Werken fetzt am meisten

Der Ernst des Lebens beginnt: Josua Brechler ist seit wenigen Wochen ein Schulkind. Die "Freie Presse" begleitet den Stangengrüner im ersten Unterrichtsjahr. Heute: erste Bilanz in den ersten Ferien.

Stangengrün.

Josua überlegt ganz kurz. Dann sagt er: "Zwei Jahre." Also ungefähr. So lange, meint der Erstklässler, dauert es, bis er alles gelernt hat. Immerhin kann er schon einige Buchstaben lesen und in Schreibschrift zu Papier bringen. In Mathe rechnen sie schon mit den Zahlen von 1 bis 6.

Zwei Jahre? Josuas Mutter blickt erstaunt hoch. Nein, sagt sie. "Man lernt nie aus. Es gibt immer etwas zu lernen, immer. Das hört nie auf." Das lässt sich der Junge kurz auf der Zunge zergehen, dann nickt er. Mit dieser Aussicht kann er leben. Seit August besucht Josua Brechler die Grundschule in Hirschfeld. Jetzt genießt er seine ersten Ferien.

Seit August stiefelt er jeden Morgen los zur Bushaltestelle. Von Stangengrün fährt er nach Hirschfeld, direkt bis zum Schultor. Das Schönste dort ist das Lernen, findet Josua. Den Hofpausen kann er gerade nicht so viel abgewinnen. Am allermeisten Spaß hat er beim Werken und im Kunstunterricht. Mathematik ist auch in Ordnung. "Rechnen kann ich gut." Und Schreiben? Er rümpft ein bisschen die Nase. "Das geht nicht ganz so gut." Da schaltet sich Mutter Katrin Brechler wieder in das Gespräch ein. Josua muss zwar ein bisschen zusätzlich üben. "Aber vor allem deswegen, weil er alles auch gern ganz richtig machen will."

Dass ihrem Sohn ausgerechnet Werken so gut gefällt, wundert die Mutter nicht. Die Ferien nutzt Josua, um zuhause einen Bauernhof zu bauen. Dazu hat er Nägel in ein Brett geschlagen und festes Garn darum gespannt, so dass Gebäude entstanden sind. Außerdem hilft er auf dem heimischen Bauernhof mit. Auch dort sind gerade Bauarbeiten im Gange. Dabei darf er helfen - im Haushalt muss er hingegen mit anpacken. "Kleine Arbeiten sind selbstverständlich für die Kinder", sagt die Mutter.

Die Ferien haben für Josua noch eine Premiere gebracht: Er hat seine erste Plombe bekommen. Der Zahnarztbesuch war nicht wirklich schlimm, trotzdem fragt er seine Mutter, wie viele Plomben denn noch kommen. Die winkt ab: Ein paar werden es wohl im Laufe des Lebens. Wichtiger war aber, dass er sich die Wartezeit beim Arzt damit vertrieben hat, gemeinsam mit seiner Mutter aus einem Buch zu lesen. Das fand er klasse, deswegen lernt er ja auch so gern. Noch reicht es nicht, um allein ein Buch zu lesen. Aber immerhin hat Josua ein Ziel vor Augen, für das sich das ganze Lernen lohnt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...