Mobile Schönheiten ziehen noch

Trotz Diskussionen um den Abgas-Ausstoß: Oldtimertreffen haben nichts von ihrem Reiz verloren. Auf Kritik reagieren die Freunde alter Fahrzeuge eher gelassen.

Zwickau/Burkersdorf.

Er ist der Hingucker schlechthin: Nico Friedrich hat erstmals am Samstag zum US-Car-Meeting an der Reichenbacher Straße in Zwickau seinen original Cadillac, Baujahr 1966, gezeigt. "Zu dem Oldtimer bin ich über meinen Onkel gekommen, der vor vielen Jahren ins amerikanische Pittsburgh ausgewandert ist", erklärt der Schneeberger, der sich jährlich an mindestens fünf speziellen Oldtimertreffen beteiligt.

Während die meisten dann ihr Handy zücken, den Oldtimerfan mit Fragen belagern, kennt der 31-Jährige aber auch die andere Seite: Leute, die zwar die klassischen Automobile schick finden, aber eben nicht deren Abgas-Ausstoß. Ausdrücke wie Stinker oder Dreckschleuder hat Friedrich schon oft gehört. Das sei immer wie ein Schlag ins Gesicht. Und dennoch macht er kein Geheimnis daraus, dass sein Cadillac bis zu 25 Liter Super Plus auf 100 Kilometer verbraucht. "Die Industrie, aber auch Lkw und Trabis pusten weit mehr Schadstoffe in die Luft", entgegnet der junge Mann dann.

Das sieht Dominic Würfel nicht anders. Der junge Veranstalter des bereits 4. US-Car-Treffens hat zwar wegen des Klimawandels Verständnis für die seiner Ansicht nach immer wieder aufkochenden Debatten, hält aber solche Oldtimertreffen wie in Zwickau für unabdingbar. Bevor man die Oldtimer als Umweltsünder ins Visier nimmt, sollte man Würfel zufolge bei Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen anfangen.

Würfel, der auch das Simsontreffen vor Kurzem auf die Beine gestellt hat, spricht zudem gern vom "mobilen Museum". Würde es solche Veranstaltungen nicht mehr geben, "hätten die Menschen doch kaum Chancen, diese alten Fahrzeuge zu Gesicht zu bekommen. Darüber hinaus fahren die Besitzer mit ihren alten Autos nur zu besonderen Anlässen durch die Gegend", stellt der Versicherungsmakler klar, der wie bereits im vergangenen Jahr mehr als 2500 Besucher registrierte. "Das Interesse an den Automobil-Schauen ist ungebrochen." Er spricht in dem Zusammenhang von einem "dankbaren Geschäft", konkrete Angaben zu Umsatz und Gewinn will er aber dennoch nicht machen. Wichtig sei, dass den Besuchern auch tatsächlich viel geboten wird. So gab es in Zwickau immerhin 450 Oldtimer zu bewundern. Und dazu jede Menge Action auf der Bühne.

Weniger Action, dafür aber viele Alttraktoren gab's am Samstag im Kirchberger Ortsteil Burkersdorf zu sehen. Auch dort winkt Mario Kunz vom ausrichtenden Kleintierzüchterverein S 624 Burkersdorf rasch ab. Er hält die Diskussion um die Abgase für an den Haaren herbeigezogen. "Das sind doch keine Alltagsfahrzeuge. Die alten und neuen Traktoren werden hier einmal im Jahr gezeigt. Und dann war's das auch schon", betont Kunz, der mit der Resonanz auf das jährliche Traktortreffen zufrieden war. Da kein Eintritt kassiert wird, es lediglich eine kleine Spendenbox gibt, konnte er nicht mit konkreten Besucherzahlen aufwarten. Schon anders sah das bei den Fahrzeugen aus. Laut Vereinsmitstreiter Uwe Balster, der für die Anmeldung der Teilnehmer zuständig war, hatten sich diesmal 99 Besitzer von Alttraktoren und landwirtschaftlichen Geräten auf der Wiese hinter dem Feuerwehrdepot in Reih und Glied aufgestellt. "Wir sind froh, dass uns die Besitzer der Wiese hier jedes Jahr drauf lassen. Sonst könnten wir unser Treffen gar nicht organisieren", betont Balster.

Dabei war das Traktorentreffen vormals gar nicht Teil der jährlichen Kaninchenjungtierschauen. "Als unser Verein vor zwölf Jahren sein 125-jähriges Bestehen feierte, hatten wir überlegt, wie wir die Jubiläumstierschau aufwerten, was wir den Besuchern noch Besonderes bieten können. Da sind wir auf die Alttraktorenschau gekommen", erinnert sich Balster. Inzwischen sei die Fahrzeugschau ein Selbstläufer. "Großartig Werbung müssen wir deshalb kaum noch machen. Die Leute wissen, dass am zweiten Samstag im August in Burkersdorf alle Tier- und Technikfreunde willkommen sind", so der 60-Jährige. Dass es weder regnete noch tropische Hitze herrschte, spielte den Machern der Veranstaltung in die Hände. "Das war längst nicht immer so. Wir hatten auch schon Samstage, an denen im wahrsten Sinne des Wortes alles ins Wasser fiel", so Kunz.

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