Zwickau damals und heute, Folge 16: Gasthof "Zur Grünen Linde" in Schedewitz

An der Äußeren Schneeberger Straße 95 stand der Gasthof "Zur Grünen Linde". Bis 1938 lautete die Anschrift noch Hauptstraße 46, bevor dieser Straßenname entfiel. Die jetzt durch die ehemalige Hauptstraße verlängerte Äußere Schneeberger Straße wurde nach der Einverleibung des "Sudetenlandes" durch das Deutsche Reich am 1. Oktober 1938 zunächst als Karlsbader Straße bezeichnet. Das wurde nach 1945 wieder geändert, und so lautet die Adresse wieder Äußere Schneeberger Straße. Das historische Bild zeigt den Gasthof "Zur Grünen Linde". Der erste Gasthof wurde wohl um 1854 erbaut. Die Vereinsbrauerei Zwickau erwarb den Gasthof 1906. Sie baute bis 1912 die Gasträume um und bis 1914 die beiden Lindensäle an. Der Gasthof "Zur Grünen Linde" war ein beliebtes Lokal der Schedewitzer, aber auch der Zwickauer Einwohner, darunter viele Bergleute aus den umliegenden Steinkohlewerken.

Der Verkauf des Gasthofes an den damaligen Pächter Karl Hagenmüller scheiterte, da die Heeresstandortverwaltung am 1. Oktober 1943 das Objekt in Beschlag nahm. Im Krieg und auch in den Monaten nach Kriegsende fehlte das typische Leben in dieser renommierten Gaststätte. Ab Juni 1950 nutzte die Wismut diese Einrichtung kurzzeitig als Kulturhaus "Aufbau". Wegen der großen Bedeutung der Steinkohleförderung für den Wiederaufbau der DDR wurde noch im gleichen Jahr durch den VEB Steinkohlenwerk "August Bebel" das Haus zum Klubhaus "Steinkohle" umgewandelt. Am 15. Juli 1950 fand vor den Arbeitern der erste große Auftritt unter dem Motto: "Heiter und froh - das sowieso" statt. Alle bedeutenden politischen und betrieblichen Veranstaltungen des Werkes fanden bis 1989 in den Sälen dieses Klubhauses statt. Am 11. November 1995 brannte das stillgelegte Klubhaus "Steinkohle" ab. Es wurde Brandstiftung vermutet. An dieser freigewordenen Stelle wurde im April 2004 der Einkaufsmarkt "Saturn" (rechts) eröffnet. (nope)


Noch mehr Stadtansichten gibt es in Norbert Peschkes Buch "Zwickau - damals und heute", das im Chemnitzer Verlag erschienen ist. Erhältlich ist es im "Freie Presse"-Shop, Hauptstraße 13 in Zwickau. Preis: 19,95 Euro.

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