Mit diesem Prunkschwert ist niemand getötet worden

Besucher des Museums in den Priesterhäusern Zwickau sollten nicht nur die oberen Etagen erkunden, sondern auch in den Folterkeller hinabsteigen. Dort befindet sich das Objekt des Monats Juli.

Zwickau.

Im Keller des Museums in den Priesterhäusern gibt es Einblicke in die frühere Gerichtsbarkeit in Zwickau. Als Objekt des Monats Juli hat die Einrichtung das Prunkschwert des Zwickauer Halsgerichts in den Mittelpunkt gerückt. Es hängt in dem nur notdürftig beleuchteten Gewölbe des Folterkellers in einer Glasvitrine.

"Mit diesem Schwert ist niemand enthauptet worden", sagt Historiker Matteo Rebeggiani, der als Museumspädagoge und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Einrichtung arbeitet. "Es handelt sich um kein Richt-, sondern um ein Gerichtsschwert." Rebeggiani berichtet, dass dieses Prunkschwert ein Zeichen der Macht und Statussymbol der Halsgerichtsbarkeit war, bei der es um Todesurteile ging. "Vorher hatte der Richter einen Stab, der nach dem Verkünden des Todesurteils gebrochen wurde", so der Historiker. "Daher kommt auch die Redensart, dass über jemanden den Stab gebrochen wird." Später sei dann beim Urteilsspruch solch ein Schwert durch den Richter erhoben worden. Dazu legte er den Eisenhandschuh, der mit in der Glasvitrine zu sehen ist, an. Das Schwert ist um den mit Leder überzogenen Griff herum reich verziert. Auf der einen Seite der Klinge ist der Spruch "Thue recht. Fürchte Gott. Halt seine Gebott und scheu keinen Menschen nicht. Anno Christi 1605." eingraviert. Der Museumsmitarbeiter sagt: "Damit wird verdeutlicht, dass die menschliche Gerichtsbarkeit auf die göttliche zurückzuführen ist." Auf der anderen Schwertseite steht mit dem Namen Martinus Neumeister der des Meisters, der es gefertigt hat. Rebeggiani erzählt, dass die letzte Nachricht vom Gebrauch dieses Schwertes aus dem Jahre 1744 stammt. Deshalb gehe man davon aus, dass bis dahin in Zwickau die sogenannten Halsgerichte stattfanden.


Zu lesen ist in dem Keller, dass am 14. Februar 1407 um 12 Uhr auf dem Zwickauer Markt der Exbürgermeister der Stadt, Franz Steussing, unter Bürgermeister Peter Mergenthal mit einstimmiger Billigung des Rates, der Gemeinde und der Handwerker enthauptet worden ist, weil er intrigiert hatte. Die markgräfliche Obrigkeit sah aber im selbstbewussten Handeln der Zwickauer Bürgerschaft einen schwerwiegenden Eingriff in ihren Machtanspruch und reagierte mit besonderer Härte. Nur wenig später, am 10. Juli 1407, wurden der Bürgermeister und drei Ratsherren in Meißen ebenfalls enthauptet.

Interessantes erfährt der Museumsbesucher darüber hinaus über den Zwickauer Scharfrichter, den Henker. Im Jahre 1525 betrug sein Wochenlohn acht Groschen. Neben den Henkersdiensten gehörte das Einfangen und Erschlagen herrenloser Hunde zu seinen Aufgaben, besonders dann, wenn die Stadt hohen Besuch erhielt.

Erschreckend sind die damaligen Strafen. So ist aufgeführt, dass auf Diebstahl über sechs Pfennige Erhängen und unter sechs Pfennigen Auspeitschen und Scheren der Haare stand. Wer durch falsche Maße und Gewichte betrogt, wurde ebenfalls gehängt.

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