Vom Chevrolet zum Premiumliner

Stolzes Alter! Die Firma Leistner-Reisen wurde vor 90 Jahren gegründet. Trotz wechselvoller Geschichte gehören die Planitzer heute zu den erfolgreichsten Busunternehmen in Deutschland.

Zwickau.

Mit einem Chevrolet begann einst die Geschichte des heute ältesten Zwickauer Busunternehmens. Es war natürlich kein Pkw, sondern ein Bus dieser US-amerikanischen Marke, den Arno Leistner und sein Sohn Johannes 1929 anschafften. Bis dahin hatte Arno Leistner, Urgroßvater der heutigen Firmeninhaber, ein Fuhrgeschäft mit Kohlehandel betrieben. Der Chevrolet-Bus kam genau zur rechten Zeit. Denn der Ausflugsverkehr hatte Hochkonjunktur; auch die Fußballer des Planitzer Sportclubs nutzten die Dienste. 1935 wurden bereits 28-mal Ziele angefahren, die 100 Kilometer und weiter entfernt lagen.

Doch die Firma wurde jäh ausgebremst. Zuerst entzog die Kreishauptmannschaft die Erlaubnis, die Busse für Ausflugsfahrten zu verwenden, weil im benachbarten Zwickau angeblich genügend Busunternehmen existierten. Das Argument: Es gebe in Planitz, damals noch eine selbstständige Stadt, keinen Bedarf. Erst mit Hilfe eines Rechtsanwaltes konnten die Bürokraten in der Kreishauptmannschaft vom Gegenteil überzeugt werden. Ob die Initiative zum Entzug der Erlaubnis von Zwickauer Wettbewerbern ausging, ist bis heute ungeklärt.


Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Busse für militärische Zwecke beschlagnahmt. Erst 1945 konnte die Firmengeschichte mit zwei 20 Jahre alten, mühsam reparierten Opel-Bussen fortgesetzt werden. Dabei warteten schon neue Herausforderungen. "Dem Ideenreichtum und der Eigeninitiative eines privaten Unternehmens waren in der DDR viele Riegel vorgeschoben", sagt Johannes Leistners Enkel Matthias Zergiebel. Ausflugsfahrten waren nur im Umkreis von 50 Kilometern gestattet und eine Erneuerung des Fuhrparkes nahezu ausgeschlossen. Nur durch Zufall gelang es, 1968 einen schrottreifen H6-Bus und später einen gebrauchten Ikarus zu kaufen und diese in der eigenen Werkstatt wieder fahrtüchtig zu machen. 1975 konnte Sohn Dieter Leistner die Firma nach bürokratischen Hindernissen übernehmen.

Dann kam die Wende. Kurz vor der Rente überlegte Leistner, den Busbetrieb einzustellen und nur noch Taxi zu fahren. Doch die Erinnerung an seinen Vater, der auch in schwierigen Zeiten durchgehalten hatte, bewegte ihn dazu, weiterzumachen und die Firma schließlich auszubauen. Die erste große Fahrt ging nach Dortmund - mit Propangaskocher im alten Ikarus-Bus als provisorischer Küche. Der Neoplan Jetliner, der 1990 angeschafft wurde, war das erste Neufahrzeug, dass in den neuen Bundesländern zugelassen wurde. Als Vorreiter entwickelte die Firma auch ein Bonussystem sowie die Saisoneröffnungs- und Abschlussreisen.

Noch immer hat das Unternehmen seinen Sitz auf dem Grundstück, das vor 59 Jahren erworben wurde. Tradition ist wichtig, auch wenn der Betriebshof mit Garagen und Werkstatt längst zu klein geworden ist. Inzwischen verfügt Leistner-Reisen längst über eine moderne Busflotte. Rund 140 Katalogreisen werden pro Jahr durchgeführt. Seit 1995 die erste Kanada-Reise angeboten wurde, haben sich die Fernreisen zu einem wesentlichen Bestandteil entwickelt. 2016 ging erstmals ein Premiumliner auf Tour, der noch wesentlich mehr Komfort bietet. Das ist in Sachsen nach Angaben des Unternehmens bisher einmalig. Dazu wurden unter anderem zwei der letzten in Plauen gefertigten Neoplanbusse gekauft.

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