Studieren im grünen Bereich

Grüner wird's nicht Die Parks und Gärten sind nicht die einzigen Pflanzen-Paradiese in Zwickau. Auch das Gelände der Hochschule hat einiges zu bieten.

Zwickau.

Was tut man nicht alles für die ... nun ja ... Befriedigung der Neugier. Also: Ran an den Baum, Blatt schnappen und rubbeln. Ergebnis: Nichts. Auch das ist eine Antwort.

Denn um herauszufinden, ob man vor einem Gewöhnlichen oder einem Prächtigen Trompetenbaum steht, muss man am einfachsten die Blätter zerreiben. Die Blätter des gemeinen Exemplars strömen einen unangenehmen Duft aus. Wenn auch mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass der Geruch die Mücken fernhalten soll. Die Blüten, die man eben noch in ihrer orchideen-artigen Schönheit bewundern kann, duften hingegen sehr stark. Sie ziehen nicht nur die Bienen an, sondern auch die Blicke auf sich. Die Trompetenbäume, die auf dem Gelände der Westsächsischen Hochschule stehen, sind also im wahrsten Sinne des Namens prächtige Exemplare -vor allem der Baum, der zwischen Georgius-Agricola-Bau und Dr.-Friedrichs-Ring steht. Für ihn wie für die Bäume auf dem Scheffelberg-Campus gilt: Nach dem Blätter-Rubbeln Hände waschen! Denn der gesamte Baum ist leicht giftig.


Bleiben wir auf dem Scheffelberg-Campus in Eckersbach. Das Gelände gehört ebenso wie der Innenstadt-Campus nicht zu den städtischen Flurstücken. Für die Hochschule samt Außenanlagen ist der Freistaat verantwortlich, dessen Immobilien- und Baugesellschaft sich auch um das Wohl der Bäume, Sträucher und Beet-Blumen kümmern muss. In Eckersbach, wo früher die Pädagogische Hochschule beheimatet war, sind viele ältere Bäume zu finden. Da sie einzeln stehen, konnten sie sich in voller Pracht entwickeln.

Neben dem August-Horch-Bau und der O-Bus-Teststrecke steht beispielsweise eine hoch aufgeschossene Pappel. Diese Bäume haben es beim Wachsen eilig, die säulenartig gewachsenen Exemplare nennt man auch Pyramidenpappeln. Die haben sich aus den Schwarzpappeln entwickelt - ein Baum, der in Deutschland nur noch sehr selten zu finden ist. Aus ihren Knospen wird seit fast 2000 Jahren eine schmerzstillende Salbe gewonnen. Abgesehen vom Holz der Schwarzpappel werden die Stämme von Pappeln billig verkauft und unter anderem zu Holzwolle, Zahnstochern und Zündhölzern verarbeitet.

Ungleich höher ist der Nutzwert von Birken. Klar: Auf dem Hochschulgelände soll die eine wie die anderen stehen bleiben und allenfalls Schatten spenden, wenn es die Studierenden im Sommer nach draußen zieht. Doch rein vom Nutzen her gesehen haben Birken eben weit mehr zu bieten als nur Schatten. Das Holz ist beliebt im Möbelbau, auch als Furnier. Obendrein brennt es gut -sogar im frischen Zustand. Doch auch ohne den Baum abzusägen kann man ihn nutzen: Der durch Anzapfen gewonnene Birkensaft ist längst zum Trend- getränk geworden, außerdem werden die Blätter gegen Rheuma, Gicht oder Kopfschuppen angewandt -traditionell und ohne Geling-Garantie. Ganz sicher kann man aus dem Baum Birkenzucker gewinnen, auch bekannt als Xylitol. Überdies lieferte die Birke den ersten Kunststoff der Welt: 80.000 Jahre alte Fundstoffe belegen, dass die Menschen der Altsteinzeit um den Verschwelungsprozess von Birkenrinde wussten. Daraus entsteht zunächst Teer, danach Birkenpech -ein Stoff, der als Universal-Kleber diente, aber möglicherweise auch als Kaugummi genutzt wurde. Zumindest interpretiert die Wissenschaft entsprechende Funde mit Bissspuren so.

Ein weiterer Baum, der auf dem Campus zu finden ist, ist legendär: der Gingko, der letzte seiner Art. Die Pflanze, deren Verwandten seit langer Zeit ausgestorben sind, hat besondere Blätter. Sie symbolisieren Freundschaft oder gar die Verbindung zweier Liebender. Die Schulmedizin nutzt sie, um die Gedächtnisleistung zu unterstützen. Die Traditionelle Chinesische Medizin nutzt auch die Samen -etwa gegen Blaseninfektionen, Blähung oder Alkoholvergiftung. So oder so, könnte man nun sagen, sind Gingkobäume auf einem Hochschul-Campus ein vielsagendes Symbol.

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