Lichtensteiner lässt sich vom Älterwerden nicht ausbremsen

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Heute: Manfred Geyer. Der 81-Jährige kennt nicht nur jeden Weg zwischen Glauchau und Heinrichsort, sondern ist dort gemeinsam mit Wanderfreunden auch regelmäßig unterwegs.

Hier und da tritt Manfred Geyer mittlerweile etwas kürzer, aber Schwung hat der 81-Jährige nach wie vor. Und er nutzt ihn nicht nur für sich, sondern bringt sich an mehreren Stellen ein. "Ich brauche einfach verschiedene Aktivitäten. Nur so kann man das Älterwerden noch ein bisschen bremsen", sagt der Lichtensteiner, der schon immer in der Stadt im Grünen zu Hause ist. Vermutlich kennt Geyer jeden Weg zwischen Glauchau und dem "Promnitzer", zwischen Heinrichsort und Zschocken, denn der langjährige Leiter der örtlichen Wandergruppe ist zusammen mit anderen Freunden der Bewegung über Stock und Stein regelmäßig unterwegs.

Doch auch in der Stadt ist Manfred Geyer regelmäßig anzutreffen. Denn zusammen mit Nachtwächter Christian Bretschneider oder bei Veranstaltungen des Geschichtsvereins schlüpft er in verschiedene historische Rollen und hat dann viel Interessantes zu berichten. Callnberger Nachtwächter oder Bürgermeister ist er manchmal, auch die Rolle des Stadtschreibers übernimmt er gern. "Das war früher der zweitwichtigste Posten nach dem Bürgermeister", ist sich Manfred Geyer sicher. Was die früheren Stadtschreiber und Chronisten einst niedergeschrieben haben, hat er sich mit viel Begeisterung angeeignet und kann es nun bei Rundgängen durch die Stadt oder Führungen im Schloss ganz lebendig weitergeben. Ein Manuskript braucht der Senior dazu nicht. "Wenn man sich für etwas interessiert und richtig damit beschäftigt, dann prägt sich das auch ein", sagt er. Bei Veranstaltungen ist es Manfred Geyer ein wichtiges Anliegen, auch die jüngere Generation für die Historie seiner Heimatstadt zu begeistern. "Er kann so erzählen, als wäre er dabei gewesen", sagt Patrick Bochmann, Vorsitzender des Geschichtsvereins, der froh ist, Manfred Geyer dabei zu haben. Denn ein ganzes Stück Stadtgeschichte habe er ja schließlich selbst auch miterlebt.


Mit Nachtwächter Christian Bretschneider bildet Geyer oftmals ein Duo, denn bei vielen Veranstaltungen ist die Zahl der Teilnehmer groß und manch einer hat dann auch Fragen an die Kenner der Ortsgeschichte. "Immer wenn er gebraucht wird, ist er da", sagt Bretschneider, der als Lichtensteiner Nachtwächter sozusagen der Chef ist. Denn der Callnberger Nachtwächter, den Manfred Geyer hin und wieder verkörpert, wurde ja mit dem Zusammenschluss der beiden Orte im Jahr 1920 aus seinem offiziellen Amt enthoben. Geyer schaut auch regelmäßig am Lichtensteiner Schloss vorbei und hofft, dass Schlossherr Mario Schreckenbach nach der aufwendigen Arbeit der Archäologen bald mit dem Umbau zum Hotel beginnen kann. "Er unterstützt uns im Geschichtsverein wirklich gut", sagt Geyer, der auch die gruseligsten Winkel wie die Gruft der Schönburger oder die Folterkammer und den Schlossvorplatz bestens kennt.


Das Lichtensteiner Schloss

Hoch über der Lichtensteiner Altstadt thront das Schloss, das die Stadt schon seit Jahrhunderten prägt, und Geschichtsfreunden wie Manfred Geyer reichlich Stoff liefert. Entstanden ist eine erste Burganlage vermutlich um das Jahr 1200. Bereits im Jahr 1212 soll sie erwähnt worden sein, doch den ersten sicheren Nachweis nennt die Lichtensteiner Chronik für das Jahr 1286. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Burg mehrfach zerstört und wiederaufgebaut.

Die Hartensteiner Linie der Schönburger hatte hier das Sagen. Dass es nicht ohne Gewalt ging, zeigt beispielsweise der alte Folterkeller, der sich unter dem Schlossvorplatz befindet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Schönburger enteignet und 1949 entstand ein Pflegeheim im Schloss. Später wurden die unterirdischen Anlagen in der Vorburg und die Gruft zugänglich gemacht.

Im Jahr 2000 ging das Schloss an Alexander Prinz von Schönburg-Hartenstein, der zunächst große Pläne hatte, aber dann in Richtung Südamerika verschwand. Mario Schreckenbach aus St. Egidien ersteigerte das Schloss 2014 und will es zu einem Hotel umbauen. Die Arbeit der Archäologen, die unter dem Schlosshof unter anderem einen Bergfried aus der Entstehungszeit der ersten Burg entdeckten, sorgt aber für Verzögerungen. Einen Vortrag über den aktuellen Stand bei den Arbeiten im Schloss und die weiteren Pläne gibt es am 27. September im Daetz-Centrum. Eine Baustellenbesichtigung soll ebenfalls möglich sein. (mpf)

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