Neonazi-Kampfsporttreffen in Crossen

Bei der zweiten Auflage wurde kurzfristig Zwickau zum Austragungsort. Die Polizei kontrollierte, griff aber nicht weiter ein.

Zwickau.

Eine kurzfristig in die Paintballanlage in Crossen verlegte Neonazi-Kampfsportveranstaltung war der Grund für das Polizeiaufgebot am Samstagnachmittag in dem Zwickauer Ortsteil. Nach Einschätzung der Polizei kamen zwischen 300 und 400 Besucher und Teilnehmer. Ursprünglich sollte das Treffen an einem anderen Ort stattfinden, dort hatte der Vermieter aber wohl kalte Füße bekommen.

Beim Shoot-Club Zwickau, der die Anlage in Crossen betreibt, wusste man vorher offenbar nicht, wer sich dort tummeln wollte. Freitagnachmittag habe ein Vertreter eines Chemnitzer Sport- und Bildungsvereins nachgefragt, ob die Anlage kurzfristig zu mieten sei, sagte der Vorsitzende des Clubs, der namentlich nicht genannt werden möchte. "Wir wussten, dass Boxkämpfe stattfinden sollten, mehr aber nicht." Er selbst sei nicht die ganze Zeit dabei gewesen. Was er mitbekam, sei ruhig verlaufen. Reden habe er nicht gehört, manche freilich hatten "eine komische Art, sich zu tätowieren". Der Eigentümer des Geländes war am Dienstag nicht zu sprechen.


Die Organisatoren des Turniers bezeichneten die Veranstaltung als Erfolg. Einem "hervorragenden Publikum wurden 15 äußerst spannende Kämpfe" geboten sowie "drei thematisch stimmige Redebeiträge". Laut Polizeisprecher Christian Schünemann gab es keine Hinweise auf verfassungsfeindliche Reden. Die Polizei kontrollierte mit rund 50 Beamten die Besucher, die die halbe Crossener Straße zuparkten. Die Beamten fischten einen Fahrer ohne Fahrerlaubnis heraus, stellten sonst aber keine Verstöße fest, die eine Absage des Treffens gerechtfertigt hätten. Schünemann zufolge werden solche Treffen oft konspirativ organisiert. Die Teilnehmer erfahren selbst erst sehr spät, wo das Event stattfindet.

Das Turnier nennt sich Tiwaz - wie die pfeilförmige Rune, die dem Kriegsgott gewidmet ist. Organisiert wird sie laut Veranstalter "von volkstreuen Deutschen verschiedenster Couleur", man wolle "dem Zeitgeist trotzen, der ein schwächliches Mittelmaß als erstrebenswert erachtet..." Wie Sachsens Staatsregierung im März auf eine Kleine Anfrage des bündnisgrünen Landtagsabgeordneten Valentin Lippmann erklärte, verortet sie die Organisatoren eindeutig im Neonazi-Spektrum. Die Premiere dieses Turniers, das ausschließlich Männern vorbehalten ist, fand 2018 im erzgebirgischen Grünhain-Beierfeld statt. Bis zu 250 Besucher sollen nach Angaben des Antifaschistischen Recherchenetzwerkes Chemnitz daran beteiligt gewesen sein. Mit dabei Vertreter rechter Hooligan-Gruppen, aus dem Sicherheitsgewerbe, dem rechtsextremen Parteien-Spektrum, dem neonazistischen Kameradschaftsmilieu, aus Motorradclubs und der rechten Musikszene. (mit kru/dha/nkd)

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