Mehr Westsachsen bessern Einkommen mit Zweitjob auf

Viele Arbeitnehmer im Landkreis Zwickau verdienen vergleichsweise wenig. Deshalb müssen viele Westsachsen zusätzlich putzen, Regale auffüllen oder kellnern.

Zwickau.

Über viele Jahre wurde in Sachsen nicht mit guter Arbeit, sondern mit niedrigen Löhnen geworben. Die Konsequenzen tragen die Westsachsen noch heute. Ihr monatliches Einkommen reicht nicht aus. Immer mehr Westsachsen müssen ihren Lebensunterhalt mit einem Nebenjob aufbessern. In der zweiten Schicht putzen sie, füllen in Supermärkten Regale auf oder servieren in Restaurant und Gaststätten Speisen und Getränke. 2008 betraf das noch reichlich 3400 Menschen, Ende vergangenen Jahres hingegen 5462. Im gleichen Zeitraum ist die geringfügige Beschäftigung im Hauptjob deutlich zurückgegangen. Durch die gute Konjunktur erhielten mehr Menschen einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Dort verdienen sie aber oftmals nicht genug. Der Verdienst im Landkreis Zwickau immer noch unterdurchschnittlich. Das Medianentgelt von Vollzeitbeschäftigten in dieser Wirtschaftsregion lag Ende 2017 (aktuellste verfügbare Angabe) bei 2484 Euro brutto und damit deutlich abgeschlagen. In Ostdeutschland wurden durchschnittlich 2600 Euro und in Westdeutschland 3339 Euro verdient. Das Medianentgelt ist das Einkommen, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt. Ein Grund für das niedrige Medianentgelt ist der Niedriglohn, den hier noch deutlich mehr Mitarbeiter als in anderen Regionen erhalten. 35,9 Prozent der Vollzeitbeschäftigten verdienen monatlich weniger als 2139 Euro und liegen damit unterhalb des unteren Entgeltbereichs. Bundesweit beträgt dieser Anteil nur 19,8 Prozent. "Die Situation am Zwickauer Arbeitsmarkt ist nach wie vor unbefriedigend", sagt Sabine Zimmermann, Linken-Bundestagsabgeordnete und DGB-Vorsitzende im Kreis Zwickau.


Zwar ist die Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen und die Anzahl der versicherungspflichtig Beschäftigten von 119.705 im September 2008 auf 127.923 im September 2018 gestiegen. Doch die meisten Mitarbeiter profitieren in ihren Jobs finanziell nicht von der guten Konjunktur. "Bei der Förderung von Unternehmen muss gute Arbeit im Mittelpunkt stehen und nicht das Motto: Hauptsache Arbeit, egal, ob man davon leben kann", fordert Zimmermann.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hat sich das auf die Agenda geschrieben. Er will Sachsen zu einem Land mit überdurchschnittlichen Löhnen entwickeln. "Schlechte Löhne sollen niemand mehr von der Rückkehr in die Heimat abhalten", sagte der Minister im Landtag. Er verwies damit gleichzeitig auf den Fachkräftemangel in einigen Branchen. Auch in Westsachsen suchen die viele Firmen mit großem Aufwand neue Mitarbeiter.

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