Kummer mit der Unglücksrinne

Schon im Sommer 2018 sollte das Wasser-Lichtspiel am Hauptmarkt in Betrieb gehen. Außer einer Reihe von Pannen passierte bisher nichts.

Zwickau.

Im Zentrum der Robert-Schumann-Stadt sprudeln rechtzeitig zum Beginn der wärmeren Jahreszeit die ersten Springbrunnen. Auch der Trinkbrunnen auf dem Hauptmarkt unmittelbar am Schumannhaus bietet seit dem gestrigen Donnerstag wieder die beliebten Erfrischungen. Der Wasserspender war mit dem Bau des Wasser-Lichtspieles saniert worden. Doch die Wasserrinne, die am Trinkbrunnen ihren Anfang nimmt und sich dann auf einer Länge von etwa 50 Metern über den Platz schlängelt, bleibt vorerst weiter trocken. Eigentlich sollte die Anlage bereits während der 900-Jahr-Feiern im vergangenen Jahr tagsüber für Abkühlung und am Abend für optische und vor allem farbliche Höhepunkte sorgen.

Auch die angedachte Inbetriebnahme zum Start der Aktion "Zwickau blüht auf" am 6. April fällt ins nicht vorhandene Wasser. Wie Stadtsprecher Mathias Merz ankündigte, ist die Einweihung nunmehr für den Abend des 29. April geplant. "Die technischen Anlagen sind einsatzfähig", sagte Merz auf Anfrage. Warum jedoch sind dann die neun Sprudeldüsen nicht schon jetzt aktiv? Diese Frage ließ Merz am gestrigen Donnerstag unbeantwortet. Nach Informationen der "Freien Presse" sollen die Düsen, die in kreisrunden Vertiefungen eingelassen sind, nach dem Street-Food-Festival zumindest teilweise verbogen und unbrauchbar gewesen sein. Offenbar hatten sich die Reifen der Lastwagen tiefer als erwartet in die Rundungen gedrückt. Außerdem lasse sich die Beleuchtung noch nicht in der Form koordinieren, wie das von der Stadt gewünscht werde. Auf Nachfragen, was gerade an der Rinne gemacht wird, schweigt Stadtsprecher Merz.

Matthias Rose, bei der Kultour Z. für die Märkte zuständig, hört die Frage, ob man über die Rinne einfach hinwegfahren kann, nicht zum ersten Mal. "Grundsätzlich ist es kein Problem, die Wasserspiele zu überfahren", sagte er. Das habe die Herstellerfirma versichert. Während der Markttage achte man jedoch schon darauf, dass die Anlage nicht unnötig strapaziert werde. Allerdings könne auch keiner ausschließen, dass ein Auto außerhalb der Markttage, trotz des allgemeinen Fahr- und Parkverbotes auf dem Hauptmarkt dort entlang fahre. Zwar gibt es offenbar keine Vorschriften seitens der Stadt, die Anlage besonders zu schützen, aber bei der Kultour Z. sei man dennoch sensibilisiert. "Während des Weihnachtsmarktes haben wir eine Gummimatte darüber gelegt", sagte Rose. Dabei gehe vom Weihnachtsmarkt kaum Gefahr aus. Die Hütten stehen quasi auf Holzklötzen und kommen mit dem Boden nicht in Berührung. "Wir müssen nur bei Arbeiten mit dem Gabelstapler darauf achten, nicht über die Anlage zu fahren." Dessen Räder sind kleiner. Damit ist die Gefahr, in die Vertiefungen zu geraten, deutlich größer. Auch werde darauf geachtet, dass Stände, die Fett absondern können, nicht über dem Wasser-Lichtspiel aufgebaut werden.

Die Wasserrinne, die im Juni 2018 in den Markt gegraben worden ist, war von Anfang an mit Pleiten, Pech und Pannen behaftet. Kurz nach dem Verlegen der Rinne fehlte wochenlang das Steuerteil, das die Fontänen und die LED-Lichteffekte koordinieren sollte. Dann wurden Baumängel festgestellt, die behoben werden mussten. Schließlich konnte die Anlage wegen des Weihnachtsmarktes weder programmiert noch getestet werden. Etwa 160.000 Euro hat die Anlage gekostet, 115.000 Euro davon Fördermittel.

Sehr viel werden die Zwickauer in diesem Jahr von dem Wasser-Lichtspiel vermutlich ohnehin nicht zu sehen bekommen. Es sind noch zahlreiche Großveranstaltungen auf dem Hauptmarkt geplant, bei denen die Anlage jeweils abgeschaltet werden muss.

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