Mehr Platz für Menschen ohne Auto

Wie soll Mobilität im Stadtteil Marienthal in Zukunft funktionieren? Das möchten Forscher herausfinden. Dazu befragen sie vor allem auch die Marienthaler.

Zwickau.

Es ist zu viel Verkehr. Einerseits. Andererseits könnte man mehr Verkehr anbieten - öffentlichen Nahverkehr beispielsweise.

Das mag sich widersprechen, aber so ist es eben, wenn man viele Menschen um ihre Meinung bittet. Die Protagonisten im Forschungsprojekt "Zwickauer Energiewende demonstrieren" (ZED) haben jetzt genau das getan: Sie haben die Marienthaler darum gebeten, Vorschläge zu machen, wie sich der Nahverkehr in ihrem Stadtteil verändern soll.

Das Forschungsvorhaben, das über mehrere Jahre angelegt ist, hat zum Ziel, Wege zu finden, wie das Leben in diesem Stadtteil energieeffizienter, damit umweltfreundlicher und letztlich lebenswerter wird. Dass die Marienthaler dabei zu Wort kommen, ist wichtiger Teil des Projektes. Immerhin kennen sie sich in ihrer Heimat am besten aus - und sie sind es schließlich auch, die mit den gefundenen Lösungen leben müssen. Bei einer Art Arbeitsgespräch hatten sie nun die Möglichkeit, sich zu unterschiedlichen Aspekten rund um den Nahverkehr innerhalb des Stadtteiles zu äußern. Rund 35 Marienthaler folgten dem Aufruf und beteiligten sich an der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten.

Parkplätze: Das Auto gehört wie überall fest zum alltäglichen Leben. Allerdings gibt es häufig Ärger, wenn die Wagen nicht dort oder nicht so parken wie sie sollen. Auch wünschen sich einige, dass bestimmte Straßen von parkenden Autos freigehalten werden. Vorgeschlagen wurde, dass Parkflächen gut sichtbar markiert werden, um das Parken zu ordnen. Außerdem gibt es die Idee, zwar nicht mehr Flächen zum Auto-Abstellen zu versiegeln, möglicherweise aber mehr Raum durch den Bau eines Parkhauses zu schaffen. Eine Einrichtung, in der auch Elektromobile über Nacht geladen werden können. Solch einen Vorschlag gab es jüngst im Stadtrat auch für die Innenstadt.

Alternativen zum Auto: Erik Höhne, Mitarbeiter des ZED-Projektes bei der Stadt, berichtet davon, dass sich viele darüber ärgern, dass es keine durchgängigen Radverbindungen gibt. Auch mangelnde Fußwege wurden beklagt. So kam die Bitte auf, bei der Planung von Wohngebieten wie aktuell am Windberg darauf zu achten, dass auch Fußwege ausgewiesen werden - nicht zuletzt, um sicher die Haltestellen für Bus und Bahn zu erreichen. Zudem entstand der Gedanke, analog dem VW-Werksverkehr einen Shuttleservice für die Mitarbeiter des Heinrich-Braun-Klinikums einzurichten. "Damit verschwinden Autos von der Straße, und es werden Parkflächen frei", so Höhne. Ein weiterer Besucher machte den Vorschlag, die Straßenbahnlinie zu verlängern und die Tram bis zum Einkaufszentrum in Steinpleis fahren zu lassen.

Ruhe für die Anwohner: Auch wenn die Forscher wissen, dass sie auf den Verkehr entlang der Marienthaler (und weiter der Werdauer Straße) keinen Einfluss nehmen können, boten sie Gesprächsrunden zu dem Thema an. Denn viele sind genervt von der hohen Fahrzeugdichte, vom Lärm und von den Abgasen. Eine Frau empfahl, die Anzahl der Ampeln zu reduzieren, um den Durchfluss zu vergrößern. Auch eine grüne Welle sei denkbar. Ein alteingesessener Marienthaler betrachtete die Sache mit mehr Abstand und appellierte an die Stadt, die Mitteltrasse bis in den Zwickauer Norden fertigzustellen. Es nutze niemandem, wenn die Strecke in Werdau-Sorge endet. Das bringe den Verkehr erst recht nach Marienthal.

Nächste Veranstaltung: Im Frühjahr geht es mit den Werkstattgesprächen weiter. Dann möchten die Forscher mit den Anwohnern in Marienthal erörtern, wie sich ein Quartier klimafreundlich mit Energie versorgen lässt. Alle Ideen werden dabei wieder interessiert angehört. Ab 2021 werden erste Projekte umgesetzt.

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