Mülsener kämpfen für kürzere Umleitung

Die Erneuerung der Schmutzlerbrücke geht für viele Mülsener mit großen Umwegen einher. Sie fordern den Ausbau eines Privatweges. Das lehnt der Landkreis als Bauherr ab.

Mülsen.

Voraussichtlich bis Juni 2021 soll die Erneuerung der Schmutzlerbrücke und der Stützmauern in deren Anschluss im Mülsener Ortsteil Ortmannsdorf dauern. In dieser Zeit ist die Kreuzung an der Brücke über den Mülsenbach entweder ganz dicht oder nur teilweise befahrbar. Über den Niclaser Steig gibt es von der Ortmannsdorfer zur Wildenfelser Straße eine kurze Umleitung. Aber in die andere Richtung bleibt nur die lange Fahrt über Freitag- und Vettermannstraße wieder den Mülsengrund hinauf. Diese etwa 19 Kilometer müssen viele Eltern, die ihr Kind in die Ortmannsdorfer Kita bringen, zweimal am Tag fahren. Damit wollen sie sich nicht abfinden, genau wie Thomas Schrödter, der einen Taxibetrieb an der Wildenfelser Straße und große Probleme mit dem langen Umweg hat.

Bei einer Demonstration mit mehr als 300 Teilnehmern am vorigen Sonntag machten Betroffene auf diese aus ihrer Sicht unzumutbare Umleitung aufmerksam. Als Alternative fordern sie vom Bauherrn Landratsamt, den Meierberg, einen etwa 150 Meter langen Privatweg, auszubauen. Damit würde es in beide Richtungen kleine Umfahrungen geben. Das Einverständnis des Eigentümers vom Meierberg liege vor, versichert Gemeinderat Dieter Unger (Impuls), genau wie Angebote von Baufirmen, den Weg für die Umleitung herzurichten.

Stefan Matthes, der zuständige Dezernent im Landratsamt, sagt, dass nach den günstigsten Umleitungen gesucht worden sei. "Den Niclaser Steig mit Ampelregelung in beide Richtungen zu befahren, macht keinen Sinn. Experten haben berechnet, dass die Wartezeiten an den Ampeln zu lang wären", sagt er. Auch mit dem Meierberg habe man sich beschäftigt. "Bis heute liegt im Landratsamt kein Einverständnis des Eigentümers vor", so Matthes. "Und die Gemeinde Mülsen hat kein Interesse daran, ihn öffentlich zu widmen und in ihre Baulast zu nehmen." Unabhängig davon sei es bautechnisch sehr aufwendig. Man müsse die Strecke fast grundhaft ausbauen und komplett entwässern. Eine Schätzung habe etwa 70.000 Euro Kosten ergeben. "Wenn wir den Berg als Umleitung freigeben, sind wir die Größten. Aber nur, so lange dort nichts passiert", so der Dezernent. "Wir haben den Weg als mögliche Umleitung verworfen."

Eltern aus dem Ortmannsdorfer Oberdorf beklagen, dass bei den derzeitigen Umleitungen ihre Kinder bis zu 2,5 Kilometer Weg zum Schulbus laufen müssen. Ihnen rät Matthes, mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen Kontakt aufzunehmen, damit für solche Härtefälle Lösungen gefunden werden können.

Trotz aller Argumente aus dem Landratsamt wollen viele Betroffene die aktuelle Lösung nicht akzeptieren. "Ein ,Wir haben alles getan' muss kein Ende der Kompromissbereitschaft bedeuten", sagt Gemeinderat Harry Sakschewski (3GE). "Wir appellieren an die Verantwortlichen: Gehen Sie aufeinander zu, überwinden Sie Animositäten, bauen Sie schnell und unkonventionell die 150 Meter Meierberg aus. Die Baufirmen stehen in den Startlöchern, der Bau und die öffentliche Widmung können parallel erfolgen." Er fordert auch das Engagement von Bürgermeister Hendric Freund (parteilos) für die Mülsener, auch wenn die Baustelle sowie die Umleitungen nicht in seiner Verantwortung liegen.

Stefan Matthes versichert, dass der Knotenpunkt an der Schmutzlerbrücke nicht die ganze Bauzeit über völlig gesperrt ist. "Derzeit ist beispielsweise die Verbindung zwischen Wildenfelser und Neuschönburger Straße per Ampelregelung passierbar", sagt er. "Am kritischsten wird das erste Jahr. Dann wird die Kreuzung, je nach Baufortschritt, teilweise befahrbar sein."

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