Kasper kehrt zu den Kindern zurück

Die Geschichten der Hohnsteiner Handspielpuppen haben einst Generationen von Steppkes begeistert. Jetzt versucht ein Nachfahre der Puppenspieler, die Tradition wieder aufleben zu lassen.

Zwickau/Hartenstein.

Die Stadt Hartenstein ist für die Prinzenhöhle, Paul Fleming und ihre Schlossruine bekannt. Hingegen weiß kaum jemand, dass in dem beschaulichen Städtchen auch die Geschichte einer legendären Handspielpuppe ihren Anfang nahm, die später als der Hohnsteiner Kasper weit über die Grenzen der Region hinaus Bekanntheit erlangte.

Erschaffen wurde der Kasper von Max Jacob (1888 - 1967), der die Besucher seiner Geburtstagsfeier am 10. August 1921 in Hartenstein mit einem selbst in Szene gesetzten Handpuppenspiel überraschte. Er selbst hatte kurz zuvor bei einer ähnlichen Aufführung seine Vorliebe für dieses Metier entdeckt. Daraufhin erwarb er einige der Figuren, veränderte sie aber nach seinen Vorstellungen. Der Kasper wurde zum absoluten Liebling des Publikums. Max Jacob schrieb über diese Figur: "Sehr oft nahm ich meinen Kasper in die Hand und betrachtete ihn. Da waren die lange Nase, der lachende Mund, die lustigen Augen, die bewegliche Mütze, das bunte Kleid. Es setzte sich in mir fest, dass man einem solchen Kerl nicht gram sein könnte, dass man ihn lieben müsse." Die Kultfigur und die Geschichten, die Max Jacob für sie verfasste, wurde schnell bekannt.

1928 zog er mit seiner Spielgruppe nach Hohnstein ( Sächsische Schweiz) um. Einer der Hauptgründe war, dass auf der dortigen Burg wesentlich mehr Platz für die "Kasper-Familie" zur Verfügung stand. Während die Puppenbühne in den Folgejahre schnell als die "Hohnsteiner" bekannt wurde, gerieten ihre Ursprünge mehr und mehr in Vergessenheit. Dem wirkt Hartmut Roßner, Arzt im Ruhestand, seit einiger Zeit entgegen. Er hat dafür ein besonders Motiv. "Mein Vater war Mitspieler in der Theatertruppe von Max Jacob. Er hat nicht nur daheim mit uns Kindern kleine Puppenspiele aufgeführt, sondern uns auch einige der historischen Puppen hinterlassen", berichtete er.

Seit ein paar Jahren widmet sich Hartmut Roßner wieder verstärkt dem Puppenspiel. Die Stücke stammen zu einem großen Teil noch von Max Jacob, einige hat er aber auch selbst geschrieben. "Ich denke, diese alte Tradition mit ihren Wurzeln in Hartenstein sollte nicht in der Versenkung verschwinden. Da es mir auch um pädagogische Aspekte geht, möchte ich hauptsächlich vor kleineren Kindern spielen." Einerseits aus purer Freude an der Sache, auf der anderen Seite aber auch, weil der Kasper Botschaften an die Kleinen einfach besser rüberbringen kann, als so mancher Erwachsene.

Hartmut Roßner macht das Ganze ehrenamtlich. Um zumindest seine Nebenkosten zu decken, hat er sich auf die Suche nach Unterstützern gemacht. Auf offene Ohren traf er jetzt beim Rotaryclub Stollberg und Westerzgebirge. Dessen Mitglieder möchten dem Hobbypuppenspieler mit einem dreistelligen Betrag unter die Arme greifen. Zustande kam der Kontakt über Hertha Sellmair, Vorsitzende des Fördervereins Schlossruine Hartenstein, die sich eine Einbindung von Puppenspiel ins Veranstaltungsprogramm des Vereines vorstellen kann.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...