Totgesagte Projekte leben länger

Der Ringschluss der Mitteltrasse ist wahrscheinlich Geschichte. Doch zumindest ein Teil von ihm wird noch immer geprüft.

Zwickau.

Über kaum ein Straßenbauvorhaben wurde in Zwickau so heftig diskutiert wie über den sogenannten Ringschluss der Mitteltrasse, der die Bundesstraßen 175 bei Werdau und die B 93 auf kurzem Weg miteinander verbinden sollte. Im Dezember 2012 wurde das Thema abrupt beerdigt. Doch jetzt könnte ein Teil davon wieder auferstehen - wenn er denn überhaupt jemals tot war.

Auf Antrag der damaligen Fraktion SPD/Grüne wurde die millionenteure Trasse seinerzeit aus dem Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Zwickau gestrichen. Daher glaubte CDU-Stadtrat Stefan Kramer seinen Augen nicht zu trauen, als er unlängst im Umweltbericht der Stadt Zwickau aus dem Jahr 2017 blätterte und dort einen Teil der Straßenführung wiederfand. Der Abschnitt zwischen der Leipziger Straße, die zur Altenburger Straße wird, und der B93 ist nach Ansicht des Crossener Ortsvorstehers auf geheimnisvolle Art und Weise wieder zum Leben erwacht. Gegen die Route, die zugleich nördliche Ortsumgehung für Crossen wäre, hatte es vor allem von den unmittelbar an der möglichen Neubaustrecke lebenden Anwohnern Widerstand gegeben.

Tatsächlich ist der Abschnitt im Zwickauer Umweltbericht als "entlastende Maßnahme aus dem Verkehrsentwicklungsplan" vermerkt. "Ist das Ignoranz oder mangelnde Kenntnis von Stadtratsbeschlüssen?" fragt Kramer. Er befürchtet, dass der Bau doch noch umgesetzt werden soll. Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) beruhigt. "Der Umweltbericht ist eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Lärmaktionsplanes", sagt sie. Dieses Dokument habe keinen Einfluss auf den Verkehrsentwicklungsplan. Allerdings hätte die Trasse ihre Vorteile, wie die Leiterin des Umweltbüros, Birgit Weidner, erklärt: "Sie würde eine deutliche Entlastung vom Verkehrslärm auf einem Teil der Leipziger Straße bewirken". Autos müssten nicht mehr bis zur Pölbitzer Straße fahren, um rasch zur B 93 zu gelangen. "Dass die Pläne im Umweltbericht stehen, heißt aber nicht, dass sie reaktiviert sind", betont auch Weidner. Vielmehr sei es nur ein Vorschlag. Auch Tiefbauamtsleiter Thomas Pühn bestätigt das. "Die Verbindung Leipziger/Altenburger Straße, B93 ist kein Bestandteil des Verkehrsentwicklungsplanes".

Doch Stefan Kramer bleibt skeptisch. Auch im Lärmaktionsplan von 2015 ist die Trasse noch vorhanden, sagt er. Darin werde zwar ausgeführt, dass der Ringschluss gestrichen ist, doch die Nummerierung findet Kramer merkwürdig: Der Ringschluss wird als 3.1 bezeichnet. Die Straßenverbindung zwischen Leipziger/Altenburger Straße und B93 hat plötzlich eine neue Nummer bekommen: 3.2. "Die ist dann womöglich mit dem Ratsbeschluss gar nicht gestrichen worden", argwöhnt Kramer. Und selbst im derzeit gültigen Verkehrsentwicklungsplan hat der Ortsvorsteher Widersprüche entdeckt. Dort ist zur Trasse nachzulesen: "Eine separate Realisierung unabhängig vom Ringschluss ist verkehrlich sinnvoll. Die Verbindung wird als Maßnahme 3a aufgenommen".

Köhler und Pühn treten dem entgegen - zumindest teilweise. "Der Ratsbeschluss wurde nicht unterlaufen", sagt Pühn. Dennoch wurden die Pläne weiterentwickelt. 2014 wurde die Trassenführung der Crossener Ortsumgehung offiziell mittels Ratsbeschluss auf die Nordvariante geändert. Zudem gibt es da noch den Landesentwicklungsplan des Freistaates. Dort ist die gesamte Mitteltrasse bis heute als notwendig mit der Priorität II eingetragen.

Und bei Straßenplanungen ist bekanntlich nichts für die Ewigkeit: Der Zwickauer Verkehrsentwicklungsplan wird derzeit im Tiefbauamt überarbeitet und im April dem Stadtrat vorgelegt. Nach dem Willen der Verwaltung steht darin auch der Abschnitt von der Leipziger Straße bis zur B 93 ...

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