Zeugen zu Messerstecherei fehlen: Gericht muss Urteil verschieben

Ein 18-jähriger Afghane überlebte einen Angriff mit einem Messer am Zwickauer Georgenplatz nur durch eine Notoperation. Das Strafverfahren gegen zwei seiner Landsleute zieht sich in die Länge.

Zwickau.

Eigentlich standen am Montagvormittag die Plädoyers auf der Tagesordnung. Doch daraus wurde nichts. Und so konnte noch kein Urteil fallen in dem Fall, der am Karfreitag dieses Jahres den Zwickauer Georgenplatz erschüttert hatte: Ein junger Afghane war dort mit einem Messer so schwer verletzt worden, dass er notoperiert werden musste. Zwei seiner Landsleute stehen deswegen vor der Jugendstrafkammer des Zwickauer Landgerichts. Einer von beiden soll dem Opfer die Klinge in die Lunge gerammt haben. Der andere soll ihn zu der Tat angestiftet haben. Jedoch: Am Montag gingen dem Gericht die Zeugen aus.

Am Dienstag vergangener Woche hatte der Verteidiger des mutmaßlichen Messerstechers die Anhörung von vier weiteren Zeugen beantragt. Sie sollten offenbar Informationen dazu liefern, dass das Opfer der eigentliche Angreifer gewesen sei - und der Afghane dabei selbst in das Messer gelaufen ist. Doch die Zeugen haben ihre Ladungen offenbar erst am Samstag per Post erhalten. Da zwei Zeuginnen aus Verden bei Bremen und Nürnberg hätten anreisen müssen, scheiterte der Termin. Ein weiterer Afghane, der an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein soll, ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass er von seinem Recht auf Verweigerung der Aussage Gebrauch mache. Gegen ihn ist ein Strafverfahren anhängig.


Damit konnte das Gericht am Montag lediglich einen in Wilkau-Haßlau lebenden Iraner vernehmen. Der 40 Jahre alte Zeuge wollte nach eigenen Angaben den Streit schlichten und die Prügelnden voneinander trennen. Er bestätigte, dass der 18-jährige Angeklagte plötzlich ein Messer in der Hand hatte. Wie es dazu kam, dass die Klinge zehn Zentimeter tief in die Brust seines Gegenübers eindringen konnte, wusste er nicht. Der Zeuge vermutete, dass der Angeklagte die Gegner damit auf Abstand halten wollte. Wiederholt fragte Richter Klaus Hartmann, ob der Angeklagte auf sein Opfer zugegangen war oder umgekehrt. Heißt: Er wollte wissen, ob das Opfer in das Messer gelaufen ist oder ob der Angeklagte damit zugestochen hat. Diese Frage konnte der Zeuge nicht beantworten. Daher kann das Gericht nicht ausschließen, dass der Unbewaffnete dem Bewaffneten ins Messer gefallen ist. Für die rechtliche Bewertung jedoch hat der Umstand, wer auf wen zuging, eine eher geringe Bedeutung, wie Richter Hartmann sagte. Entscheidend sei, dass der Angeklagte die Tatwaffe in der Hand hielt und das Messer schließlich im Oberkörper des Opfers steckte. "Man sticht nicht mit einem Messer zu, auch dann nicht, wenn man sich bedroht fühlt."

Auch die Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe erstattete am Montag ihren Bericht. Dem Hauptangeklagten bestätigte sie eine hohe Intelligenz, die ihm einen besseren Schulabschluss ermöglicht hätte, wenn er gewollt hätte. Allerdings sei es ihm in den Asylunterkünften schwergefallen, sich unterzuordnen und sich an Regeln zu halten. Seine Interessen habe er nicht immer mit geeigneten Mitteln durchgesetzt. Zudem fehle ihm die Einsicht in Fehlverhalten. Die Mitarbeiter in den verschiedenen Unterkünften hätten ihn als respektlos und arrogant beschrieben. Das Verfahren wird am Montag fortgesetzt.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    701726
    10.09.2019

    Gegen solche Täter muß endlich hart durchgegriffen werden.



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