Zwickau damals und heute, Folge 39: Der Virchowplatz in Marienthal

1921 entstand im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen des in diesem Jahr eröffneten Staatlichen Krankenstiftes in Marienthal der heutige Virchowplatz. In den 1930er-Jahren hieß er noch Schlageterplatz, benannt nach dem Soldaten Albert Leo Schlageter, der wegen Spionage von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und 1923 hingerichtet worden war. Im Dritten Reich trug er auch den Namen Horst-Wessel-Platz. Die eingleisige Straßenbahnlinie zum Krankenhaus - ab Gasthof "Zur Tanne" zweigleisig - wurde drei Jahre nach der Eröffnung des Krankenstiftes in Betrieb genommen. Auf dem Foto erkennt man eine am Führerstand geschlossene Straßenbahn, eine für die damalige Zeit sehr moderne Bauart. Die Straßenbahn bekam 1967 ab Pumpwerk Marienthal einen separaten Gleiskörper zum Krankenhaus, der auf dem aktuellen Foto nicht zu sehen ist. Die Bahn quert den Virchowplatz heute an der westlichen Seite. Zwei Seiten des dreiseitigen Platzes haben die Postanschrift Virchowplatz, während der Abzweig zum Krankenhaus die Karl-Keil-Straße bildet.

Der freie Blick vom heutigen Virchowplatz (historische Ansichtskarte) stadteinwärts zeigt im Hintergrund die noch relativ unbebaute Alberthöhe (Windberg). Der Virchowplatz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nach dem Professor für Pathologie und Begründer der deutschen Sozialhygiene Rudolf Virchow (1821-1902) benannt. Links erkennt man den 1927 eröffneten Gasthof "Zur Tanne", zu dessen Komplex anfangs noch ein Fleisch- und Wurstwarengeschäft gehörte. Allerdings ist dieser renommierte Bau gegenwärtig ohne Bewirtung. Die Bebauung beiderseits der Karl-Keil-Straße und rund um den Virchowplatz ist bis heute weithin erhalten geblieben. Karl Keil war von 1898 bis 1919 Zwickauer Oberbürgermeister. Die markante Turmspitze im Hintergrund gehört zur nach 1890 errichteten "Nadelburg" des Schneidermeisters Blume - auch als Oswald-Villa bekannt. Heute ist das Anwesen (Werdauer Straße 145, 145 A) wieder Wohnhaus und Anwaltskanzlei. Auffällig ist, dass die Marienthaler Idylle, die das alte Bild ausstrahlt, dem heutigen Verkehr auf dieser viel befahrenen Straße weichen musste, das typische Marienthaler Stadtgrün aber dominiert. Die Sicht bis zum Windberg ging aber vor allem durch Baumbewuchs weithin verloren.

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