der Mann war mit seiner Frau nach Deutschland gekommen, die, so hatte es den Anschein, fast alles für ihn erledigte.

Die beiden anderen waren ebenso gut gestartet, zeigten im Rahmen ihrer Fähigkeiten Fleiß, kamen pünktlich. "Wir haben anfangs viel in sie investiert, sie kannten ja kaum etwas von unserem Handwerk. Doch wir hatten immer das Gefühl, es geht voran." Der Unternehmer lud die beiden zu sich nach Hause ein, feierte Weihnachten mit ihnen.

Das änderte sich. "Wir haben immer Wert darauf gelegt, dass es sprachlich vorangeht. Doch da gab es irgendwann keinen Zuwachs mehr. Im Gegenteil, wir hatten das Gefühl, es wird sogar schlechter." Der Pakistani schwänzte den Deutschunterricht, oder, wie der Unternehmer erfuhr, saß teilnahmslos die Zeit auf der Schulbank ab. Auch in Sachen Fleiß verpuffte der anfängliche Eifer. "Es waren keine Faulen. Aber irgendwie hatten wir das Gefühl, dass sie systematisch abstumpften. Irgendwer muss ihnen beigebracht haben: Egal ob du was machst oder nicht, du bist versorgt."

Hier ließ die Gründlichkeit nach, dort das Tempo. Arbeiten, die ihnen Spaß machten, zogen sie in die Länge, um unangenehme Tätigkeiten nicht anfangen zu müssen. "Das läuft in einem Team nicht. Das Team muss funktionieren", sagt der Unternehmer. Klar habe er das auch schon bei Azubis erlebt. Dort könne man aber mit den Eltern gemeinsam noch erziehen. Zudem können sich Lehrlinge nicht dahinter verstecken, dass sie nichts verstehen. Das aber, so das Gefühl des Unternehmers, war bei den Flüchtlingen immer öfter der Fall.

Einige Mitarbeiter standen den jungen Männern näher, holten sie auch mal bei strömendem Regen ab, kümmerten sich um Sorgen im Alltag. Enttäuschung überwiegt heute.

Der Pakistaner zog mit Freunden zusammen. Es habe ihn geärgert, wenn die feierten, während er arbeiten ging. Die Freunde hatten Geld, ohne dafür etwas zu tun. Plötzlich lehnte er manche Arbeiten ab, aufwaschen beispielsweise. Von Frauen, selbst von weiblichen Führungskräften, ließ er sich immer weniger sagen. Mitte 2018 trennte sich der Unternehmer von ihm. Zu viele Gespräche hatten nicht gefruchtet.

Der Afghane blieb am längsten. Er ging teils mit 1500 Euro nach Hause. Er hatte zwar nur einen Duldungsstatus, aber mit diesem Geld und mehr Handwerkswissen hätte er eine Chance gehabt, sich in seinem Land etwas Eigenes aufzubauen, meint der Unternehmer. Er hätte ihm dabei geholfen. Doch es kam anders. Im Mai machte das Wohnheim zu, der Afghane musste ausziehen. Mitarbeiter halfen bei der Suche, Wohnraum am Arbeitsort gab es aber nur begrenzt. Der junge Mann entschied sich für eine weit von seiner Arbeitsstelle entfernte Wohnung. Nach wenigen Monaten wurde ihm der Arbeitsweg zu weit, Busse fuhren nicht passend zu seinen Schichten. Er kündigte schließlich von selbst.

In den Augen des Unternehmers schaden Wohnheime der Integration. Für viel besser hielte er es, die Menschen zu verteilen. Doch sucht er die Fehler nicht nur bei anderen. "Vielleicht hätten wir einen Deutschlehrer zu uns holen sollen", fragt er sich heute.

Er bleibe bei seiner Maxime: Jeder, der arbeitswillig ist, bekommt eine Chance. Das gelte für Fremde wie für Deutsche. Er sieht viele Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge. Hilfsarbeiter würden vielerorts gesucht. "Wir sind allerdings vorsichtiger geworden." In neue Mitarbeiter will er erst wieder so viel investieren, wenn die wirklich wollen. "Alle drei würden heute noch bei uns arbeiten, wenn sie sich weiterentwickelt hätten", sagt der Chef. "Wir sind kein diakonisches Werk, bei uns muss man etwas leisten, und dafür bekommt man Anerkennung. 80 Prozent der Welt beneidet uns um das Niveau, das wir in Deutschland beklagen." Ein Niveau, das auf Tugenden wie Pünktlichkeit, Fleiß und Zielstrebigkeit basiere.

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