Für Hospiz: Studenten sammeln Unterschriften

Mit einem unangenehmen Thema sind junge Menschen jetzt an die Zwickauer herangetreten. Dabei haben sie gute Erfahrungen gemacht - und auch unangenehme.

Zwickau.

Man kennt die Ecke: An der Inneren Plauenschen Straße stehen häufiger Menschen mit Redebedarf: Tierschützer, Christen, Parteimitglieder. Am Donnerstag hatten Studierende der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) einen Pavillon aufgebaut. Sie baten um Unterschriften - und sie wollten über ein Thema sprechen, das vielen Menschen unangenehm ist: das Sterben.

Zehn junge Leute suchten das Gespräch - zusammen studieren sie Pflegemanagement an der WHZ und besuchen ein Projektseminar, das sich mit der Frage auseinandersetzt, ob und wie sich in der Region Zwickau ein Hospiz einrichten lässt, ein Ort also, an dem Tod geweihte Menschen ihre letzte Zeit gut betreut und in Würde verbringen können. Den Hintergrund erläutert Franziska Kalinowski: "Die Stadt Zwickau hat die Charta zur Betreuung schwerst kranker und sterbender Menschen nicht unterschrieben." Einer der Leitsätze der Charta ist, dass jeder sterbende Mensch ein Recht auf eine angemessene und qualifizierte Begleitung hat - beispielsweise in einem Hospiz. Die nächsten derartigen Einrichtungen sind etwa in Werdau und Chemnitz. Weiter gibt es den ambulanten Hospizdienst Elisa, der sich aber nicht um alle Patienten kümmern kann, sowie eine Palliativstation im Heinrich-Braun-Klinikum. "Aber auf solchen Stationen ist die Aufenthaltsdauer befristet", so Franziska Kalinowski. Die Studenten sind der Meinung, dass in Zwickau ein Hospiz fehlt - deswegen haben sie eine Petition gestartet. Wenn mindestens 1200 Zwickauer unterschreiben, soll sich der Stadtrat damit auseinandersetzen, ob die Stadt die Charta unterschreiben wird. "Wir haben das Projekt der Oberbürgermeisterin vorgestellt und aus dem Rathaus zumindest eine erste positive Reaktion bekommen, sagt Ute Rosenbaum, die als Professorin das Projekt leitet.


Positive Reaktionen bekommen die Studenten auch an ihrem Stand. Zumindest zum Teil. "Wir haben hier schon alles erlebt - das geht bis hin zu Dingen, die ich menschlich nicht für möglich gehalten hätte", sagt Laura Wille. Die 19-Jährige spricht von Beleidigungen und abkanzelnden Worten. Dass viele dem Thema Sterben aus dem Weg gehen wollen, kann sie nachvollziehen. Sie sagt aber: "Wenn man drüber redet, wird es erträglicher. Und wenn man mal in die Lage kommt, einen Menschen beim Sterben begleiten zu müssen, ist es gut, wenn man schon informiert ist." Die Petition ist im Internet verfügbar und läuft bis 20. Juni.

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