Noch fünfmal Schlafen

Wahlen 2019 Bunte Klebepunkte auf dem Hauptmarkt, mehrere Wahlformate und der Landesvater mal wieder zu Besuch - so läuft der Wahlkampfendspurt in Zwickau.

Zwickau.

Wer am Montag um die Mittagszeit über den Hauptmarkt schlendert, wird das Gefühl nicht los, dass es den Zwickauern allmählich reicht mit Wahlkampf. Unter den leeren Blicken der von den Plakaten an den Laternen herablächelnden Politikern finden sich nur wenig Interessierte vor den gelben Aufstellern der Landeszentrale für politische Bildung ein. Dort kann man am Montag den Wahlomat mit Klebekärtchen spielen. Ein Angebot für alle, die im Jahr 2019 entweder kein Internet nutzen, oder die gerne verschiedenfarbige Punkte auf Papier kleben.

Der Klebe-Wahlomat ist der kleine analoge Bruder des digitalen Wahlomats, der seit Jahren jedermann kostenlos im Netz zur Verfügung steht. Thesen, Antworten der Parteien, alles ist identisch. Die Teilnehmer kleben grüne Punkte für Zustimmung, rote Punkte für Ablehnung oder beide Punkte für Enthaltung an die einzelnen Tafeln. So entsteht auf der Klebekarte ein Lochmuster, das am Ende direkt vor Ort von einer Maschine ausgewertet wird. Der Teilnehmer erhält sein persönliches Ergebnis, wie nah oder fern er den politischen Parteien steht. "Die meisten Leute, die uns ansprechen, wollen eigentlich nur wissen, wie der analoge Wahlomat nun genau technisch funktioniert", sagt Christian Krüger, der als freier Mitarbeiter für die Landeszentrale für politische Bildung tätig ist.


Eigentlich sollte der Klebe-Wahlomat schon 10.30 Uhr auf dem Hauptmarkt stehen, aber er verspätete sich wegen einer vergessenen Arbeitsmappe um eine Stunde. Zu den etwa 20 Personen, die sich danach dorthin verirren, gehört eine Zwickauerin, die sagt, sie verzichtet grundsätzlich auf digitale Geräte. Ein Mann vervollständigt den Fragekatalog, um am Ende nur eine einzige Partei in die Auswertung einzubeziehen. Er wisse sowieso, wen er wähle, und wolle nur erfahren, wie sehr er mit dieser Partei übereinstimme, erklärt er den verdutzten Helfern.

Besuche von Spitzenpolitikern stehen in der letzten Woche vor der Landtagswahl nur noch wenige an. Der Spitzenkandidat der Linken, Rico Gebhardt, kommt am Mittwoch von 9 bis 12 Uhr zu einem Infostand nach Wildenfels, der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Alexander Graf Lambsdorff, hat sich noch für Donnerstag zu einem Firmenbesuch angekündigt und Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will am Samstag 19 Uhr zum Brauereifest in die Mauritius-Brauerei kommen. Das war es dann aber.

Am Mittwochabend gibt es noch zwei Diskussionsformate, um die Meinungsbildung zu schärfen. Die Landeszentrale für politische Bildung lässt an diesem Tag ihren Klebe-Wahlomat in Hoyerswerda und kommt stattdessen gemeinsam mit der "Freien Presse" nach Wilkau-Haßlau, um den Direktkandidaten im Wahlkreis 5 (Zwickau 1) auf den Zahn zu fühlen, eines der letzten von 60 Wahl-Foren im Freistaat.

Außerdem geht an demselben Abend das Römer-Forum der Frage nach, was die Sachsen eigentlich wirklich bewegt. Dazu hat die Politikwissenschaftlerin Astrid Lorenz die neue Dialogreihe "Bürgerwerkstatt" ausgewertet. Bei der Präsentation der Ergebnisse Mittwoch 19.30 Uhr im Peter-Breuer-Gymnasium wollen die Diskussionsteilnehmer die Ergebnisse der Dialogreihe mit der Wirklichkeit abgleichen.

Und dann wäre da noch am Donnerstag 19 Uhr das mehr oder weniger spaßige Format "Mensch wähl mich" des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) im Gewerkschaftshaus am der Bahnhofstraße. Dort würfeln sich die Landtagskandidaten auf einem Spielbrett, das entfernt an Monopoloy erinnert, durch Fragen zur Wahl.

Wer aber als Erster über Los kommt, entscheidet sich am Sonntag bei der Wahl zum nächsten sächsischen Landtag.

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