Wahllokal verschreckt Wähler

"Betreten verboten" steht vor dem Seniorenheim in Neuplanitz. Dabei waren Hunderte am Sonntag aufgerufen, dort ihre Stimme abzugeben.

Zwickau.

Wer schon öfter seine Stimme im Wahllokal abgegeben hat, das sich an Wahltagen im Seniorenheim an der Dortmunder Straße im Zwickauer Stadtteil Neuplanitz befindet, der kennt das Schild schon. Wer bei der Landtagswahl erstmals dorthin ging, mag verwundert gewesen sein, und hat vielleicht sogar wieder abgedreht. Gut sichtbar warnt vor dem Eingangsbereich ein Schild: "Betriebsgelände betreten verboten."

Aufgefallen ist das Schild einem "Freie Presse"-Leser, der sich irritiert zeigt. Man müsse davon ausgehen, schreibt er in einer E-Mail an die Redaktion, dass durch die Beschilderung nicht alle wahlberechtigten Bürger ihrem Wahlrecht nachkommen konnten. Abwegig ist der Gedanke nicht, vor allem nicht vor dem Hintergrund, dass am Sonntag nach Angaben des Umfrageinstituts Infratest dimap landesweit mehr als 700.000 Nichtwähler an die Urnen gingen.

Die Stadtverwaltung, der das Problem im Vorfeld offenbar nicht bekannt war, teilt nach einer Prüfung vor Ort die Bedenken. "Es wurde festgestellt, dass sich das Schild schon recht präsent vor dem Eingangsbereich befindet", sagt Heike Reinke aus dem Pressebüro der Stadtverwaltung. Nach Angaben der Seniorenheim-Leitung befindet sich der Warnhinweis dort schon seit Jahren und habe bei Wahlen nie zu Schwierigkeiten geführt. Die Einrichtung könne die Bedenken aber nachvollziehen und sagte den Mitarbeitern des städtischen Bürgeramts zu, das Schild bei künftigen Wahlen abzudecken, damit keine Missverständnisse entstehen.

Aber warum warnt das Seniorenheim überhaupt vor dem Betreten? Die Einrichtung ist öffentlich und kann jederzeit besucht werden, das räumt nach Angaben der Stadt auch die dortige Leitung ein. "Dieses Schild dient laut Einrichtungsleitung eher zur Abschreckung fremder Parker", sagt Reinke.

Ob es tatsächlich Wähler gab, die angesichts des Verbotsschilds wieder den Nachhauseweg angetreten sind, ist unklar. Der Zwickauer Stadtverwaltung zufolge spricht nicht viel dafür. Beschwerden diesbezüglich kamen weder bei der Stadt noch bei dem dortigen Wahlvorstand an. Auch die Wahlbeteiligung wich offenbar nicht stark vom Durchschnitt ab. Laut Stadtverwaltung lag sie im Seniorenheim bei etwa 55 Prozent im Vergleich zu 59 Prozent in der gesamten Stadt.

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