Von Gerippen, Grüften und Zeitsprüngen

Die Nacht der Schlösser hat am Sonnabend zahlreiche Besucher im gesamten Landkreis angelockt. Doch nicht alle gingen zufrieden wieder nach Hause.

Zwickau.

Trotz kühler Witterung und einiger Regenschauer haben zahlreiche Westsachsen die Nacht der Schlösser genutzt, um einen Abstecher in die altehrwürdigen Adelssitze zu wagen. Genau fünf Gelegenheiten boten sich dafür.

Wildenfels: Das Schloss Wildenfels öffnet bereits seit vielen Jahren zur Nacht der Schlösser. Obwohl es bedingt durch die derzeit dort laufenden Bauarbeiten einige Einschränkungen gibt, zeigte sich Mathias Reuther, stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises Schloss Wildenfels, mit der Besucherresonanz zufrieden. "Wir haben die Veranstaltung gemeinsam mit dem Mehrgenerationenhaus schon am Nachmittag begonnen. Da war der Zuspruch noch nicht so groß, was meiner Meinung nach aber nur daran lag, dass die Leute die Nacht der Schlösser mit Dunkelheit verbinden", schätzte er ein.

Entsprechend größer waren die Besucherzahlen mit Einbruch der Dämmerung. Das zeigte sich auch während der nächtlichen Feuershow mit Swen Kaatz. Ab 22 Uhr wurde dann vor dem beleuchteten Schlossbrunnen auch wieder die legendäre Wildenfelser Rosenbowle ausgeschenkt. Bei der Zubereitung der roten und weißen Variante des Getränkes, kommen selbstverständlich nur Rosenblätter aus Wildenfels zum Einsatz.

Hartenstein: Für die Mitglieder des Fördervereines Schlossruine Hartenstein war die Teilnahme an der Nacht der Schlösser hingegen eine Premiere. Der enorme Zuspruch, den die rührigen Hartensteiner erlebten, war für sie überraschend. Vereinsvorsitzende Hertha Sellmair: "Natürlich hatten wir im Vorfeld auf viele Besucher gehofft. Aber mit mehr als 600 Schaulustigen wurden unsere Erwartungen weit übertroffen. Schließlich können wir kein Schloss im üblichen Sinne bieten, sondern eigentlich nur noch ein 'Gerippe'. Möglicherweise macht aber genau das den Reiz für die Leute aus", sagte sie.

Den Umstand, dass die Schlossruine erstmals innerhalb der Nacht der Schlösser Tür und Tor öffnete, begründete Hertha Sellmair damit, dass es den Gästen gefallen solle und man ihnen mehr bieten wollte als den nüchternen Anblick einer Ruine. Gelungen ist das unter anderem auch durch mehrere Showdarbietungen für große und kleine Besucher, mittelalterliche Live-Musik, ein nächtliches Lagerfeuer im Schlosshof und eine Taschenlampenführung für Kinder.

Waldenburg: Zu den Besonderheiten, mit denen Schloss Waldenburg zur Nacht der Schlösser punkten kann, gehören auf jeden Fall die jüngsten Besucher. Und unter denen all jene, die sich extra für diesen Anlass in ein passendes Kostüm geworfen hatten. "Ich habe vom kleinen Ritter über Prinzessinnen bis hin zu Drachen eigentlich alles gesehen. Dabei stand für die Kinder wohl weniger der freie Eintritt als mehr der Spaß daran, sich auch außerhalb der Faschingszeit einmal zu verkleiden, im Vordergrund", sagte Ina Klemm, Geschäftsführerin der Tourismusregion Zwickau.

Interessante Angebote gab es aber nicht nur für die Kleinen, sondern auch für die Erwachsenen. Mit The Butchers sorgte eine ortsansässige Band für die musikalische Umrahmung. Zu den Höhepunkten des nächtlichen Spektakels zählte die abschließende Feuershow. Nach einer ersten Einschätzung haben laut Ina Klemm im Verlaufe des Tages rund 600 Besucher einen Abstecher in das Waldenburger Schloss unternommen.

Lichtenstein: Wie viele Besucher sich am Sonnabend rund um Schloss Lichtenstein getummelt haben, kann von den Organisatoren nur geschätzt werden. "Wir haben nicht gezählt und auch keinen Eintritt verlangt. Die einzige Zahl, die ich in diesem Zusammenhang anbieten kann, sind 800 verkaufte Roster. Da sicherlich nicht jeder, der zu uns gekommen ist, automatisch auch eine Bratwurst verputzt hat, dürfte die Gästezahl deutlich höher liegen", sagte Christian Bretschneider. Er war diesmal nicht als Nachtwächter, sondern als Burghauptmann unterwegs.

Bedingt durch die laufenden Bauarbeiten stand das eigentliche Schloss für Rundgänge nicht zur Verfügung. Auch Blicke in den Hungerturm und in die Folterkammer mussten deshalb aus Gründen der Sicherheit entfallen. "Alternativ haben wir die Besucher in den unterirdischen Gang unterm Schloss sowie in die Gruft geführt. Das Interesse war aber trotzdem derart groß, dass die Gäste mitunter sogar Schlange stehen mussten", so Christian Bretschneider.

Glauchau: Lange Gesichter hingegen bei Gerd Köhler und seinem neunjährigen Enkel. Sie waren extra aus Chemnitz gekommen, um dem Trubel des dortigen Stadtfestes zu entgehen. "Hier im Glauchauer Schloss ist es mir nun aber gleich wieder zu ruhig. Vielleicht hätte ich den Veranstaltungsflyer besser lesen sollen. Dann wäre mir aufgefallen, dass außer zwei Museumsführungen und der farbig beleuchteten Fassade hier nichts los ist", sagte er enttäuscht. Zuvor sei er mit dem Steppke schon in Wolkenburg gewesen, wo deutlich mehr geboten wurde.

Ein wenig bissig fügte er hinzu, dass er jetzt zumindest wisse, weshalb die Region unter dem Titel "Zeitsprungland" für sich wirbt. An einer Infotafel vor den Schlössern hatte er seinem Enkel auf der dort befindlichen Landkarte gezeigt, wo sie sich gerade befanden. "Dabei fiel mir auf, dass noch immer vom Chemnitzer Land die Rede ist. Soweit ich mich entsinnen kann, gehört Glauchau schon seit zehn Jahren zum Landkreis Zwickau. Ein echter Zeitsprung."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...