Wildenfelser Tapeten - einfach einzigartig

Am 2. Europäischen Tag der Restaurierungen zeigen Experten im Schloss, wie sie sich Schicht für Schicht den Originalen nähern.

Wildenfels.

Das Ensemble der prachtvollen Tapeten an den Wänden des Schlosses Wildenfels gibt es im deutschsprachigen Raum nicht noch einmal. Museumsleiterin Dorothea List weiß um diesen Schatz. Dennoch gewährt sie Besuchern gern Einblicke. Am Sonntag, dem 13. Oktober, sogar ganz besondere.

An diesem Tag veranstaltet der Verband der Restauratoren den 2. Europäischen Tag der Restaurierung in Deutschland. Europaweit geben Restauratoren Einblicke in ihre Arbeit. Der Freundeskreis Schloss Wildenfels lädt gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege auf das Schloss ein. Die Restauratorinnen Henrike Tuchel und Roxana Naumann berichten, wie sie die wertvollen Seiden- und Papiertapeten aus den bis zu 15-lagigen Schichten mit viel Geduld und modernster Ultraschalltechnik herausholen und für die Nachwelt konservieren.

Die Historie von Schloss Wildenfels reicht mehr als 800 Jahre zurück. Nach dem Tod von Anarg Friedrich von Wildenfels ging die Wildenfelser Herrschaft 1602 an das Solmsche Grafenhaus über. Unter Friedrich Magnus I. und seiner wohlhabenden Gattin Caroline Sophie von Leiningen-Hartenburg entwickelte sich das Haus laut Dorothea List zu einem kulturellen Kleinod der Region.

Im 18. Jahrhundert dürfte das Chinesische Kabinett eingerichtet worden sein - die aktuelle Baustelle der Restauratoren. Das Kabinett wurde einst als Ankleide- oder auch intimes Zimmer genutzt, in das man sich zurückzog, um zu lesen oder Briefe zu schreiben. Eine erste Tapetenbahn ist bereits wieder an ihren Platz zurückgekehrt, zwei weitere sind in Arbeit. In den 1980er-Jahren waren diese abgenommen worden. Restaurierungsversuche zu DDR-Zeiten scheiterten. Der Freundeskreis entdeckte sie durch Nachforschungen in den Kunstsammlungen Zwickau wieder.

"Wir hatten uns das alles aber viel einfacher vorgestellt", sagt Freundeskreischef Karl Weiß. Der Plan war, die Seidenapplikationen an den vorbereiteten Bahnen einfach aufzukleben. Doch das sei ein Trugschluss gewesen. Die Schichten waren an die sechs Zentimeter dick und mächtig zerstört. Im Museum waren sie wie Teppiche - zusammengerollt - gelagert worden. Aus den geplanten 25.000 Euro Restaurierungskosten für eine einzige Tapetenbahn wurden rund 80.000 Euro. 2018 konnte diese erste Bahn wieder angebracht werden. Darauf zu sehen sind chinesische Figuren, aber auch afrikanische und europäische, wohl als Zeichen für Weltoffenheit.

Ursprünglich wollte es der Förderverein des Schlosses Wildenfels mit dieser einen Tapetenbahn bewenden lassen. Die Fachleute sind nun aber so begeistert, dass der gesamte Raum, also fünf Bahnen, wiederhergestellt werden kann, freut sich Weiß. Das freilich hat seinen Preis: Ein 450.000-Euro-Projekt, schätzt er.

2012 waren die orientalischen Tapeten im Blauen Salon restauriert worden: offenbar eine Kriegsbeute des Grafen aus dem russisch-türkischen Krieg anno 1737, Seide mit Silberfaden, handgewebt und gestickt mit Originalen aus dem Orient.

Im Mondscheinzimmer, dem ehemaligen Schlafgemach, ließ der Freundeskreis von der Crimmitschauer Firma Eschke Tapeten nachweben, nach einem Original aus dem Jahr 1780, wie es im benachbarten Großen Roten Salon entdeckt wurde.

Im Vorjahr begannen zudem die Untersuchungen zum Kleinen Roten Salon. Und auch da trat Überraschendes zutage. Unter einer Leiste fanden sich Stoffreste, darunter erneut eine Seidentapete mit einer chinesischen Figur und darunter eine Tapete, auf deren Rückseite ein Panoramabild zu sehen ist. Laut List werden diese Stücke nun von Dresdner Studenten weiter untersucht. "Wir können hier noch die nächsten 100 Jahre Restauratoren beschäftigen", sagte sie mit einem Augenzwinkern. Ohne Fördermittel laufe da aber gar nichts: Bund, Land, Stadt und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung geben Geld.

Europäischer Tag der Restaurierung, 13.Oktober, Schloss Wildenfels, Schlossstraße2: 10.30 Uhr Eröffnung, 11 und 14 Uhr Kurzvortrag und Schlossrundgang mit den Restauratorinnen, 10 bis 18 Uhr Imbiss im Schlosskeller.

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