Wehr sucht Nachwuchs und setzt auf die Eltern

Der stellvertretende Wehrleiter der Wiesenburger Feuerwehr sagt: Die Erwachsenen bringen die Kinder nicht nur zum Dienst und holen sie wieder ab. Im Bedarfsfall motivieren sie auch.

Wiesenburg.

Damit im Fall der Fälle auch künftig genügend Frauen und Männer in Blau zur Verfügung stehen, geht die Freiwillige Feuerwehr Wiesenburg in die Offensive. Einer der Schwerpunkt ist dabei die Suche nach Kindern, die sich für die Mitarbeit in der Jugendfeuerwehr begeistern könnten.

"Wir haben in den zurückliegenden Jahren eine wirklich gute Nachwuchsarbeit geleistet. Erfahrungsgemäß darf man sich aber gerade bei so einer Sache nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern muss ständig am Ball bleiben. Andernfalls entsteht irgendwann ein Loch, das im Nachhinein nur schwer gestopft werden kann", sagte Sven Gerschler. Der 40-Jährige ist stellvertretender Wehrleiter und setzt auf Kontinuität in der Arbeit mit den angehenden Floriansjüngern.

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Über Flyer, die in Kindergärten und Geschäften ausgelegt werden sollen, hofft die Feuerwehr, zunächst an die Eltern heranzukommen. "Ohne die und deren Unterstützung funktioniert das nicht. Wir benötigen sie einfach als Verbündete, die ihre Sprösslinge nicht nur zu den Diensten bringen und sie wieder abholen, sondern sie hin und wieder auch ein wenig motivieren, wenn die Anfangsbegeisterung nachzulassen droht", sagte Gerschler. Wobei es aus seiner Sicht auch kein Problem darstellt, wenn ein Kind nach einiger Zeit feststellt, dass die Feuerwehr doch nicht sein Ding ist. Allzu große Bedenken, dass viele der Kleinen schon nach kurzer Zeit das Handtuch werfen, hat er aber nicht. Dafür sprechen die Erfahrungen, die die Wiesenburger in den zurückliegenden Jahren mit ihrer Jugendfeuerwehr gesammelt haben. Die meisten der Mädchen und Jungen würden dabei bleiben und im entsprechenden Alter sogar in die aktive Truppe wechseln. Das Grundproblem sei ganz anderer Natur: So würden der Wehr viele gut ausgebildete junge Leute verloren gehen, sobald sie auswärts eine Schule besuchen, eine Ausbildung beginnen oder einen Job finden, der mit einem langen Arbeitsweg verbunden ist. Deshalb verfolgt man in der Wiesenburger Feuerwehr noch eine andere Strategie, um auf Dauer eine hohe Verfügbarkeit von Einsatzkräften zu sichern.

Sven Gerschler: "Uns liegt daran, auch Erwachsene für die Mitarbeit bei uns zu gewinnen. Das können auch 40- oder 50-Jährige sein. Von denen wird selbstverständlich niemand verlangen, dass sie eine Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger absolvieren. Uns ist schon geholfen, wenn sie beispielsweise ein Einsatzfahrzeug fahren können."

Früher sei das in Wiesenburg alles etwas einfacher gewesen. So waren vor dem Mauerfall etliche Wehrmitglieder in der örtlichen Landwirtschaft beschäftigt. Wenn da im Verlaufe des Tages eine Alarmierung erfolgte, standen in der Regel genügend Einsatzkräfte zur Verfügung. "Heute arbeiten viele weit auswärts oder zumindest in einiger Entfernung. Die Folge ist, dass wir tagsüber einfach nicht genügend Leute haben. Dabei sollte sich jeder darüber im Klaren sein: Je mehr Wehrmitglieder wir sind, umso besser können wir im Notfall helfen. Darüber sollte vielleicht der eine oder andere im Ort einmal in aller Ruhe nachdenken", sagte Gerschler. Aktuell versehen rund zwei Dutzend Frauen und Männer in der aktiven Einsatzgruppe ihren Dienst. In der Jugendfeuerwehr arbeiten zwölf Heranwachsende mit. Einige von ihnen wechseln demnächst in die aktive Truppe.

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