Maikundgebung sprengt alle Erwartungen

Tag der Arbeit mit gratis City-Konzert: Rekord- verdächtige 5500 Besucher wollten sich das auf dem Zwickauer Hauptmarkt nicht entgehen lassen.

Zwickau.

Staunend steht ein älteres Ehepaar am Rand und blickt auf die unzähligen Köpfe, die sich auf dem Hauptmarkt drängen. "Wieso stehen denn die Leute hier noch, wieso gehen die nicht heim", fragt der Mann. Die Antwort ist einfach: Gleich tritt die Rockband City auf. Ach so, sagt der Mann, dafür sei er zu alt. "Quatsch", ruft seine Frau. "Da bleiben wir auch noch."

Mehr als 5500 Besucher, so die offizielle Angabe des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), sind am Mittwochnachmittag zur Maiveranstaltung auf den Zwickauer Hauptmarkt geströmt. "Soweit ich weiß, war das heute die größte Besucherzahl aller Veranstaltungen in Sachsen", sagt Regionsgeschäftsführer Ralf Hron. Zwickau war für den DGB schon immer eine gute Adresse, normalerweise kamen um die 2000 Besucher, und damit zählte man schon zu den Spitzenreitern im Freistaat. Diesmal ist alles noch ein bisschen größer, bunter, lustiger. Der DGB wollte keine Kundgebung wie sonst immer abhalten, sondern hat eine Art Volksfest daraus gemacht, mit Hüpfburgen, Kinderangeboten und eben mit City. Viele Besucher sind allein wegen des kostenlosen Konzerts der Kultband gekommen, manche tragen Band-T-Shirts.


Drei Stunden vorher sind bereits mehrere hundert Leute zur Eröffnung der Maiveranstaltung auf dem Platz. Zum ersten Mal in 27 Jahren fehlt Sabine Zimmermann, die DGB-Vorsitzende in der Region Südwestsachsen und Linke-Bundestagsabgeordnete - aus gesundheitlichen Gründen. Stattdessen spricht Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) ein Grußwort, in dem sie sich zu Weltoffenheit bekennt. "Es ist die Zeit für ein weltoffenes Zwickau, für ein demokratisches Sachsen, für ein friedliches Deutschland und für ein geeintes Europa." Worauf der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Thomas Knabel, der Oberbürgermeisterin für ihr Engagement dankt und mit Blick auf das Vogtland anfügt: "Ich komme gerade aus Plauen und würde mir wünschen, dass sich überall die Oberbürgermeister hinstellen, den Rücken durchdrücken und für ihre Stadt und ihre Bürger einstehen würden." Der Plauener OB Ralf Oberdorfer (FDP) steht wegen seines Umgangs mit der rechtsextremen Kleinpartei Der Dritte Weg in der Kritik.

Politisch sind auf dem Zwickauer Hauptmarkt viele Parteien mit eigenen Ständen vertreten, sogar die marxistisch-leninistische MLDP ist da. Nur die AfD fehlt. "Sie hat sich bei uns nicht angemeldet, wir haben niemanden abgelehnt", sagt DGB-Geschäftsführer Hron. "Es ist aber bekannt, dass wir mit der AfD keine gemeinsamen Aktionen machen."

Wie angekündigt fehlt Polit-Prominenz auf der Bühne, dafür aber mischen sich Promis unter die Zuschauer. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) ist mittendrin im Getümmel und unterhält sich mit Besuchern, genauso der Meeraner Bundestagsabgeordnete Jürgen Martens (FDP). Auf der Bühne stehen stattdessen Beschäftigte, die in Gesprächen von ihrer Arbeit sprechen, von dem Druck der Automatisierung, der Wochenarbeitszeit, dem Gefälle zwischen Ost und West. Das Konzept, die große Politik nicht zum Mittelpunkt der Veranstaltung zu machen, ist aufgegangen, sagt später IG-Metall-Chef Knabel. "Fantastische Veranstaltung, das müssen wir eigentlich genau so nächstes Jahr wiederholen."


ADPM-Veranstaltung gestört

Zeitgleich und nur wenige Meter entfernt auf dem Kornmarkt hat eine Maikundgebung der Poggenburg-Partei ADPM geringe Resonanz erzeugt. Bis zu 80 Besucher wollten Parteigründer André Poggenburg sowie mehreren Kandidaten für den Zwickauer Kreistag und Stadtrat zuhören. Viele Redner äußerten sich abfällig über die AfD, von der sie sich im Stich gelassen gefühlt hätten. Poggenburg bezeichnete Gewerkschafsfunktionäre als "machtbesoffen" und kündigte an, Gewerkschaften insgesamt auflösen zu wollen, da sie die Interessen von Arbeitnehmern nicht mehr vertreten würden. Darüber hinaus hätten linke politische Parteien für eine Zweiklassengesellschaft gesorgt, in der an erster Stelle "die Migranten" und erst an zweiter Stelle "die Deutschen" kommen würden.

Gestört wurde die Kundgebung auf dem Kornmarkt zeitweise von einem jungen Mann, der während der Reden auf seinem Flügelhorn traurige Abendlieder spielte. Mehrere Redner wirkten davon irritiert, Ordner versuchten vergeblich, ihn davon abzubringen. Der "Freien Presse" gegenüber sagte der junge Mann: "Die fühlen sich provoziert, dabei will ich überhaupt nicht provozieren. Ich will ihnen nur zeigen, dass ich Nationalismus scheiße finde." Eine junge Frau, die ihn begleitete und ein Grünen-T-Shirt trug, sagte: "Und außerdem wertet das diese Veranstaltung kulturell auf." (ael)

Bewertung des Artikels: Ø 1.5 Sterne bei 2 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    5
    Interessierte
    02.05.2019

    War in Chemnitz auch ein schönes Mai-Konzert ?
    Oder eine Jazz-Veranstaltung mit ´unseren` Jazz´ern ???

  • 4
    3
    mathausmike
    02.05.2019

    Der Hornist und der Kom-mentar seiner Begleitung:
    Spitze!



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