Muslime putzen mit Profis nach Silvester die Stadt

Am Neujahrsmorgen beginnt das Aufräumen nach der Silvesterparty. Eine Gruppe Freiwilliger befreit die Innenstadt vom größten Unrat.

Zwickau.

Bereits vor 9 Uhr kreiselt eine Kehrmaschine über den Georgenplatz in Zwickau. In breiter Front schwärmen junge Leute nordwärts: Sie greifen mit der Zange zerfetzte Böller und Raketenstummel auf, kehren Partymüll zusammen, lassen Batterien-Wracks in blauen Müllsäcken verschwinden.

Gut gelaunt klettert Frank Kolibal aus seinem "Staubsauger" auf Rädern. Mit zwei Kollegen des Wertstoffzentrums Zwickauer Land erledigt er im Auftrag der Stadt Zwickau die Neujahrsreinigung. Zwei Kehrmaschinen und ein Multicar sind im Einsatz. Neumarkt, Bosestraße, Innenstadt, Plauensche Straße, Dr.-Friedrichs-Ring und Muldeparadies werden gesäubert, der Rest folgt bis Mitte Januar. "15 Kubikmeter Müll kommen bis 12 Uhr mindestens zusammen", schätzt der Kraftfahrer.

Verstärkung erhält sein Team von der Jugendorganisation Ahmadiyya Muslim. Die 25 Mitglieder der Gemeinde Zwickau - sie kommen unter anderem aus Pakistan und Indien - haben der Stadt ihre Hilfe angeboten. "Auch wenn im islamischen Kalender der 1. Januar kein Neujahrstag ist: Wir leben in Deutschland und möchten uns integrieren. Dies soll ein kleiner Beitrag sein", sagt der Leiter der muslimischen Jugendorganisation Umar Yousof. "Sauberkeit ist Teil unseres Glaubens", ergänzt der 15-jährige Gymnasiast Moiez Ahmad, der nach Einsätzen in Dresden und Plauen zum vierten Mal bei einer Silvesterreinigung hilft, aber auch gern selbst das traditionelle Feuerwerk guckt.

Mit 35 Stundenkilometern tuckert Frank Kolibal auf seiner Bucher Schörling Richtung 'Zwickauer Hauptmarkt. Der 57-Jährige zirkelt haarscharf an Schildern und Absperrungen vorbei, kehrt routiniert Nischen aus, will auch den letzten Unrat erwischen. Er zieht den Hut vor seinen Helfern: "Ich freue mich sehr über die Unterstützung. Die Leute arbeiten wie die Wiesel. Ohne sie hätten wir doppelt so lange gebraucht." Der Schönfelser schafft es nun bequem zum Neujahrskonzert um 14.30 Uhr ins Reichenbacher Neuberinhaus: "Mein erster Kulturbeitrag im neuen Jahr."

Vorm Rathaus beobachtet Thomas Seidel die Putzkolonne. "Muslime für Frieden", entziffert der Innenstadtbewohner T-Shirt-Aufdrucke und lobt: "Die machen das gut." Derweil nehmen die Teilnehmer Aufstellung für ein Erinnerungsfoto.

Glück im neuen Jahr versprechen Böller und Raketen. Bei der Menge, die in Zwickau verpulvert wurde, sollten also keine Wünsche offen bleiben. Zum Beispiel: einen Besen für alle "Knalltüten", die ihren Müll einfach liegen lassen.


"Wir treten für Meinungs- und Religionsfreiheit ein"

Umar Yousof (31) leitet die Jugendorganisation von Ahmadiyya Muslim in Zwickau und der Umgebung. Kathrin Buschmann hat mit ihm gesprochen.

Freie Presse: Was kennzeichnet die Ahmadiyya Gemeinde?

Umar Yousof: Ahmadi-Muslime bekennen sich zum Grundgesetz der BRD und respektieren damit verbundene Menschenrechte. Wir treten für Meinungs- und Religionsfreiheit ein. Deshalb werden zum Beispiel unsere Glaubensbrüder in Pakistan bedroht, verfolgt, ermordet.

Was sieht das Leben in Ihrer Gemeinde aus?

Wir versuchen, mit den Menschen in unserer neuen Heimat in Dialog zu treten. Neben religiösen Handlungen wie Gebeten gibt es natürlich auch Feiern, Ausflüge und Grillpartys.

Was wünschen Sie sich und Ihren Mitmenschen?

Ein gesegnetes, friedvolles 2019. kabu

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