Warum ein Mähdrescher vorm Museum steht

Der Kreisbetrieb für Landtechnik war einst die größte Firma in Reinsdorf. 70 Jahre nach seiner Gründung präsentiert eine Ausstellung viel Interessantes aus der Historie des Unternehmens und der DDR-Landtechnik.

Reinsdorf.

Ein blau-weißer Mähdrescher E 512 steht seit dem Wochenende vor dem ehemaligen Förderturm an der Pöhlauer Straße in Reinsdorf, der das Bergbau- und Heimatmuseum beherbergt. Gleich daneben parkt ein blank polierter rot-weißer Traktor ZT 303. Was auf den ersten Blick gar nicht zusammenpasst, gehört auf den zweiten doch zusammen. Denn: Zur Geschichte des Dorfes am Rande von Zwickau gehört nicht nur der Steinkohlenbergbau, sondern auch die Reparatur von Landtechnik.

Ehemalige Mitarbeiter sowie die Gemeindeverwaltung haben das Jubiläum "70 Jahre Kreisbetrieb für Landtechnik" zum Anlass genommen, um ein Stück Agrargeschichte in einer Sonderausstellung im Förderturm sowie im Bad- und Mannschaftsgebäude wieder lebendig werden zu lassen. Bürgermeister Steffen Ludwig (parteilos) vereint in seiner Person sowohl Gemeindeverwaltung als auch ehemaligen Mitarbeiter. Schließlich hat der Reinsdorfer selbst im Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) gelernt und als Ausbilder gearbeitet, ehe er in die Kommunalpolitik wechselte.


Zur Eröffnung am Sonntagnachmittag im Festzelt neben dem Museum sind etwa 200 Besucher gekommen - neben ehemaligen Mitarbeitern auch Landwirte und junge Leute, die sich für alte Landtechnik interessieren. Wolfgang Brock, der zu der Arbeitsgruppe gehört, die die Sonderausstellung vorbereitet hat, sagt: "Aus den jungen Leuten, die damals hier gelernt haben, sind gestandene Kerle geworden, die in die Zukunft passen." Etliche, die einst im KfL zu Landmaschinenschlossern ausgebildet worden sind, arbeiten heute in der Region in verantwortlichen Positionen. So hat neben Ludwig auch der Wildenfelser Bürgermeister Tino Kögler (parteilos) dort gelernt, genau wie Peter Wappler, der heute Abteilungsleiter Sanitär und Installation bei Richter und Frenzel im Reinsdorfer Gewerbegebiet ist. Auch bei Mercedes Lueg in Zwickau und anderen Unternehmen arbeiten ehemalige KfLer.

Bei ihren Recherchen ist die Arbeitsgruppe tief in die Geschichte der Landtechnik eingetaucht, hat sogar Kontakt mit der Humboldt-Universität Berlin aufgenommen. Sie fand heraus, dass es in Wandlitz bei Berlin ein Agrarmuseum gibt. Der dortige Förderverein hat den Reinsdorfern tolle Modelle von DDR-Landmaschinen geliehen, die früher wahrscheinlich Staatsgästen der DDR gezeigt wurden. Sie sind derzeit in Glasvitrinen im Förderturm zu besichtigen.


Schau und Veranstaltungen rund um das Jubiläum

Die Sonderausstellung "70 Jahre Kreisbetrieb für Landtechnik" im Heimat- und Bergbaumuseum Reinsdorf, Pöhlauer Straße 9, ist bis zum 27. Oktober geöffnet. Sie kann immer sonntags von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden. Termine außerhalb dieser Zeit bitte unter Ruf 0375 2741240 bei der Gemeindeverwaltung Reinsdorf vereinbaren.

Am 29. August findet um 19 Uhr im Freizeitzentrum "Erlenwald" im Reinsdorfer Ortsteil Vielau ein Vortrag zum Thema "Landmaschinenbau in Ostdeutschland - gestern & heute" statt. Referent ist Prof. Dr. Hahn von der Humboldt-Universität Berlin.

Am 28. September gibt es von 10 bis 15Uhr für alle ehemaligen Mitarbeiter des Kreisbetriebes für Landtechnik im Vielauer Freizeitzentrum "Erlenwald" eine Betriebsveranstaltung.

Am 29. September wird von 9.30 Uhr bis 12 Uhr eine Ausstellung historischer Landtechnik am "nah & gut"-Parkplatz in Vielau veranstaltet.

Außerdem gibt es eine Rundfahrt

mit der alten Technik. (vim)


Liebe zu Traktoren geblieben

Steffen Wagner (55) lernte von 1980 bis 1982 Landmaschinenschlosser im KfL. Die Liebe zu den Landmaschinen hat den Mann aus Zwickau-Auerbach, der als technischer Leiter bei Normkies Zwickau arbeitet, nicht mehr losgelassen. So gründete er gemeinsam mit Gleichgesinnten bereits vor vielen Jahren den Verein "Bulldog- und Schlepperfreunde", der Treffen organisiert, zu denen jedes Jahr viele Fans alter Technik strömen. Natürlich hat Wagner auch das KfL-Jubiläum mit vorbereitet, beispielsweise dafür gesorgt, dass der Mähdrescher am Samstagabend noch rechtzeitig vorm Museum geparkt wurde. (vim)


Vom Schlosser zum Dorf-Chef

Steffen Ludwig (61), Reinsdorfer Bürgermeister, hat von 1974 bis 1976 im KfL Landmaschinenschlosser gelernt. Bis August 1985 war er dort als Lehrausbilder tätig. Dann wurde Ludwig zum Bürgermeister gewählt und erhielt seither immer wieder das Vertrauen der Einwohner. "Mehrere ehemalige Lehrlinge und Mitarbeiter hatten vor einem Jahr die Idee, das Jubiläum zu feiern. Dann ist der Stein ins Rollen gekommen. Die Vorbereitung war ein Haufen Arbeit, hat aber viel Spaß gemacht", sagt er und berichtet, dass das Kunstwerk "Kinderreigen", das früher im KfL-Speiseraum hing, jetzt dauerhaft in der Ausstellung zu sehen ist. (vim)


Vorfreude auf Treffen

Brigitte Bachmann (70) hat von 1965 bis zum Aus der Firma als Hauptbuchhalterin im KfL gearbeitet. "Ich habe sozusagen das Licht ausgemacht. Das ist mir damals nicht leicht gefallen", sagt die Vielauerin und berichtet, dass sie anschließend im Straßenbauamt Schlema tätig war. "Als wir vor einem Jahr mit den Vorbereitungen für das Jubiläum begonnen haben, hatten wir nicht gedacht, dass es solche Ausmaße annimmt. Aber jetzt freue ich mich, dass die Ausstellung so toll geworden ist, so viele Besucher zur Eröffnung gekommen sind. Und ich freue mich auch schon riesig auf das Ehemaligentreffen am 28. September. (vim)

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