Moseler Feuerwehr will keine Spenden

... zumindest nicht kurz vor der Kommunalwahl. "Wir sind nicht käuflich", schreibt die Wehrleitung in einer vielbeachteten Stellungnahme im sozialen Netzwerk Facebook.

Zwickau.

Ein Schreiben der Moseler Feuerwehrleitung ist im sozialen Netzwerk Facebook auf ein großes Echo gestoßen. Wehrleiter Martin Fischer und Vize Andre Männel geben darin all jenen (Kommunal-) Politikern einen Korb, die kurz vor den Wahlen am 26. Mai Spenden an die Freiwillige Feuerwehr Mosel oder deren Förderverein übergeben wollen. "Die Freiwillige Feuerwehr macht nahezu alles - aber wir sind nicht käuflich", heißt es in der Stellungnahme.

Was der konkrete Anlass für das Schreiben war und um welche Spendenwillige genau es geht, wollte Wehrleiter Fischer zunächst nicht sagen. Zwickaus Stadtsprecher Mathias Merz betonte auf Nachfrage der "Freien Presse", es habe wegen des Facebookbeitrags keinen Rüffel von der Stadtverwaltung oder dergleichen gegeben. Am Montagabend äußerte sich Fischer dann doch noch ausführlicher. "Es gab in der Vergangenheit mehrere Spendenangebote, deren Hintergründe jeweils nachvollziehbar und durchaus gut gemeint sind", so der Wehrleiter zur "Freien Presse", "wir haben jeweils darum gebeten, die Angebote nach der Wahl an uns zu richten. Da wir weder für die Spender noch für uns einen negativen Eindruck in der Öffentlichkeit erwecken möchten, werden wir uns hierzu nicht weiter äußern."

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Allerdings erläuterte Fischer die Absicht hinter dem Beitrag noch etwas genauer. In der Öffentlichkeit und der Politik werde leider häufig die Beschaffung von Ausrüstung, Fahrzeugen oder der Bau von Gerätehäusern als Förderung des Ehrenamtes in den Freiwilligen Feuerwehren angesehen, erklärte er. Fakt sei jedoch, dass es sich hierbei um eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Kommune handelt. "Soll heißen, das Feuerwehrhaus im Dorf und alles darin muss es aufgrund gesetzlicher Pflichten geben." Das Personal, welches daraus eine leistungsfähige Feuerwehr macht, die rund um die Uhr einsatzbereit ist, komme in der Freiwilligen Feuerwehr aber aus dem Ehrenamt. Ohne diesen Einsatz müsste die Kommune beispielsweise eine Pflichtfeuerwehr einberufen, um ihre gesetzlichen Aufgaben zu erfüllen. "In Mosel sind wir hiervon zwar noch ein Stück entfernt, aber der Zulauf könnte wie überall besser sein", betonte Fischer.

Die Moseler erneuerten ihre Forderung an die Politik, wirklich etwas für die Stärkung des Ehrenamtes zu tun - und nicht nur über das "neue Spielzeug" für die Feuerwehr zu verhandeln. "Vielleicht können Sie Menschen, die sich engagieren, einen ganz klaren Vorteil im täglichen Leben anbieten ... ein echtes Privileg, welches man erwirbt, wenn man bei uns mitmacht", hatten Fischer und sein Vize Männel bei Facebook geschrieben, ohne allerdings einen konkreten Vorschlag zu unterbreiten. Was die Annahme von Spendengeldern angeht, so sei man über Unterstützungsangebote selbstverständlich dankbar, man dürfe sie aber ohne Stadtratsbeschluss gar nicht ohne weiteres annehmen; zudem sei der Förderverein der Wehr zur politischen und konfessionellen Neutralität verpflichtet.

Das Schreiben der Moseler wurde bis Montagabend bei Facebook 64-mal geteilt, in den meisten Kommentaren erfahren die Wehrleute Zustimmung: "Respekt für diese Worte und ein großartiger Seitenhieb an die, welche immer dann Unterstützung anbieten, wenn sie etwas davon haben", schreibt einer. Ein Anderer: "Ganz starker Text, jawoll Kollegen. Lasst Euch nicht zum Wahlkampf missbrauchen". Ein Dritter: "Hut ab! Für so viel Ehrlichkeit!" Lediglich ein Mitglied einer Thüringer Feuerwehr erklärte, dass sich die Kameraden zwar auch als politisch neutral sehen, Geld für die Jugendwehr aber nicht ablehnen: "Für die 35 Kids können wir jeden Euro gebrauchen."

FDP-Stadtratskandidat Carol Forster reagierte als einziger Politiker darauf und gab zu, den Jugendwehren Mosel, Oberrothenbach, Crossen und Schneppendorf Geld angeboten zu haben statt es "für sinnlose Wahlplakate" auszugeben. Er habe mit einer Ablehnung aber kein Problem: "Dann spende ich für die Kinderarche in Radebeul."

Facebook-Post der Freiwilligen Feuerwehr Mosel


Kommentar: Mutige Ansage

Im Wahlkampf sind sich die Parteien einig: Sie wollen das Ehrenamt unterstützen. Wer will da widersprechen? Was dabei untergeht, ist: Dort, wo das Ehrenamt wächst, zeigt sich oft das Versagen der Politik. Ehrenamtliche übernehmen staatliche Aufgaben. Egal, ob es um Kultur, Bildung, Pflege oder den Umgang mit Geflüchteten, Armen und Obdachlosen geht. Bei der Feuerwehr gilt das genauso. Der Brandschutz ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Kommune.

Die Politik deutet die Not - wie Löcher in sozialen Netzen und die finanzielle Austrocknung der Kommunen - zur Tugend um. Und Lokalpolitiker wirken daran mit, indem sie sich im Wahlkampf als Anwälte des Ehrenamts verkaufen. Klar, die Ehrenamtlichen verdienen jede Anerkennung - aber nicht als Wahlkampfmittel. Wenn Lokalpolitiker sich im Wahlkampf mit Ehrenamtlichen schmücken, ist das durchschaubar - und die Ansage der Moseler Feuerwehr ziemlich mutig.

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