Reicher Beutezug in Wohnung: Inhaber saß am Mittagstisch

In 20 Minuten machten Diebe in einer Wohnung reichlich Beute. Die DNA-Spuren reichen aber noch nicht für ein Urteil.

Zwickau.

Zwanzig Minuten hatte sich ein Plauener im Wohnzimmer seiner Wohnung Zeit genommen um sein Mittagessen einzunehmen. Das hatte drei Dieben gereicht, um in seinen Räumen reichlich Beute zu machen. Dabei wurde es ihnen leicht gemacht, in die Wohnung zu gelangen: Der Schlüssel steckte von außen im Schloss. Einer der mutmaßlichen Täter, ein 23-jähriger Mann aus Plauen, stand am Donnerstag vor dem Strafrichter des Zwickauer Amtsgerichtes.

Der Wohnungsinhaber selbst konnte nicht vor Gericht aussagen. Er liegt derzeit in Görlitz im Krankenhaus. Daher wurde seine Aussage, die er einst bei der Polizei gemacht hatte, verlesen. Demnach standen, als er das Wohnzimmer verließ, fast alle Türen in der Wohnung auf, und auch Schränke waren durchsucht worden. Großartig suchen musste die Täter allerdings nicht. Der Griff nach einer großen Reisetasche hatte schon genügt. Darin befanden sich neben einer Videokamera mit Zubehör, einem Fernglas, einem Auto- und dem Wohnungsschlüssel seiner Lebensgefährtin sowie diversen persönlichen Unterlagen auch mehrere Briefumschläge mit insgesamt etwa 10.000 Euro Bargeld. Das Geld, so hatte er den Ermittlern erklärt, habe er zuvor über einen längeren Zeitraum für größere Anschaffungen gespart.

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Der Angeklagte bestritt jede Beteiligung an der Tat. "Ich würde nie einen Einbruch begehen", sagte er. Er würde ja auch keiner alten Oma die Handtasche stehlen. Sein Versuch,. sich ein Alibi zu verschaffen scheiterte jedoch. Der Angeklagte gab an, an jenem Montag arbeiten gewesen zu sein, und hatte seinen Chef als Zeugen laden lassen. Da die Tat jedoch schon mehr als zwei Jahre zurückliegt, konnte dieser das weder bestätigen noch widerlegen.

Der Staatsanwalt hatte jedoch einen Beweis für die Anwesenheit des Mannes am Tatort. Die Polizei hatte am Wohnungsschlüssel seine DNA gefunden. Dafür allerdings hatte der Mann eine Erklärung. "Ich war schon bei Bekannten in dem Haus", sagte er. Dabei habe er sicher seine DNA irgendwo hinterlassen. Die müsse dann irgendwie an den Schlüssel geraten sein.

Ob er sich mit seinem möglichen Komplizen, einem 28 Jahre alten Algerier abgesprochen hat, werden Staatsanwalt und Gericht wohl nie erfahren. Dem gelernten Friseur hatte ein Gutachten, mit der Aussage, dass dieser Sachverhalt nicht ausgeschlossen werden kann, zu einer Einstellung seines Verfahrens verholfen. Der Mann war aus der Haft vorgeführt worden. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihm die Fahrt von Hohenleuben nach Zwickau und der damit verbundene mehrtägige Aufenthalt nicht gefiel. Immerhin hatte er finanzielle Einbußen bei seiner Arbeit im Gefängnis, für die er lautstark eine Entschädigung forderte. Viel weiterhelfen konnte er dem Gericht ohnehin nicht. Er kenne den Angeklagten nicht, habe ihn noch nie gesehen, ließ er das Gericht wissen. "Es kann schon sein, dass ich mal in dem Haus war und Crystal gekauft habe", erklärte er seine an der Türklinke gesicherte DNA-Spur.

Das Vertrauen der Justiz in die DNA-Analyse ist offenbar nicht grenzenlos. Richter Heiko Eisenreich wollte nicht kategorisch ausschließen, dass die Spuren des Angeklagten tatsächlich auch auf andere Art und Weise an den Wohnungsschlüssel gelangt waren. Daher soll jetzt auch in diesem Fall ein Gutachten eines Sachverständigen Klarheit bringen. Dass eine derartige Übertragung bei ein und derselben Straftat gleich zweimal vorkommt, scheint unwahrscheinlich. Das Verfahren wird fortgesetzt, sobald das entsprechende Gutachten vorliegt.

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