Marke Zeitsprungland braucht noch ein paar Jahre

Die Industriekultur soll in der Region touristisch vermarktet werden. Allein schafft es der Zwickauer Tourismusverband jedoch nicht. Daher wird mit Partnern verhandelt.

Zwickau.

Das Erzgebirge jubelt angesichts der touristischen Möglichkeiten, die der Titel Welterbe mit sich bringt. Das ließ den Zwickauer Landtagsabgeordneten Gerald Otto (CDU) hellhörig werden. "Nach der unglücklichen Entscheidung Zwickaus, nicht mehr mit dem Tourismusverband Erzgebirge zusammenzuarbeiten, hat man seine touristische Zukunft im Zeitsprungland gesehen", sagte Otto. "Das allein reicht jedoch zur Entwicklung einer Tourismusregion nicht aus." Das sieht man in der Tourismusförderung des Landkreises Zwickau genau so. Nur passiert ist seitdem offenbar nicht viel, wie Otto kritisierte. Er erinnerte daran, dass die Landtagsabgeordneten im Jahr 2016 über eine Partnerschaft des Kreises mit Chemnitz informiert wurden. Nur habe er dann nie wieder etwas davon gehört.

Die Geschäftsführerin der Tourismusregion Zwickau, Ina Klemm, bestätigte: "Seit Ende 2016 befinden wir uns gemeinsam mit Chemnitz und Teilen Mittelsachsens in der Entwicklung einer gemeinsamen touristischen Destination." Das Zeitsprungland, als das die Region Zwickau vermarktet wird, scheitert allein an der Grenze von einer Million Übernachtungen, die der Freistaat als markt- und wettbewerbsfähig festgelegt hat. Mit den neuen Partnern wäre dieser Punkt erfüllt. Seit drei Jahren werden deshalb gemeinsame Marketingpläne entwickelt.

Darüber kann Gerald Otto nur den Kopf schütteln. "Es ist unverständlich, was daran drei Jahre dauern soll", fragte er. Kompliziert scheint es auch beim Thema Fördermittel zu sein. Laut Otto gibt es im Haushalt des Freistaates insgesamt 202.000 Euro für die Entwicklung der Tourismusregion. Das Problem: Die Sächsische Aufbaubank lässt nur einen Empfänger der Mittel zu. Und so fließt das Geld in einer Summe nach Chemnitz.

Wie groß der Zwickauer Anteil ist, dazu wollte sich Ina Klemm nicht äußern. "Die Destination Chemnitz/Zwickau profitiert gemeinschaftlich von diesen Fördermitteln", sagte sie. "Es gilt ja nicht nur Marketingpläne zu entwerfen." Die Mittel würden auch für Marketingmaßnahmen oder Messen verwendet. "Unter anderem sind wir auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vertreten oder mit dem Truck der Industriekultur und seiner Roadshow unterwegs. Dass Zwickau und Chemnitz beim Welterbetitel für das Erzgebirge leer ausgehen, glaubt Klemm nicht. "Gäste werden das Zusammenspiel zwischen dem Angebot der Montanregion und dem Städtisch/Kulturellen zu schätzen wissen."

Das Zeitsprungland ist für Menschen außerhalb des Landkreises in der Regel noch Niemandsland. "Ich bin mir sicher, dass es in Hamburg, Dortmund oder Berlin nur wenige Menschen gibt, die wissen, wo das Zeitsprungland liegt", räumte Klemm ein. Daher sei auch der Slogan "Region Zwickau inspiriert" hinzugefügt worden. "Eine Marke braucht sehr viel länger als fünf Jahre, um sich einzuprägen", sagte sie. Erste Erfolge sieht sie dennoch. Die Übernachtungszahlen sind seit ein paar Jahren ständig steigend.

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