Geld für Schocken und Orgel

Mehr als eine Million Euro werden in die Notsicherung des Kaufhauses in der Hauptstraße und in die Reparatur in der Lukaskirche investiert.

Zwickau.

Das ehemalige Kaufhaus Schocken in der Zwickauer Hauptstraße ist offenbar nicht nur als künftiger Sitz für Ämter der Zwickauer Stadtverwaltung interessant. Wie Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) am Freitag sagte, hätten neben der Landesregierung auch weitere Behörden des Freistaates einen Bedarf an Büroflächen im Zwickauer Zentrum angemeldet.

Das seit 1999 mit Ausnahme des Erdgeschosses leer stehende Gebäude ist nun seiner Sanierung einen Schritt näher gekommen. Aus dem Denkmalschutzprogramm des Bundes stehen 150.000 Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Der Staatssekretär im sächsischen Innenministerium, Günther Schneider (CDU), überreichte am Freitag den entsprechenden Förderbescheid. Mit der Kofinanzierung des Freistaates (275.000 Euro) und dem städtischen Eigenanteil (75.000 Euro) stehen damit insgesamt 500.000 Euro zur Verfügung. Wie Köhler sagte, werde das Geld hauptsächlich für die Notsicherung der historischen Gebäudesubstanz verwendet. Das betreffe vor allem auch den Innenraum, der inzwischen in einem sehr schlechten Zustand sei. Aber auch die ersten Vorplanungen sowie Bauvorbereitungen sollen mit den Mitteln finanziert werden.

Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Kaufhaus als wichtiges Kulturdenkmal eingestuft und mahnt jetzt dringenden Handlungsbedarf an. Für die Leiterin des Büros für Denkmalpflege, Steffi Haupt, geht es zunächst darum, den tatsächlichen Zustand der Immobilie zu erfassen. "Daraus müssen wir dann ableiten, was wichtig ist, was erhalten bleiben muss und wie das in das spätere Nutzungskonzept eingearbeitet werden kann", sagte sie. Vor allem die Fassaden spielen eine wichtige Rolle. Die Außenfront am Marienplatz ist zu DDR-Zeiten im Auftrag des Konsument-Kaufhauses neu gestaltet worden. Jetzt soll diese Verkleidung wieder entfernt werden. "Wir hoffen, dass die frühere Fassade darunter erhalten geblieben ist", sagte Steffi Haupt. Das Besondere daran: An der Fassade hat Bernhard Sturtzkopf (1900-1972), einst Architekt und Bauleiter des Schocken-Konzerns, einen wesentlichen Anteil. Das ehemalige Kaufhaus Schocken ist allerdings nicht nur ein Kulturdenkmal. Wegen der zentralen Lage zwischen Marienplatz und Hauptstraße kommt ihm eine wichtige innerstädtische Bedeutung zu. "Es ist quasi ein Herzstück", sagte Haupt. "Funktioniert das Quartier nicht, funktioniert auch die Verbindung zum Marienplatz und den Arcaden nicht." In Zusammenarbeit mit der Erbengemeinschaft konnte mit der Firma Papenburg ein Investor gefunden werden. In dem 1901 errichteten Gebäude sollen Handel und Büroräume etabliert werden. Derzeit, so sagte Kathrin Köhler, seien die Verkaufsgespräche zwischen Papenburg und den Eigentümern auf einem guten Weg. Die Firma hat in Zwickau bereits das Schloss Osterstein saniert sowie den Neubau des Fußballstadions realisiert.

Fördermittel aus dem Denkmalschutzsonderprogramm gab es am Freitag auch für die Lukaskirche in Planitz. Mit 187.500 Euro wird die Sanierung der Walcker-Orgel unterstützt. Die zusammen mit der Kirche im Jahr 1876 eingeweihte Orgel ist das erste von sechs Instrumenten, die von der im 19. Jahrhundert weltweit bedeutenden Ludwigsburger Orgelbaufirma in Sachsen gebaut wurden. Die Instrumente unterschieden sich von den damals zumeist eingebauten Orgeln von Gottfried Silbermann wegen des neuen Systems der Kegellade durch ihr hochromantisches Klangbild.

Aufgrund eines Umbaus in den 1960er-Jahren ist heute nur noch ein Torso der Planitzer Orgel vorhanden. Später wurden Teile davon an die Kreuzkirche verkauft. Wie Gabriel Püschmann vom Förderverein der Lukaskirche sagte, seien Restbestände davon gefunden worden. Sie sollen wieder verwendet und mit neuen Teilen eingebaut werden. Um die Orgel spielbar zu machen, müssen ein großer Teil des Pfeifenwerkes und der Spieltisch ergänzt werden. Die Kosten für alles werden auf insgesamt 575.000 Euro geschätzt. 375.000 Euro davon sind als Fördermittel eingeplant.

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