Junge Leute beziehen ein Gebäude mit besonderer Aura

Im alten Bahnhof von Wilkau-Haßlau herrscht wieder Leben. Kinder und Jugendliche bestimmen jetzt das Geschehen.

Wilkau-Haßlau.

Etwas Wehmut stieg in Reyk Colditz schon auf, als er die Tür zum ehemaligen Jugend- und Freizeitzentrum an der Culitzscher Straße in Wilkau-Haßlau zum letzten Mal abschloss. Doch die Freude über das neue und vor allem wesentlich größere Domizil, dem alten Bahnhof, war schließlich wesentlich größer. "Das Gebäude hat eine ganz besondere Aura", sagte er. Freilich war er auch etwas skeptisch, als er vor mehr etwa sieben Jahren erfuhr, wo die Kinder und Jugendlichen ihre Freizeit einmal verbringen sollen. "Das Gebäudes war in keinem guten Zustand", sagte Colditz. "Was aber jetzt daraus entstanden ist, ist einfach großartig und mit wenigen Worten nicht zu beschreiben". Sein Versprechen: "Jetzt sind wir in der Lage unsere gute Arbeit noch weiter zu optimieren".

Etwa 4,1 Millionen hat die Stadt in das Bahnhofsgebäude investiert und es vor dem Verfall gerettet. Gebaut werden konnte zunächst mit Sicherungsmitteln, die es ermöglichten, die Bausubstanz zu erhalten und später mit Fördermitteln aus dem Bund-Länder-Programm Stadtumbau. Rund 1,3 Millionen Euro kamen als Eigenmittel aus der Stadtkasse dazu. Es war das Bauprojekt, über das in den städtischen Ausschüssen am häufigsten diskutiert wurde und für das zahlreiche Vergaben von Aufträgen im Stadtrat erforderlich waren. "Trotz des einen oder anderen Problems war es ein Bauvorhaben, das unter dem Strich Spaß gemacht hat", sagte Bürgermeister Stefan Feustel (CDU).


Die Übergabe an das Sprach-, Bildungs- und Beratungszentrum Zwickau (SBBZ), das die Kinder- und Jugendeinrichtung seit Jahren betreibt, ist zwar schon eine Weile her, gearbeitet wird aber immer noch. Derzeit wird das Freigelände gestaltet. Dabei wird bereits über eine Erweiterung nachgedacht. Die Stadt will noch eine Fläche dazukaufen. Darauf soll, so Reyk Colditz, ein Mehrzweck-Sportfeld entstehen.

Bereits jetzt wird das neue Objekt, das barrierefrei erreichbar ist, gut angenommen. "Wir haben lange mit den Verantwortlichen in der Stadt zusammengesessen", sagte Colditz. Herausgekommen ist "ein Konzept, das passt". Kamen bisher zwischen 20 und 30 Besucher pro Tag, so sind bereits jetzt "zahlreiche neue Gesichter zu sehen". Die neuen und hellen Räume bieten auf zwei Etagen reichlich Möglichkeiten für die Freizeitbeschäftigung oder einfach nur zum "chillen". Kicker, Billardtisch, Tischtennisplatte und ein neuer großer Fernseher für elektronische Spiele prägen das Erdgeschoss. Dort ist auch die "Muskelschmiede" untergebracht. Der Fitnessraum bietet jetzt mehr Möglichkeiten für die sportliche Betätigung. "Bei der Gestaltung der Räume haben wir vor allem auf Funktionalität gesetzt", sagte Colditz. Das betrifft auch den Raum für die Kindergeburtstage. Der muss jetzt nicht mehr ständig umgeräumt werden.

Jugendliche können in der neuen großen Werkstatt unter anderem das Töpfern lernen. Aber auch sonstiger Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Pinsel, Spatel, Perlen, Spraydosen, Leinwände und Holz stehen samt notwendigem Werkzeug in der Werkstatt bereit. Blickfang ist eine alte Werkbank aus Holz, die beim Ausräumen des alten Zentrums unter Holzstapeln entdeckt wurde. Der Computerraum kann nicht nur für Autorennen und Strategiespiele genutzt werden, sondern auch für das Erledigen von Hausaufgaben und das Anfertigen von Präsentationen für den Unterricht. Auch die AG Intarsien gibt es noch. Von Alfred Müller vor über 30 Jahren ins Leben gerufen, wird sie jetzt von einem seiner "Schüler" geleitet. Nur die gestalteten Motive sind andere geworden. Es gibt Überlegungen, die Werkstatt nach dem inzwischen verstorbenen Alfred Müller zu benennen.

Zur Einweihung des neuen Domizils hat der Leiter der Comeniusschule, Andreas Körnich, dem Zentrum eine große Anzahl Modellbausätze und historische Züge für eine Modellbahn geschenkt. Reyk Colditz kann sich vorstellen, gemeinsam mit den Jugendlichen eine HO-Anlage aufzubauen. "Das würde gut zum alten Bahnhof passen". Vorerst können richtige Züge, die der Erzgebirgsbahn, von der Terrasse aus, beobachtet werden. Noch ist diese nicht ganz fertig. "Es werden noch Tische und Stühle aufgestellt", sagte SBBZ-Geschäftsführerin Doreen Gruhn. Eventuell ist auch ein Sonnensegel geplant. Im kommenden Jahr, so Reyk Colditz, werde auch wieder mit Projekten begonnen. Bisher wurden dabei unter anderem der Mythos Silberstraße erforscht oder die Geschichte der Straßenbahn, die bis 1975 bis nach Wilkau-Haßlau fuhr.

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