Fördermillionen in Wartestellung

Während man in der Politik schon von einem "Startschuss" für die Sanierung des Zwickauer Schocken-Kaufhauses spricht, fehlt in Wahrheit noch eine Unterschrift.

Zwickau/Berlin.

Wenn sich die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) und der Hohenstein-Ernstthaler Marco Wanderwitz (CDU) dienstlich in Berlin begegnen, dann hat das einen besonderen Grund. Am Dienstagvormittag gab es einen solchen Anlass. Da hat Wanderwitz in seiner Eigenschaft als Staatssekretär im Bundesinnenministerium eine Fördermittelurkunde über 4 Millionen Euro an Vertreter geförderter Kommunen aus dem Bundesgebiet übergeben, darunter auch an OB Findeiß. Und wieder ist ein weiterer Schritt gemacht in Richtung Kaufhaus-Wiederbelebung in Zwickau.

Wie bereits im Frühjahr 2019 angekündigt, hat der Bund jetzt für das Zwickauer Projekt 4 Millionen Euro bereitgestellt. Schon der Name des Förderprogramms unterstreicht, wie wichtig die Politik die Wiederbelebung des Zwickauer Schocken-Baus nimmt: Das Geld stammt aus dem Programm "Nationale Projekte des Städtebaus". Auch der Crimmitschauer OB André Raphael (CDU) holte sich am Dienstag die 2,6 Millionen Euro für das Crimmitschauer Schocken-Kaufhaus persönlich in Berlin ab. Bundesweit wurden nur 35 Maßnahmen ausgewählt. Für sie stehen 140 Millionen Euro zur Verfügung.

In Zwickau sollen Behördenbüros und Wohnungen ins Schocken einziehen, das Erdgeschoss soll weiter gewerblich genutzt werden. Neben den 4 Millionen Euro vom Bund schießt die Stadt Zwickau 2 Millionen Euro dazu. Das Gesamtvolumen der Schocken-Sanierung liegt bei 28 Millionen Euro, wovon der Hauptteil durch einen privaten Investor getragen wird. In einer Pressemitteilung des Mülsener Bundestagsabgeordneten Carsten Körber (CDU) wird OB Findeiß folgendermaßen zitiert: "Wenn die Zwickauer ihr Schocken in Zukunft wieder nutzen können, erwarte ich dadurch einen wichtigen Impuls nicht nur für die Stadtentwicklung, sondern auch für die Revitalisierung unserer Hauptstraße." Körber sagt dazu: "Jetzt kann es also richtig losgehen."

Das trifft es aber nicht ganz. Bevor es tatsächlich richtig losgehen kann, müssen noch Unterschriften auf die Verträge. Der private Investor für das Schocken-Kaufhaus ist die Baufirma Papenburg. Diese hält sich selbst öffentlich zwar bedeckt, Informationen der "Freien Presse" zufolge soll sie aber ihre Investitionsentscheidung vor allem von künftigen Mietzusagen abhängig gemacht haben. Außerdem wollte man nur investieren, wenn man das Gebäude als Eigentum erwerben könne. Die Schocken-Erbengemeinschaft, die lange als schwieriger Verhandlungspartner galt, hat dem Verkauf des Gebäudes schon zugestimmt. Auch Zusagen von Stadt und Land, sich mit Verwaltungsbüros im Gebäude einzumieten, sind vorhanden. Was noch fehlt, ist die Unterschrift des Investors. Das hat die Zwickauer Stadtverwaltung am Dienstag bestätigt.

Dass hinter den Kulissen noch gefeilscht wird, hat unter anderem Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) während des Wahlkampf in der Zwickauer Fußgängerzone eingeräumt, wenngleich er betonte, dass es an der Sanierung grundsätzlich nichts mehr zu rütteln gebe. Dem Vernehmen nach werde noch um Details gepokert, beispielsweise wie weit man der Firma bei der Erteilung von Bauauflagen entgegenkommen kann.

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