Neue Glocken für Stangengrün

Wenn alles klappt, wird spätestens Weihnachten in der alten Wehrkirche im Ort wieder ein Bronzegeläut erklingen. Noch befindet es sich in Innsbruck.

Stangengrün.

So etwas erlebt man nicht alle Tage: 55 Stangengrüner haben beim Guss der zwei neuen Glocken für ihre Kirche in der Gießerei Grassmayr in Innsbruck zugeschaut. "Das war sehr spannend", sagt Uwe Barth, Mitglied des Kirchenvorstandes, der mit der ganzen Familie das Ereignis verfolgt hat. "Sogar unser sechsjähriger Sohn Gideon ist mit nach Österreich gefahren und war begeistert."

Die Kirchgemeinde freut sich, dass nun bald wieder Bronzeglocken in ihrer alten Wehrkirche läuten werden. Zwei der 1887 gegossenen waren im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden. "Nur die kleinste, die Taufglocke, wurde damals verschont, weil sie gebraucht wurde, um die Leute vor Gefahren wie Feuer zu warnen", weiß Uwe Barth. Nach dem Krieg sorgte dann ein Planitzer Strickwarenfabrikant für ein neues Dreiergeläut aus Stahl, und die Taufglocke hing still mit im Glockenstuhl, weil sie vom Klang her nicht zu den anderen passte. Das ändert sich nun. Die traditionsreiche Innsbrucker Gießerei arbeitet die noch vorhandene Glocke so mit auf, dass sie im Klang mit den neu gefertigten harmoniert. Ob deren Guss gelungen ist, das wird der sächsische Glockensachverständige in Österreich bei der Abnahme der beiden Exemplare überprüfen.

Jetzt, wo der Turm der 1317 errichteten Marienkirche leer ist, nutzen die Stangengrüner die Zeit, um den Glockenstuhl aus dem Jahr 1511 aufzuarbeiten. Ein neuer wäre sicher billiger gewesen, aber da der vorhandene unter Denkmalschutz steht, ist das historische Holz erhalten und nur dort ausgetauscht worden, wo es morsch war. Da die Stahlglocken größer sind, hatte man 1923 auch den Schalldeckel entfernen müssen, um genügend Platz im Turm zu schaffen. Nun kommt ein neuer rein. Auch die Turmuhr wird restauriert.

Die ganze Aktion kostet etwa 140.000Euro. Die Landeskirche steuert 52.000 Euro bei. Außerdem beteiligte sich die Ostdeutsche Sparkassenstiftung mit einem großen Betrag. "Auch viele Stangengrüner haben gespendet und mit Eigenleistungen geholfen. Und zwar nicht nur Gemeindeglieder", freut sich Uwe Barth. Bernd Schürer beispielsweise, ein gebürtiger Stangengrüner, der inzwischen in Lichtenstein wohnt, arbeitet unentgeltlich als Planer.

Die Kirchgemeinde geht davon aus, dass im Herbst die Weihe des neuen Glockentrios erfolgen kann. "Spätestens zu Weihnachten werden die neuen Glocken im Turm läuten", sagt Uwe Barth.

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