Prozess um Tod von Baby: Das tragische Ende eines Versteckspiels

Vor dem Landgericht Zwickau hat am Donnerstag der Prozess gegen eine fünffache Mutter begonnen. Sie ließ eines ihrer Kinder sterben.

Zwickau.

Die Gespräche draußen auf dem Flur sind lauter als jedes Wort, das die Angeklagte sagt. Im großen Saal des Landgerichtes Zwickau könnte man eine Stecknadel fallen hören, während die 33-Jährige von jenem Tag im August 2016 berichtet, als sie heimlich einen kleinen Jungen gebar und dieser wenige Stunden später nicht mehr lebte.

Am Donnerstag hat der Prozess gegen die Frau aus Wilkau-Haßlau begonnen. Seit man herausfand, dass ihre DNA zu der des im Juni 2017 gefundenen toten Babys passt, sitzt sie in Haft. Sie ist des Totschlags durch Unterlassen angeklagt - wie es zu dieser Tat kam, das schildert sie an diesem Vormittag leise und unter Tränen. Auf viele Fragen von Richter Klaus Hartmann weiß sie keine Antwort. Vor allem, wenn es ihm darum geht herauszufinden, warum sie keine Hilfe gesucht hat.

Dass der Säugling gestorben ist, weil sie ihn nach der Geburt nicht ausreichend versorgt hat, das leugnet die Frau nicht. Wie es aber überhaupt dazu kommen konnte, das ist auch während des ersten Verhandlungstages nicht ganz klar geworden. Die Frau zeichnet ein Bild ihrer Lebenssituation, in der sie nicht die Tonangebende war. Die Erzieherin lebte damals mit ihren drei Kindern, ihrem Freund und dessen Eltern in einem Haus. Als sie zum vierten Mal schwanger wurde, verheimlichte sie das ihrer Familie und ihrem Umfeld. Erst als die Wehen einsetzten, ging sie ins Krankenhaus - unter einem Vorwand. Sie schenkte einem Mädchen das Leben und gab es sofort zu Adoption frei. Auf die Frage des Richters nach dem Warum sagt sie, es sei immer schwieriger geworden, ein Kind zu bekommen. Ihr Lebensgefährte sei dagegen gewesen. Die Schwiegereltern ebenso. "Sie haben monatelang nicht mit mir gesprochen", sagt sie über die Zeit nach ihrer dritten Schwangerschaft. Ein viertes Mal wollte sie das nicht erleben. Doch auch ein fünftes Mal wurde sie schwanger.

Zu diesem Zeitpunkt ihrer Aussage haben sich bereits zahlreiche Fragen angehäuft, die die verschüchtert wirkende Frau nicht schlüssig erklären kann. Beispiel Verhütung: Vom Lebensgefährten und dessen Familie soll sie aufgefordert worden sein, sich sterilisieren zu lassen. Das habe sie auch zugesagt, den Schritt aber aus Angst vor der Operation letztlich nicht getan. Statt dessen habe sie sich über das Internet die Pille besorgt - obwohl das bei den vorangegangenen Schwangerschaften auch nicht funktioniert hatte.

Dann stellte sie fest, dass sie erneut ein Kind austrägt. Das muss im März oder April 2016 gewesen sein, also im vierten oder fünften Monat. Erneut war es zu spät für einen legalen Abbruch, erneut nahm sie keine Arzttermine wahr. Erneut machte sie einfach so weiter, als sei nichts geschehen. Hochschwanger machte sie noch mit der Familie Urlaub und wanderte in den Bergen. Als dann eines nachts die Wehen einsetzten, brachte sie morgens ihre Kinder aus dem Haus. Dann aber fuhr sie nicht in eine Klinik, sondern nach Hause. Ließ Wasser in eine Wanne, gebar ein Kind, duschte sich, beseitigte alle Spuren. Auf dem Weg nach Aue, wo sie den Jungen in einer Babyklappe abgeben wollte, stellte sie seinen Tod fest. Das Wimmern hatte aufgehört, das Herz schlug nicht mehr. Die Mutter bekam Panik: Stopfte das Baby in einen Müllsack, wickelte ihre Strickjacke darum, legte es an einem Waldrand ab. Wenige Tage später feierte sie mit ihrem Sohn Schulanfang, als ob nichts gewesen wäre. Zehn Monate später fand ein Landwirt das traurige Bündel. Die Mutter wurde durch eine DNA-Probe gefunden.

Viele Fragen sind offen - medizinische, aber auch zum familiären Umfeld. Die Verhandlung wird in zwei Wochen fortgesetzt. Dann soll auch der Vater des Kindes aussagen, der als Nebenkläger auftritt.

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1Kommentare
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  • 1
    1
    Interessierte
    01.03.2018

    Verstehen tut man das nicht ...
    Eine 33 Jahre alte Frau und dazu noch Erzieherin , welche das Kind nicht versorgt hat ...
    Was muß denn da in einem vorgehen , wenn man das macht ?



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