Olzmannstraße: Jetzt oder später bauen?

Die Bahnbrücken sind fertig. Um die Sanierung der Fahrbahn darunter ist ein Streit entbrannt.

Zwickau.

Bis Ende August will die Deutsche Bahn AG nach Angaben eines Unternehmenssprechers ihre Arbeiten am ehemaligen Olzmanntunnel im Zwickauer Stadtteil Marienthal abgeschlossen haben. Nach fast 15 Jahren Bauzeit und einer Investition von 16 Millionen Euro sind dann die 21 Brücken, die einst die Olzmannstraße überspannten, durch vier neue ersetzt worden. Der Bahnverkehr über die Neubauten, die nicht mehr von Trägern in der Fahrbahnmitte gestützt werden, wurde bereits aufgenommen.

Die Stadtverwaltung will da nicht nachstehen und die Olzmannstraße zwischen dem Mittelgrundbach und der alten Lehmbahn auf einer Länge von 620 Metern komplett sanieren. Doch mit diesem Vorhaben stieß sie nicht bei allen Mitgliedern des Bauausschusses auf Gegenliebe. Die Stadträte bestätigten zwar auf ihrer jüngsten Sitzung mit Mehrheit die Vergabe der erforderlichen Planungen an ein Ingenieurbüro aus Crimmitschau, den Bau selbst machten sie jedoch von Bedingungen abhängig. Vor allem wollen sie noch einmal darüber reden, ob es jetzt eigentlich nötig ist.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand im Ausschuss der geplante Neubau der sächsisch-thüringischen Justizvollzugsanstalt auf dem Gelände nebenan. "Warum bauen wir die Straße jetzt und warten damit nicht, bis das Gefängnis fertig ist?", fragte Stadtrat Sven Itzek (AfD). Er fürchtet, dass die schweren Baufahrzeuge die neue Fahrbahn schnell wieder in Mitleidenschaft ziehen. Tiefbauamtsleiter Thomas Pühn konterte mit einer Gegenfrage: "Wann wird die JVA gebaut?" Das kann derzeit niemand sagen. Für Pühn ist das ein Dilemma: "Wir sind abhängig von Fördermitteln", sagte er. Derzeit könne die Stadt wegen des Gefängnisneubaus an der Straße noch mit bevorzugten Fördermitteln rechnen. Ist die Haftanstalt erst einmal fertig, wird die Finanzierung in Dresden niemanden mehr interessieren, das wissen auch die Räte.

Nach der ersten Schätzung könnte der Bau dieses Teilstückes der Olzmannstraße rund 2,9 Millionen Euro kosten. Die Stadt hofft auf 2,1Millionen Euro an Fördermitteln. "Sobald die Finanzierung geklärt ist, wollten wir anfangen zu bauen", sagte Pühn. Auch Lutz Feustel (CDU) hält das für "nicht optimal" und bekam Unterstützung von seinem Fraktionskollegen Uwe Seidel. Bei einer geschätzten Bauzeit von mindestens acht Monaten sehen sie auf Marienthal zudem ein Verkehrschaos zukommen, das im schlimmsten Fall durch den beginnenden JVA-Bau noch verstärkt wird. Das, so vermuten sie, werde die Lkw-Fahrer auf die Bülaustraße locken. Nach langer Diskussion einigten sich Räte und Tiefbauamt auf einen veränderten Bauablauf. Alle Planungen sollen so erfolgen, dass der Bauverkehr von der Reichenbacher Straße aus durchgeführt werden kann.

Lars Dörner (Grüne) scheiterte schließlich mit einem Kompromissvorschlag, der vorsah, die Fahrbahn zunächst mit ein paar Zentimetern neuem Asphalt zu versehen und die Straße später komplett zu sanieren. Pühn winkte ab: "Das ist rausgeschmissenes Geld" und halte keine zwei Jahre. Für Sven Itzek ist es eine kaufmännische Abwägung. "Wenn wir jetzt bauen, müssen wir hinterher noch einmal einen Straßenbau bezahlen", sagte er. Und das vermutlich ohne Fördermittel. Das sieht Herbert Reischl (Fraktion Die Linke) anders. Es komme auf die Qualität des Straßenbaus an. "1973 wurde die Straße nach Neuplanitz gebaut", sagte er. Darüber seien die Laster mit den Betonteilen für die Neubaublocks gefahren. "Die Straße nutzen wir heute noch".

Das Wort Qualität spielt auch bei der Olzmannstraße eine Rolle: Zuletzt erhielt die Fahrbahn im Jahr 2007 für 170.000 Euro eine neue Asphaltdecke. Derzeit kann niemand so richtig erklären warum sie knapp elf Jahre später schon wieder auf Platz 8 der Prioritätenliste beim Straßenbau steht.

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1Kommentare
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  • 0
    1
    inhe
    20.07.2018

    Nachdem ich gestern diesen Artikel las, bin ich aufmerksam die Olzmannstraße entlanggefahren und bin der Meinung, in Zwickau gibt es deutlich schlechtere Straßen als diese. Beispielsweise im Wohngebiet Marienthal - rund um R.-Holz-Straße. Man sollte die Bauarbeiten an der Olzmannstraße nach hinten verlegen und nach den Bauarbeiten zum JVA-Bau verschieben.



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