Trauer im Tierpark: Wisentkalb tot

In der Anlage ist eine große Eiche auseinandergebrochen. Durch den Krach gerieten Tiere in Panik. Eines verletzte sich schwer und war nicht mehr zu retten.

Hirschfeld.

Der Weg neben dem Wisentgehege im Tierpark Hirschfeld ist zurzeit abgesperrt. Ein dicker Eichenstamm liegt am Boden, dahinter ragt noch ein Stück von dem abgebrochenen Baum in die Höhe. Im morschen Inneren picken Specht, Kleiber und Blaumeisen Maden, Larven sowie Insekten heraus. Von den Bäumen nebenan baumeln abgebrochene Äste herab, die jeden Moment abzustürzen drohen.

"Am Montagabend, kurz nach 20Uhr, hat es einen mörderischen Knall gegeben", erzählt Tierparkleiterin Ramona Demmler. "Ich habe mich sofort auf den Weg gemacht, um zu sehen war passiert ist, und habe den zerborstenen Baum entdeckt." Die Tierpark-Chefin ist froh, dass der dicke Stamm so spät abends auf den Weg gekracht ist. "Nicht auszudenken, wenn er auf Besucher gefallen wäre. So ist wenigstens kein Mensch verletzt worden", sagt sie. Die schätzungsweise 200 Jahre alte Eiche, in der immer Vögel brüteten, war schon viele Jahre unter Beobachtung. Doch bei der Standsicherheitsprüfung mit dem Landratsamt Zwickau im Frühjahr habe man keinen Handlungsbedarf gesehen. Dass der Baum jetzt zerbrochen ist, sei auf die Trockenheit zurückzuführen.

Auch wenn kein Mensch zu Schaden kam, ein Opfer gibt es dennoch. "Viele Tiere sind durch den lauten Knall in Panik geraten. Unser erst Ende Mai geborenes weibliches Wisentkalb, das sich im Gehege gleich nebenan befand, ist aufgeschreckt offenbar so sehr gegen ein Hindernis gerannt, dass es sich schwer am Rückgrat verletzt hat. Seine Hinterläufe waren gelähmt. Wir mussten es von seinem Leiden erlösen und töten", berichtet Ramona Demmler. Dass ihr Kalb weg ist, kann Wisentkuh Zwusel nicht verstehen. Unruhig läuft sie durchs Gehege und ruft ständig nach der Kleinen. Doch ohne Erfolg.

Das kleine Kälbchen war der momentan einzige Wisent-Nachwuchs im Hirschfelder Tierpark. Die Tiere werden dort gezüchtet, mehrere sind auch schon an andere Tierparks vermittelt worden. Die 2010 in Hirschfeld geborene Wisentkuh Gerda beispielsweise lebt inzwischen im Rostocker Zoo und hat dort ein eigenes Kalb zur Welt gebracht. Im Tierpark Hirschfeld sollen die Wisente ein neues Gehege gleich neben ihrem derzeitigen bekommen. Vor 2020 wird es voraussichtlich aber nicht fertig werden.

Zunächst soll aber eine Spezialfirma die geborstene Eiche räumen und die Schäden an den anderen Bäumen beseitigen. Das Holz wird zum Gehegebau wiederverwendet.


Hitze und Trockenheit treiben Kosten in die Höhe

Trotz hochsommerlicher Temperaturen ist der Tierpark Hirschfeld derzeit gut besucht. Neben Familien kommen auch Feriengruppen in das Gehege. Mit etwa Glück können die Gäste die jeweils fünf Jungtiere bei den Rot- und Damhirschen beobachten. Außerdem gibt es drei junge Steinkauze und Nachwuchs bei den Minischweinen. Auch ein Alpaka und ein Esel sind gerade geboren worden.

Aus den beiden Brunnen im Tierpark kann aufgrund der Trockenheit bereits seit zwei Wochen kein Wasser mehr gepumpt werden. So muss das Team jetzt Trinkwasser zum Tränken der Tiere und zum Gießen verwenden, was die Kosten in die Höhe treibt. Auch das Grünfutter wächst angesichts fehlender Niederschläge kaum nach, sodass schon jetzt Heu zugefüttert werden muss.

Die 23 Hektar große Anlage, die auch über Spiel-und Minigolfplatz verfügt, ist täglich 9 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 6,50 Euro, Kinder und Jugendliche von 3 bis 17Jahren 3 Euro Eintritt. Familienkarten (2 Erwachsene und 3 Kinder) kostet 19 Euro.

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1Kommentare
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    Interessierte
    27.07.2018

    Das ist ja` ein trauriges Unglück ...



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