Sammellust und Kunstgenuss

Ein Kaufmann aus Wilkau legte sein Vermögen zu großen Teilen in Kunst an. Das zeigt eine Ausstellung in Zwickau.

Zwickau.

Eine Sonderausstellung, die die Kunstsinnigkeit und Geschmackskultur eines bürgerlichen Kaufmanns des frühen 20. Jahrhunderts repräsentiert, wird ab Samstag in den Kunstsammlungen Zwickau/Max-Pechstein-Museum gezeigt. "Sammellust und Kunstgenuss. Die Sammlung Hermann Hugo Neithold" lautet der Titel der Sonderschau, die bis 9. Februar 2020 gezeigt wird. Das sagte Mathias Merz, Sprecher der Stadtverwaltung.

Um die Jahrhundertwende gehörte es zum bürgerlichen Selbstverständnis, eine Kunstsammlung zusammenzutragen. Ein solch bürgerlicher Sammler war der in Leipzig geborene, später in Dresden lebende Kaufmann Hermann Hugo Neithold (1862-1939). Er war als Prokurist und leitender Einkäufer für südamerikanische Wolle bei der Kammgarnspinnerei Heinrich Dietel in Wilkau tätig. Hierbei erwarb er sich große Verdienste, ein hohes soziales Ansehen und ein beachtliches Vermögen, das er zu großen Teilen in Kunstbesitz anlegte.

Mit seinem Umzug in die Haupt- und Residenzstadt Dresden konnte Neithold ab 1916 die dort ungemein rege Ausstellungs- und Galerieszene für seine Erwerbungen nutzen. In einem Zeitraum von knapp zwei Jahrzehnten trug er mit Kompetenz und Passion über 50 Gemälde zusammen. Von Beginn an beschränkte er sich auf die deutsche Kunstproduktion ab 1850, insbesondere auf die Malerei der Münchner Schule, punktuell erweitert mit Werken von Künstlern der Münchner und Berliner Sezession. Die bis heute im Wesentlichen intakt gebliebene Privatsammlung vereint Landschaften, Porträts, Stillleben und Genrebilder, unter anderem von Lovis Corinth, Franz Defregger, Max Liebermann und Carl Spitzweg, sagte Merz.

Von seinen ersten Erwerbungen an bevorzugte Hermann Hugo Neithold eine Malerei, die vertraute Inhalte gegenstandstreu veranschaulicht. Das verband ihn mit den eher konservativ gesinnten Sammlern seiner Zeit, die keine Auseinandersetzung mit der Gegenwart oder der Geschichte suchten. Vielmehr wollten sie vor Werken zur Ruhe kommen, die ihnen die Möglichkeit zur Identifikation boten. Mit den Vertretern des deutschen Impressionismus wie etwa Corinth, Liebermann und Trübner erreichte Neithold die Grenze seines künstlerischen Geschmacks.

Dass sich die Privatsammlung von Hermann Hugo Neithold schlüssig in einen "klassischen" musealen Sammlungsbestand integrieren lässt, zeigt die Ausstellung. Zu den Werken der Neithold-Sammlung gesellen sich rund 50 ausgewählte Werke aus dem Bestand der Zwickauer Kunstsammlungen. So sind unter anderem kleinformatige Gemälde der Spätromantiker Meno Mühlig und Bernhard Mühlig zu sehen, die idyllische Alltagsszenen und Landschaften ihrer erzgebirgischen Heimat schildern. Daneben werden aber auch weitere Tendenzen der Malerei um 1900 anhand von Werken der an der Dresdner Kunstakademie wirkenden Professoren Carl Bantzer, Eugen Bracht oder Oskar Zwintscher gezeigt. (ja)

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