In Mosel steigt die große Abschiedsparty

Nach mehr als 30 Jahren Leistungssport, davon fast zwei Jahrzehnte lang im Zwickauer Trikot, wird Rostislav Pohlmann am Sonntag das letzte Mal vor heimischem Publikum aufs Feld rollen. "Freie Presse" lässt einstige Weggefährten der lebenden Legende zu Wort kommen.

Mosel.

Knapp einen Monat vor seinem 55. Geburtstag wird Rostislav Pohlmann am Sonntagnachmittag garantiert mit Präsenten und guten Wünschen überhäuft. Und er hat es verdient. Wie kein anderer hat der Tscheche dem Bundesliga-Rollstuhlbasketball in Zwickau seinen Stempel aufgedrückt. Er war an allen großen Erfolgen des Vereins beteiligt: Je zweimal Deutscher Meister und Pokalsieger, zweifacher Gewinner des André-Vergauwen-Cups, vergleichbar mit dem Uefa-Pokal im Fußball, und Finalteilnehmer im Champions-Cup. Nun beendet er seine leistungssportliche Laufbahn.

Das letzte Pflichtspiel vor heimischen Anhängern bestreitet "Rosti" am Sonntag, 14 Uhr in der Sporthalle Mosel mit dem BSC Rollers Zwickau in der Playdown-Runde gegen die Roller Bulls Ostbelgien. Nachdem der Klassenerhalt vorzeitig perfekt gemacht worden ist, kann man die Aufgabe entspannt in Angriff nehmen und den Fans zum Saisonausklang nochmal ein schönes Spiel bieten. Hinterher wird es vor hoffentlich vielen Zuschauern die feierliche Verabschiedung von Rostislav Pohlmann geben. Der Verein hat aus diesem Anlass ehemalige Mitspieler und Wegbegleiter des Routiniers eingeladen. Die Besucher dürfen sich auf Freibier, Leckeres vom Grill und Livemusik freuen - und die letzte Gelegenheit nutzen, sich ein Autogramm des mehrfachen Paralympics-Medaillengewinners zu holen.


"Für seinen Sport gebrannt"

Lars Christink (46), langjähriger Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, trug von 1994 bis 2001 und von 2006 bis 2008 das Zwickauer Trikot, dazwischen ging er für den Rekordmeister RSV Lahn-Dill auf Korbjagd: "Rosti hat immer für seinen Sport gebrannt und ihn vorgelebt. Er ist ein Rollstuhlbasketballer mit Leidenschaft. Ich habe es immer genossen, mit ihm zusammen in einer Mannschaft zu spielen, es war mir aber auch eine Ehre, gegen ihn anzutreten. Für die Zukunft wünsche ich ihm alles Gute, vor allem Gesundheit, und dass er so ein feiner Kerl bleibt."


"Er war immer bereit, alles für sein Team zu tun"

Manuela Krause (56), langjährige Trainerin der Zwickauer Mannschaft:

"Rosti wurde als Sportler geboren. Als er für Zwickau gewonnen werden konnte, sah ich absolutes Potenzial für den Rollstuhlbasketball in der Stadt. Aber auch mit anderen Neuankömmlingen. Ich habe mit Rosti so viele Dinge erlebt und gemeistert. Es bedarf keines Nähstübchens. Mein kleines, persönliches Lebenswerk (25 Jahre) Rollstuhlbasketball

ist auch mit dem Namen Pohlmann verbunden. Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Wurde aber bereits verfilmt. Schade ;-) Ich habe mit Rosti professionell gearbeitet, er wollte das auch. Ich habe ihn in ,komischen' Zeiten - aus emotionaler Sicht - zurückgeholt und für die eigentliche Aufgabe mit Erfolg eingeholt. Wichtig: Er vertraute mir. Er ist ein Sportler durch und durch. Das hat uns verbunden. Ich hatte den Vorteil, als Frau zu argumentieren. Die Ziele wurden intern knallhart besprochen, das hat keiner der Fans bemerkt. Er war immer bereit, alles für sein Team zu tun.

Rosti war und ist ein Spieler, der Emotionen freien Lauf ließ, Kontrolle durch den Coach brauchte, ein Führungsspieler, der Gegner und Mitspieler beeinflussen konnte. Er wurde Deutscher Meister mit Zwickau, spielte im Champions-Cup. Man kann gar nicht alle Erfolge aufzählen, aber ich werde nie vergessen, dass es sie gab und Rosti ein Garant dafür war."


"Von ihm habe ich eine Menge beigebracht bekommen"

Petr Tucek (41), spielte aktiv für Zwickau, Galatasaray Istanbul und Fundosa Madrid, heute Generalsekretär des Kontinentalverbandes IWBF Europe: "Es ist schon ein Weile her, dass ich Seite an Seite mit Rosti unter dem Korb für Zwickau gekämpft habe. Aber ich muss ehrlich sagen, dass hat mir viel Spaß gemacht. Ich war damals ein Rookie im Rollstuhlbasketball, von ihm habe ich eine Menge beigebracht bekommen. Rosti war und ist bis heute für mich eine echte sportliche Ikone. Sein spielerischer Geist hat mir viel geholfen in meiner späteren sportlichen Karriere. Ich wünsche ihm alles Gute für seine weiteren Pläne. Und ich freue mich sehr, dass unsere kleine Tschechische Republik auch dank seiner sportlichen Erfolge einen solch guten Namen im Europa hat."


"Eine wahre Koryphäe verlässt die Bühne"

Nicolai Zeltinger (47), Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft und Manager beim RSV Lahn-Dill: "Rosti ist der europäische Mr. Rollstuhlbasketball. Falls ich unsere Beziehung mit einer Hass-Liebe beschreiben würde, dann stimmt das nicht so ganz. Denn wir haben uns auf dem Spielfeld nicht gehasst, aber uns mit allem, was wir hatten, sportlich bekämpft. Mit seiner Art hat er provoziert, dass man immer sein Bestes gegen ihn geben musste. Gleichzeitig ist er daran in den Spielen gewachsen. Über so viele Jahre haben wir versucht, ihn körperlich zu ermüden und auszupowern, damit er in den letzten zehn Minuten des Spiels nicht mehr so dominieren konnte, wie wir das gewohnt waren. Doch sein Wille, sein Ehrgeiz und seine Leidenschaft haben ihn auch über die körperlichen Strapazen hinausgetragen. Er ist ein großartiger Athlet und Mensch, der mit Spielende seinen gesunden Menschenverstand sofort wieder findet (lacht). Auf dem Spielfeld konnte er fast jähzornig sein. Gegenüber Gegnern und Mitspielern. Aber jeder wusste, wie es gemeint war. Es war mir eine große Freude, aber auch eine große Ehre, gegen ihn über so viele Jahre spielen beziehungsweise coachen zu dürfen.

Ich wünsche ihm für seine Zeit nach der Karriere alles Gute und freue mich, wenn wir ihn möglichst oft als Gast in deutschen Basketballhallen begrüßen dürfen. Eine wahre Koryphäe verlässt die Bühne. Am bleibendsten ist mir sein Strahlen im Pokalfinale zu Frankfurt 2011, als Rosti in der letzten Sekunde gegen uns getroffen hatte. Wir waren selbstredend sehr enttäuscht, und doch konnte ich mich für ihn persönlich freuen."


"Man sollte ihm vielleicht eine Statue setzen wie Nowitzki"

Abdulgazi Karaman (48), Ex-Nationalspieler und Paralympics-Bronzemedaillengewinner von Barcelona:

"Pohlmann ist wie eine alte Lokomo- tive - er läuft und läuft. Der ist ja so lange in Zwickau - das ist schon vergleichbar mit Dirk Nowitzki, der 21 Jahre bei den Dallas Mavericks gespielt hat. Ein Urgestein, der einem Klub so viele Jahre die Treue gehalten hat. Man sollte ihm vielleicht auch eine Statue setzen wie Nowitzki. Wir waren ja Mitte/Ende der 90er-Jahre in Salzburg zusammen. Dann bin ich nach Zwickau und habe ihm gesagt: ,Rosti, komm mit rüber zu uns!' Pohlmann ist durch und durch ein Sportsmann. Nicht nur als Basketballer hat er seinen Beitrag zu etlichen Titelgewinnen geleistet, er war mit seinen vielen Paralympics-Teilnahmen auch ein erfolgreicher Leichtathlet. Er hat seinen sportlichen Traum ausleben dürfen. Ich habe ihn als ehrgeizigen, hochemotionalen Spieler kennengelernt. Damit ist er natürlich angeeckt, mit Schiedsrichtern und Trainern gleichermaßen. Was ihn auszeichnet: Er ist immer fokussiert aufs Spiel, das er als Motor für seine Mannschaft am Laufen hält. Mit seiner Erfahrung und Professio-nalität ist er allen ein Vorbild.

Ich wünsche ihm alles, alles Gute. Ich hoffe, dass man ihm in Zwickau einen schönen Abschied bereitet. Am schönsten wäre natürlich ein Abschiedsspiel mit einem All-Star-Team, das sich Rosti selbst zusammenstellt, vielleicht mit Lars Christink, Petr Tucek, Manfred Mikschy. Ich würde auch gern dazukommen."


"Professionelle Einstellung"

Günther Mayer (49), langjähriger Teamkollege, heute Co-Trainer beim RSV Lahn-Dill: "Ich habe mit Rosti acht Jahre in Zwickau gespielt. Er hat dort alles mitgemacht, Höhen und Tiefen. Er ist ein Sportler durch und durch. Das zeigt sich auch daran, dass er in anderen Sportarten sehr erfolgreich war. Seine professionelle Einstellung hat es ihm ermöglicht, so lange auf Topniveau zu spielen. Bei ihm ist immer Wettbewerb angesagt. Wenn wir freies Wurftraining hatten, dann suchte er sich stets einen Partner, mit dem er um den Sieg warf. Einfach so werfen gab es bei ihm nicht. Ich wünsche Rosti alles Gute und dass ich ihn so oft wie möglich wieder treffen werde."


"Vorbild für den Nachwuchs"

Josef Jaglowski (62), Erfolgstrainer mit Zwickau und den Thuringia Bulls: "Mit Rostislav ich habe mich vom ersten Training bis zum letzten gemeinsamen Wettkampf gut verstanden. Es war eine prima Zusammenarbeit mit ihm. 2002 haben wir das erste Mal in der Geschichte des Vereins den Deutschen Meistertitel und den Europapokal geworden. Rosti ist ein echter Sportler, Kämpfer und Freund. Ihm kann man voll vertrauen. Davon durfte ich mich auch als tschechischer Nationaltrainer überzeugen. Er hat sein Team zum Gewinn der B-Europameisterschaft geführt. Solche Menschen sind echte Vorbilder für den Nachwuchs. Er hätte es verdient, dass ein Rollstuhlbasketballturnier um den ,Rostislav Pohlmann Cup' in Zwickau nach ihm benannt wird."

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