Verstehen ist keine Frage der Sprache

Die Tage der Jugend verwandeln Zwickau derzeit in einen großen Erlebnispark - zumindest für die jungen Gäste aus vier Partnerstädten.

Zwickau.

Ein kalter Hund ist schnell gemacht: Kekse, Kakao und Fett - fertig. Schwieriger ist es, Gästen aus anderen Ländern zu erklären, wieso es gekühlten Vierbeiner zum Nachtisch geben soll.

In der Küche des Jugendclubs "Citypoint" ist genau solch ein Dessert eben im Kühlschrank verschwunden. Außerdem stehen Folienkartoffeln, Quark und Kräuterbutter bereit, während zwei tschechische Jungs Gemüse schnippeln. Auch die Gäste aus der Ukraine und China halten nicht lange die Hände still. Es gibt noch einiges vorzubereiten für das Grillfest am Abend, das sie mit allen jungen Gästen feiern wollen, die für die Tage der Jugend nach Zwickau gereist sind. Eingeladen waren Mädchen und Jungen aus allen Partnerstädten der Kreisstadt. Gefolgt sind dem Ruf Delegationen aus Yandu, Dortmund, Jablonec und Volodymyr Volynsky. Am Donnerstag war erste Gelegenheit, gemeinsam mit jungen Sachsen an unterschiedlichen Workshops teilzunehmen.

Betreuerin Valentina Jewheninowa staunt immer noch über den Kalten Hund. "So etwas kennen wir nicht. Aber es schmeckt bestimmt gut." Die Mädchen, die sie begleitet, sind das erste Mal im Ausland. "Sie genießen diese Reise", sagt sie. Und am Abend werden sie sogar ihre eigene Arbeit genießen.

Was die jungen Leute, die den Tag beim Mondstaubtheater verbringen, genießen können, ist möglicherweise ein ordentlicher Muskelkater. Denn sie stehen auf der Tanzmatte. Nein, sie stehen nicht, sie bewegen sich zu einem Beat, der durch die offenen Fenster auf den Hof weht. Anne Pesth alias B-Girl Annski aus Leipzig unterrichtet Break Dance. Es beginnt mit ersten Schrittkombinationen, den Top Rocks. Schnell wird sichtbar, dass hinter Anne nicht nur Anfänger stehen. Kaum dreht sie sich um, steht ein junger Chinese auf dem Kopf - aber da muss er sich noch ein bisschen gedulden. Die Bodenübungen kommen später dran. Bis zum Wochenende sollen die Tänzer so fit sein, dass sie sich innerhalb des großen Programms am "Alten Gasometer" einen sehenswerten Wettkampf liefern können - ein echtes Break-Dance-Battle.

Weniger um Wettbewerb, mehr ums Miteinander geht es im Lutherkeller. Dort schaltet Ben Mädler gerade das Licht an. Im Finsteren hat die internationale Truppe Fotos gemacht - kreative Zeichnungen mit farbigen, bewegten Lichtern. Kaum ist Pause, umringen die Jugendlichen einen Kickertisch. Bei der Verständigung hilft Vittoria Pesenti - halb Italienerin, halb Dominikanerin, die in Zwickau Chinesisch und BWL studiert. Mit ihrer Hilfe erzählt Fang-Xiao Li, dass sie sich sehr willkommen fühlt, die saubere Luft genießt und das Zusammensein mit anderen Jugendlichen. Zwar könne sie im Gespräch nicht alles verstehen. "Aber beim Spielen verstehen wir uns", sagt die 18-Jährige. Die Studentin bestätigt das: "Ich staune, wie problemlos sich die jungen Leute verständigen. Da tun wir Älteren uns schon schwerer." Die Fotomalereien aus dem dunklen Keller werden ausgedruckt und am Gasometer gezeigt. Dort soll am Samstag noch einmal eine Fotowerkstatt eingerichtet werden. Wer Interesse hat, kann sich dort ohne Voranmeldung beim Lightpainting versuchen.

Die Tage der Jugend gehen am "Alten Gasometer" in Zwickau weiter. Dort gibt es am Samstag ab 14 Uhr und am Sonntag ab 11 Uhr zu sehen, was die jungen Leute auf die Beine gestellt haben.

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