Rasierer-Diebstahl bringt Mann ins Gefängnis

Zehn Monate Haftstrafe für einen 34-Jährigen, der seit 2005 die Justiz beschäftigt - Staatsanwalt: eine Zeitbombe

Zwickau.

Am Montag geschnappt und am Freitag rechtskräftig zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt: Staatsanwaltschaft und Amtsgericht Zwickau haben bei einem 34-jährigen Obdachlosen, der Justizbehörden in Sachsen, Thüringen und Bayern seit 2005 beschäftigt, kurzen Prozess gemacht.

Der Auslöser für die Untersuchungshaft und das folgende beschleunigte Verfahren klingt nach einer Lappalie: Er wurde erwischt, als er zwei Päckchen Einwegrasierer an der Kasse des Zwickauer Globusmarktes vorbeischleusen wollte. Doch seit er am 26. Februar diesen Jahres aus dem Gefängnis in Dresden entlassen wurde und wieder in Zwickau aufkreuzte, hat der mit 18 Vorstrafen belastete Mann weitere Delikte begangen: Körperverletzung, versuchte gefährliche Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Schwarzfahren. Oberstaatsanwalt Uwe Wiegner sagte zum Angeklagten: "Sie sind eine Zeitbombe, wenn Sie Alkohol getrunken haben." Richterin Eva-Maria Ast gab dem Staats- anwalt Recht. Unter Alkohol sei der gebürtige Schleizer unberechen- bar: "Manchmal schlafen Sie nur, manchmal aber sind Sie richtig gefährlich."

Besonders gefährlich: ein Ereignis nahe der Freilichtbühne am 9. Mai. Dort soll er eine Frau nach einer Zigarette gefragt haben. Als die ihm keine geben konnte, habe er gesagt: "Dann muss ich jetzt jemandem in die Fresse hauen." Mit einem Hammer demolierte er daraufhin Werbetafeln. Der Angeklagte räumte die Taten mehr oder weniger ein. An manches könne er sich wegen seiner Alkohol- und Drogenabhängigkeit nicht erinnern, an anderes, was ihm noch gar keiner vorgeworfen hatte, sogar sehr gut. Den Hammer, erklärte er auf Nachfrage, habe er aus einer Gartenanlage in der Nähe der Freilichtbühne. "Ich hab dort viel rausgeholt", sagte der Angeklagte. Richterin Ast hörte mit Verwunderung zu: "So einen geständigen Angeklagten haben wir selten."

Oberstaatsanwalt Wiegner witterte die Chance, den Hammer, der derzeit in der Aservatenkammer liegt, wieder seinem Besitzer zurückzugeben. "Welcher Garten?" wollte er wissen und "Sie verzichten darauf?" "Ich würde ihn wieder nehmen", erklärte der Angeklagte zunächst spontan. Seine Anwältin redete mit Engelszungen auf ihn ein: "Aber den brauchen Sie doch gar nicht." Zähneknirschend verzichtete er auf das Diebesgut.

Am 27. Februar soll er eine Flasche Bier nach zwei Männern im Zwickauer Bahnhof geworfen und sie als Assis beschimpft haben. Die beiden berichteten der Polizei, dass sie den Mann kennen. Er schlafe oft auf dem Bahnhof, ticke nicht richtig. Sie nennen ihn den "Kapuzenmann". In dessen Leben spielen seit 2005 Regeln kaum eine Rolle: Er kassierte Urteile wegen Unterschlagung, Trunkenheit im Verkehr, Unfallflucht, Hausfriedensbruch, Bedrohung, Verwenden verfassungsfeindlicher Kennzeichen, Beschaffungskriminalität. Laut Wiegner wird nun die Reißleine gezogen: "Jetzt ist es mal gut." (upa)

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