Hamlet: Zwischen Rache und Wahnsinn

Regisseur und Dramaturgin gaben vor der Premiere einen Einblick in ihre Gedanken für die Gestaltung der Tragödie.

Zwickau.

Hamlet zu lesen ist ein Kosmos an Themen und Interpretationen. Im Grunde dreht sich alles um menschliche Abgründe. Rache, Mord, Depression und Wahnsinn. Ein immerwährender Kampf zwischen Machtmenschen und ihren Schwächen. William Shakespeare hat sie sehr ausführlich beschrieben. Erdacht hat sich der englische Dichter diese komplexe Geschichte allerdings nicht. Er ist vielmehr der Bearbeiter eines damals schon lange bekannten Stoffes. Bereits in einer isländischen Sage aus dem 12. Jahrhundert findet sich ein Prinz Amleth, der den Blöden spielt, um den Mord an seinen Vater zu rächen, nach Britannien geschickt wird, und dort umgebracht werden soll. Er erkennt jedoch den Komplott, verkehrt ihn ins Gegenteil, setzt schließlich den Königshof in Brand und tötet den ganzen Königsstaat. Durch seine Rache ist die Welt wieder im Lot.

Durch die ausführliche Beschreibung Shakespeares lässt sich sein Hamlet nicht im Ganzen spielen, das Stück würde gut sechs Stunden dauern. Deshalb muss der Regisseur eine Auswahl treffen, hier kürzen, dort streichen und seinen eigenen Hamlet erschaffen. Regisseur Till Weinheimer hat gekürzt, gestrichen und fokussiert auf etwa zwei Stunden und 35 Minuten. Das sei eine Zeit, die man den Zuschauern gerade noch zumuten kann, meint er. Wie er sich das Stück vorstellt und was er damit ausdrücken will, erlebten Sonntagvormittag etwa 30 Gäste bei der Matinee in der Pestalozzischule.

Das Bühnenbild bietet für den Zuschauer wenig Ablenkung. Der Hintergrund ist schwarz. Das bringt nicht nur Schauspieler oder das Mobiliar prägnant zur Geltung. Es verdeutlich vor allem die düstere Grundstimmung des Stückes. Zudem wird häufig Nebel eingesetzt. Er soll die Fantasien der Zuschauer wecken, erklärt Dramaturgin Maxi Ratzkowski. Sie sollen unter anderem Antworten finden auf Fragen wie: Wie kann einer lächeln und trotzdem ein Verbrecher sein? Warum fällt ein sensibler Mensch aus seinen Koordinaten, als er erkennt, dass er Teil eines Machtgefüges ist? Hamlet in Zwickau bedeutet auch Gewaltszenen. Der Kampfchoreograph Peter Theiss hat die Schauspieler dafür trainiert. "In Hamlet ist die Gewalt nicht so stark wie in Macbeth", sagt er. Trotzdem müssen diese Szenen authentisch sein. Die Zuschauer und vor allem die in der ersten Reihe müssen spüren, dass die Ohrfeige, der Faustschlag, der Messerstich weh tut.

Die Pestalozzischule ist nach wie vor eine Ersatzspielstätte für das Zwickauer Theater. Regisseur und Dramaturgin können nicht aus den Vollen schöpfen, sondern müssen sehen, was auf der kleineren Bühne möglich ist. Um den Aufwand so gering wie möglich zu halten, wurde das Stück bereits bei der Premiere in Plauen so konzipiert, dass es auch in Zwickau passt. Premiere ist am kommenden Samstag, 12. Januar.

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