Großes Kino in der Stadt der Kleinen

Mini-Zwickau, die Spielstadt für Kinder, hat für zwei Wochen seine Pforten geöffnet. Ein Besuch bei Floristen, Taxifahrern und Tätowierern.

Zwickau.

Es gibt gute und - naja - schlechte Nachrichten aus Mini-Zwickau. Die Gute: Das Leben in der Spielstadt funktioniert so ziemlich reibungslos. Am ersten Ferientag hat die Ansammlung aus Arbeitsplätzen und Freizeitvergnügen in der Pestalozzioberschule ihre Pforten geöffnet. 14 Tage lang können dort Kinder von der 1. Klasse bis zum Alter von 14 Jahren ihre Tage verbringen, sich mit Freunden treffen, das Erwachsenenleben ausprobieren. Bei 45 Betrieben sind mehr als 300 Arbeitsplätze zu vergeben.

Mitarbeiter der Stadt, von Vereinen und einigen Unternehmen unterstützen die Kinder eher im Hintergrund. Die jungen Leute halten das Leben in Mini-Zwickau auf Trab. Mit gewohnten Angeboten wie der Gärtnerei. Claudia Hoyer hat mit Lea Näser und Timon Josia Neuhaus zwei ebenso junge wie erfahrene Mitarbeiter an ihrer Seite. Der Laden, der in diesem Jahr mehr Kräuter als Blumen anbietet, läuft. Vor allem, weil Timon mit einem Bauchladen durchs Gelände streift. 87 Pflanzen habe er auf diese Weise schon gegen Spielstadtwährung verkauft, sagt der Junge am Nachmittag stolz.


Apropos Spielen. Für die Ministadt haben sich die Verantwortlichen der großen Stadt etwas Neues einfallen lassen: Sie wollten ein Wasserspiel installieren - und das hat auch geklappt. Nur ist es gerade etwas kühl fürs Matschen mit Wasser, sagt Saskia Brückner. Die Zehntklässlerin passt als Patin auf den nassen Spielplatz auf - nachdem sie als Kind selbst in Mini-Zwickau spielte. Sie hat damit eine ähnliche Karriere wie Anton Pfau und Justin Radeck hingelegt: Die Jungen haben sich über einen Jugendclub als Helfer angemeldet. Nun betreuen sie das Kino - oder besser: Sie haben ein Auge auf die Kinder, die jeweils einen Tag lang im Kino arbeiten und dort Filme zeigen, Popcorn verkaufen und dafür sorgen, dass es im Kinosaal nicht zu laut wird.

Ähnlich farbenfroh wie im Film geht es bei Emilia Sabowski und Elisa Theyerl zu. Die Mädchen arbeiten im Tattoo-Studio. Allerdings benutzen sie keine Nadeln, sondern Druckluft, um Farbe auf die Haut ihrer Kunden zu bringen. Die Motive - angefertigt mit Schablonen - sind abwaschbar. Es ist also nicht mit Ärger zu Hause zu rechnen. Warum sie sich ausgerechnet diesen Job ausgesucht haben, begründet Emilia: "Wir haben auch schon woanders gearbeitet - aber das hier ist das coolste."

Cool unterwegs ist auch Jonny Lahr. Der Neunjährige düst mit einem Trettaxi übers Gelände. Hinter ihm sitzen zwei breit grinsende Jungen, die sich chauffieren lassen. Jonny winkt dem Fotografen zu - Hände ans Steuer, sagt der. Doch der Junge winkt ab: Alles gut. Er fährt sicher. "Aber mein Kollege hatte heute schon einen Unfall." Er hat einen Fahrgast verloren. Das ist die schlechte Nachricht. Aber das Gute daran: Passiert ist nichts weiter.

Bis zum 19. Juli ist die Spielstadt geöffnet. Kinder können dort von Montag bis Freitag jeweils ab 9 Uhr spielen - Eintritt und Mittagessen kosten 2 Euro, Inhaber des Zwickau-Passes zahlen 1 Euro.

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