Von Eckersbach vors große TV-Publikum

Neben Det Fischer war er am Stadion-Mikro die Stimme des FSV Zwickau. Den Platz am Rasenrand im "Schwanennest" hat Lenny Leonhardt inzwischen mit dem Fernsehkommentatorenpult auf der Tribüne eingetauscht.

Zwickau.

Seine markante Stimme ist den Stammbesuchern im Stadion Zwickau seit Dezember 2016 bestens vertraut gewesen. Zuletzt war sie am 7.März zu hören, beim Spiel des FSV gegen Hansa Rostock (1:0). Auch davor hat man Lenny Leonhardt, den laut Wikipedia jüngsten Stadionsprecher im deutschen Profifußball schon zweimal vermisst - im Februar gegen Münster und Meppen. Der Grund für seine Abwesenheit ist durchaus erfreulicher Art.

"Es war so, dass sich im Januar für mich vieles auf den Kopf gestellt hat", berichtet der 19-Jährige. Da hatte er nämlich einen Probekommentar beim TV-Sender Eurosport hinterlassen. "Danach hat es nur zwei Wochen gedauert, und Ende Januar habe ich mein erstes Bundesligaspiel in der Zusammenfassung für Eurosport 2 HD Xtra kommentiert - das war Köln gegen Augsburg." Seine Arbeit fand offenbar Gefallen beim Auftraggeber, und so durfte er auch an den folgenden Wochenenden wieder ran. Bis Mai kommentierte er 13Bundesligaspiele in der Zusammenfassung, darunter im März RB Leipzig gegen Bayern München und im Mai Borussia Dortmund gegen Mainz. "Also, das Rädchen ist da in Bewegung geraten."

Plötzlich wurden auch andere Anbieter auf den talentierten Zwickauer aufmerksam. "Ich habe im Mai Chemnitz gegen Rostock kommentiert für Telekom Sport. Eigentlich auch erst auf Probe. Ich sollte mich mal unter Beweis stellen", erzählt Lenny Leonhardt. Jetzt gehört er zum Team für die 3. Liga. Am Sonnabend darf er die Partie Jena gegen Großaspach kommentieren.

Damit nicht genug. Vom 16. bis 22. Juli absolvierte der 19-Jährige ein Praktikum beim MDR-Fernsehen. Das war über MDR-Sportchef Raiko Richter zustande gekommen, mit dem er im Mai ein persönliches Gespräch hatte. Lenny Leonhardt wurde gleich richtig eingebunden. "Ich habe für ,MDR aktuell' DFB-Stories aufgearbeitet. Ich war auch sehr stolz, dass mir das zugetraut wurde." Am Sonntag war seine Stimme beispielsweise zum Fall Mesut Özil zu hören. "Und am Samstag habe ich das Spiel des SV Lipsia 93 Eutritzsch gegen den Sheffield FC im MDR-Livestream kommentiert - das Kultspiel zwischen dem ältesten Verein Sachsens und dem ältesten Verein der Welt." (Beitrag in der Mediathek abrufbar.) Das kam bei den Zuschauern prima an. Anfang der Woche erhielt er die Nachricht, dass er ab sofort als Kommentator und Sprecher für den MDR tätig sein wird.

Inzwischen hat er gleich mehrere Standbeine. "Wenn du einmal den Fuß im Geschäft hast, häuft sich das meist." Zwischendurch hat er im März bei Laola1.tv noch Braunschweig gegen Bochum und bei Sporttotal.TV im Mai das Halbfinale im Mittelrhein-Pokal zwischen Fortuna und Viktoria Köln kommentiert. "Das waren aber nur einmalige Geschichten." Mit seiner Arbeit für Eurosport, Telekom Sport und MDR ist er mehr als ausgelastet.

Die Kehrseite: Den FSV Zwickau hat in der Vorbereitung nicht gesehen. Und bei der Teampräsentation konnte er auch nicht dabei sein. "Natürlich ist das schade", bedauert Lenny Leonhardt. Für die neue Drittliga-Saison drückt er den Rot-Weißen die Daumen. "Ich wünsche dem FSV den Klassenerhalt. Ich halte sehr viel von Joe Enochs, gerade weil meine Affinität groß ist zum US-amerikanischen Fußball. Ich habe ihn auch immer verfolgt bei Osnabrück, habe es sehr gemocht, wie er gespielt hat."

Eigentlich sollte der 19-Jährige nach dem Dortmund-Spiel verabschiedet werden; das wollte er jedoch nicht. "Wenn man diesen Schlussstrich zieht, dann ist es endgültig. Ich bin ja nicht aus der Welt." Allerdings hegt er Zweifel daran, ob er noch als Stadionsprecher glaubwürdig wäre. "Die Identifikation der Fans mit dem Verein findet maßgeblich über den Stadionsprecher statt. Und wenn der alle zwei Wochen nicht da ist, ist das nicht gut für die Glaubwürdigkeit." Die Brücken sind aber keineswegs abgebrochen. "Die Wochenenden sind meist voll, aber in der Woche gibt es Reserven", sinniert der Planitzer. Vielleicht setzt er die Interviews beim FSV abseits der Spiele fort. "Ich bleibe ja in Zwickau wohnen. Es wäre Quatsch, wenn ich plötzlich sagen würde, ich mache hier nichts mehr. Das wäre auch irgendwo arrogant, wenn ich alle Türen hinter mir zumachen würde."

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