Junge Mode und alte Geschichten

Eigentlich werden abends die Museen geschlossen. Am Samstag war das anders. Besucher erlebten bis spät nachts Innovatives, aber auch Gruseliges.

Zwickau.

Perfektes Wetter, spannende Angebote, kuriose Erzählungen. Die Zwickauer Museumsnacht hatte am Samstagabend so einiges zu bieten. "Freie Presse" hat sich in einigen Einrichtungen umgesehen.

Mysteriöses im Sand: Mit einem großen Sandkasten warteten die Kunstsammlungen auf. Der zog zahlreiche Kinder an. Diese bauten allerdings keine Burgen, sondern gruben sich mit Kellen in die Tiefe. Dabei kamen nicht nur schöne alte Mosaike, sondern auch Skelette zum Vorschein. Schließlich geht es bei der aktuellen Wanderausstellung dort um Geschichten aus dem Untergrund. So fand die fünfjährige Jette mit ihrer Mutter Jana Leuschner unter dem Sand ein Maultierskelett, das die beiden vorsichtig mit einem Pinsel freigelegt und mit einem Zollstock vermessen haben. Auch Ruven (10), Jael (8)und Rahel (6) gruben erfolgreich und fanden dabei menschliche Skelette mit Grabbeigaben. Mutter Katrin Synofzik hatte dem Trio mit dem abendlichen Ausflug eine große Freude bereitet. "Sie jubeln immer, wenn es ins Museum geht", berichtete sie.

Innovatives zwischen Motoren: Im August-Horch-Museum war neben alten Fahrzeugen junge Mode zu bewundern. 14 Schülerinnen des künstlerischen Profils am Clara-Wieck-Gymnasium führten von Modedesign-Studenten der Fakultät für angewandte Kunst Schneeberg der Westsächsischen Hochschule Zwickau entworfene und gefertigte Modelle vor. Viele Besucher säumten bei der Schau die sogenannte Ladenstraße. Auf die Gymnasiastinnen ging ein regelrechtes Blitzlichtgewitter von Hobbyfotografen nieder. Weder davon noch von einigen Pannen mit der begleitenden Musik ließen sich die Mädchen stören. Die 14-jährige Nina Homeier beispielsweise präsentierte einen knallroten Overall, den bunte Bausteine sowie Würfel zieren. "Ich interessiere mich für Textildesign. Vielleicht studiere ich auch mal in Schneeberg", sagte sie.

Vom Henker und dem Bordell: Ein weiterer Anziehungspunkt war die Sonderführung zu Priestern, Henkern und dem reichsten Mann Sachsens. Daniel Jacob, Mitarbeiter in den Priesterhäusern, entführte bei dieser Tour mehr als 60 Neugierige in das Zwickau vor 500 Jahren. Dort, wo sich heute das Gasthaus 1470 in der Marienstraße befindet, gab es damals die Badergasse. "Da niemand zu Hause fließend Wasser hatte, waren die Badestuben ein gesellschaftlicher Treffpunkt", berichtete Jacob. Er verriet auch, dass sich am heutigen Schumannplatz ein Bordell befunden hatte. "Nebenan wohnte der Scharfrichter, der auch Bordellhausmeister war und beim Säubern der Latrinen darin so manch abgetriebenes Kind fand." Ansonsten versah der Henker seine Arbeit in der Folterkammer und dem Kerker im Rathaus. Der Galgen habe sich auf dem heutigen Terrain der Freilichtbühne und später auf dem Windberg befunden.

Der Museumsmitarbeiter lüftete auch das Geheimnis um den damals reichsten Mann Sachsens. Das war der Zwickauer Martin Römer, der sich mit dem Silberbergbau eine goldene Nase verdient hatte. Er begleitet Herzog Albrecht von Sachsen zu einer Wallfahrt nach Jerusalem, wo er zum Ritter geschlagen wurde. Römer war ein großzügiger Förderer seiner Heimatstadt Zwickau. So ließ er unter anderem das Kornhaus bauen und spendete Geld für den Wolgemut-Altar im Dom.

Daniel Jacob gab viele Geschichten zum Besten. So die von der kleinen Glocke an der Katharinenkirche, die die Tuchmacher finanziert hatten. Sie läutete immer eine Viertelstunde vor der Hauptglocke. "Das war auch wichtig für Zwickauer, die sich abends außerhalb der Stadtmauern befanden. Wenn die Glocke läutete, mussten sie sich sputen, noch zum Tor hereinzukommen, ehe es geschlossen wurde. Daher kommt der Begriff Torschlusspanik." Am Ende wurde aus der angekündigten Dreiviertelstunde die doppelte Zeit. Die Nacht war bereits hereingebrochen, als Jacob seinen Rundgang kurz vor 22.30 Uhr beendete. Die Museumsnacht lockte da noch mit verschiedenen Angeboten.

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