Jede Aufgabe hat ihre eigene Note

Georg Christoph Sandmann? Der Dirigent war bis 2010 Generalmusikdirektor am Theater Zwickau.

Werdau/Zwickau.

Er ist so vieles: Professor, Dozent, Musiker, Ensembleleiter, Lesender. Was manch einem als zu viel des Guten erscheinen mag, das erfüllt ihn. Georg Christoph Sandmann sagt, es ist seine Art der Freiheit, so vielfältig wie möglich zu arbeiten.

Aus diesem Grund hat er vor Jahren nach seiner Tätigkeit als Generalmusikdirektor des Theaters Plauen-Zwickau einen Schlusspunkt gesetzt. Er hat eine sichere Arbeitsstelle gegen die Unwägbarkeiten vieler Arbeitsmöglichkeiten getauscht. Und er ist glücklich damit geworden. Heute lebt er mit seiner Familie in Werdau. Um zu lehren und zu musizieren, reist er regelmäßig durch ganz Sachsen. Naheliegend das Robert-Schumann-Konservatorium in Zwickau, wo er unter anderem das Jugendsinfonieorchester leitet, oder in Werdau das Collegium Musicum. Weiter weg führen ihn seine Professorenstelle an der Musikhochschule in Dresden und sein Engagement an der Internationalen Mendelssohn-Akademie in Leipzig. "Ich möchte meinen Studenten die Vielseitigkeit vorleben", sagt er.


Während andere Dirigenten ihre Nische suchen oder nach höchsten Weihen streben, blüht der 52-Jährige auf, wenn er lehren kann. Orchesterdirigenten und Ensembleleiter unterrichtet er ebenso wie künftige Lehrer. Seit dem vergangenen Jahr hält er zudem gemeinsam mit Christian Thielemann von der Staatskapelle Dresden einen Dirigentenworkshop auf dem berühmten Grünen Hügel ab - begleitend zu den Bayreuther Festspielen. Dort selbst einmal eine Wagner-Oper zu leiten, davon träumt er gar nicht, sagt er. Und räumt ein, dazu sei er nicht genug auf Karriere fokussiert, weil er die Vielfalt so liebt. Allerdings, auch das gibt er gern zu: "Ein bisschen vermisse ich es, Opern zu dirigieren. Nicht immer, aber einmal im Jahr - das wäre was."

Dann darf es gern etwas Neues sein. Denn mehr als 60 unterschiedliche Bühnenwerke von Opern wie "Rosenkavalier" über Musicals wie "My fair Lady" bis hin zu Ballett hat er schon einstudiert, manche Werke sogar mehrfach. Etwas Neues: Das hat er bereits im Auge. Ab Januar wird er künstlerischer Leiter der Meißner Kantorei 1961 - ein deutschlandweit bekannter Chor für moderne Kirchenmusik. Außerdem setzt er Anfang 2018 seine Vorlesungsreihe an der Westsächsischen Hochschule Zwickau fort. Dort gibt er am 26. Januar eines seiner Gesprächskonzerte - dieses Mal befasst er sich mit den Vertonungen des dichterischen Werks von Eichendorff. Nun mag man sagen, dessen Gedichte sind mit fast 200 Jahren schon älter. Doch für den Musiker war es eine völlig neue Erfahrung, sich mit dieser Literatur und deren Vertonungen auseinanderzusetzen. Er hat Heine für sich wiederentdeckt, die christlichen Gedichte von Christian Morgenstern, die kaum einer kennt, und er hat über Hölderlins Werk einen neuen Zugang zu Beethovens Musik gefunden. "Auch Schubert ist für mich durch die Beschäftigung mit Jean Paul ganz anders geworden."

Seine Begeisterung drückt sich nicht nur in Worten aus, beim Sprechen bewegt er Finger, Hände; auch Ellenbogen und Schultern kommen in Schwung. All das sind seine Werkzeuge. Später wird er sagen, dass man nie aufhört, Dirigent zu sein. "Das ist ein 24-Stunden-Job. Wie Lehrer oder Arzt." Auch das könne man nicht ablegen. Da drängt sich die Frage auf, ob er, der ständig Dirigierende, anstrengend ist für seine Umwelt. "Das kann ich mir vorstellen. Aber ich kann es nicht einschätzen."

In jedem Fall ist er eine Führungspersönlichkeit. Die muss er sein. Auch wenn es heutzutage nicht mehr vordergründig darum geht, den Musikern im Orchester den richtigen Einsatz zu geben. Das können die meist schon selbst. Die ständige Verfügbarkeit musikalischer Medien, erklärt Sandmann, habe für einen enormen Leistungsschub gesorgt; nicht nur bei professionellen Klangkörpern. Und so hat sich auch seine Aufgabe weiterentwickelt. Es geht mehr um die Interpretation der Feinheiten. "Wo ich früher erst einmal ein Haus bauen musste, kann ich heute schneller schon Bilder aufhängen", sagt er. So kommt es, dass semiprofessionelle Orchester inzwischen Werke spielen, die man ihnen noch vor wenigen Jahrzehnten kaum zugetraut hätte. Von den Dirigenten erfordert dies umso mehr Persönlichkeit. Und auch das möchte Georg Christoph Sandmann seinen Studenten beibringen: "Es ist mein Bestreben, sie zum Zentrum ihrer Persönlichkeit zu bringen. Das ist für mich das Aufregendste, das es gibt. Deswegen werde ich auch des Unterrichtens nicht müde."

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