Strafe für Misshandlung der Tochter

Zweimal soll ein 29-Jähriger sein vier Monate altes Baby heftig geschüttelt haben. Nur eine Notoperation rettete dem Kind das Leben.

Zwickau.

Ein 29 Jahre alter Mann ist am Dienstag am Amtsgericht Zwickau wegen Misshandlung seiner Tochter zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Im November 2018 hatte er das damals vier Monate alte Mädchen zweimal so heftig geschüttelt, dass es schließlich ein Schütteltrauma erlitt, was unter anderem Blutungen im Gehirn nach sich zog. Nach heftigen Krampfanfällen und Erbrechen musste das Baby im Krankenhaus notoperiert werden. Inklusive Rehabilitation war eine stationäre Behandlung bis Anfang Februar erforderlich.

Der angeklagte Vater hatte die Taten zugegeben. Das Schöffengericht ging davon aus, dass der Mann mit der Betreuung des Kindes überfordert war. In seinem Bestreben, das häufig schreiende Baby zu beruhigen, sei er in Panik geraten und habe seine eigenen Kräfte nicht mehr unter Kontrolle gehabt. Von einer Tötungsabsicht ging das Gericht nicht aus. Negativ auf die Strafe wirkte sich jedoch aus, dass der Mann das Kind ein zweites Mal schüttelte, obwohl ihm die Folgen für dessen Gesundheit vom ersten Mal bekannt waren. Hätte die junge Mutter nach dem zweiten Übergriff nicht den Notarzt gerufen, wäre das Leben des Kindes ernsthaft bedroht gewesen. "Es ging um wenige Stunden", sagte der Gutachter Hans-Peter Kinzl vom Rechtsmedizinischen Institut Gera.

Wie oft der Angeklagte das Baby tatsächlich geschüttelt hat, ist nicht mehr feststellbar. Aus medizinischer und damit auch juristischer Sicht sind zwei Misshandlungen nachweisbar. Angeklagt waren vier Taten. Seine Lebensgefährtin will vom Schütteln ihres Kindes zunächst nichts mitbekommen haben, wie sie am Dienstag vor Gericht aussagte. Auch der Kinderarzt, den sie nach dem ersten Übergriff aufsuchte, habe die Symptome falsch und als harmlos gedeutet.

Das Paar will seine Beziehung trotz dieser Vorfälle fortsetzen, bestätigten beide. "Es ist ein Papa-Kind", erklärte die Mutter dem Gericht. Das Mädchen habe keine Angst vor seinem Vater. Auch das Jugendamt habe einer gemeinsamen Wohnung zugestimmt, so die Mutter weiter. Im Gerichtssaal bewahrten die beiden allerdings räumliche Distanz. Dieses Verhalten brachte 0ffenbar das Gericht auf die Idee, dass der Angeklagte seine Freundin schütze und sie selbst die Verursacherin der Verletzungen sein könnte. Doch davon rückte die Kammer wieder ab. "Der Angeklagte hat bereits im Krankenhaus bestätigt, dass er sie geschüttelt hat", sagte Richter Stefan Noback.

Ob das kleine Mädchen, das inzwischen eine normale Kindertagesstätte besucht, bleibende Schäden davonträgt, wird sich erst später herausstellen. Es bestehe die Gefahr, dass es unscharf sehe, sagte der Gutachter. Auch müsse weiterhin Hirnwasser in Richtung Magenhöhle abgeleitet werden. Zudem könne derzeit niemand sagen, wie lange es noch Medikamente gegen die Krampfanfälle einnehmen muss. Nach dem ersten Versuch, diese abzusetzen, kehrten die Anfälle zurück. Da der Angeklagte die Strafe noch im Gerichtssaal akzeptierte, ist das Urteil rechtskräftig.


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